Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

5.03.2013

Essen verbindet Generationen

Kochen verbindet nicht nur interessierte Hausfrauen oder in speziellen Kursen auch die modernen Männer oder vor dem Fernseher die Anhänger der Kochshows. In Steglitz hat sich jetzt, dank gutem Essen, auch eine Gruppe von Kindern und Senioren zusammengefunden.

Kochen in der JeverNeun, Fotos: NBHS

Im Jugend- und Familienzentrum JeverNeun gibt es für die Kinder der 5. und 6. Klassenstufe dienstags das Angebot, gesund zu kochen. Ursprünglich war es die Idee, die Kinder damit vertraut zu machen, dass man Essen auch ohne Pulver und Chemie zubereiten kann. Geleitet wird das Projekt, für das es anfangs sogar Mittel vom Jugendamt gab, von Herrn Baumann, der selbst Restaurantfachmann ist und daher mit seiner qualifizierten Erfahrung hinter dem Ganzen steht. Erst geht er mit den Kindern einkaufen, und dann wird in der Küche gekocht und gebacken. Nudeln, Fleisch, Pizza, Blechkuchen, alles was das Herz bzw. der Magen begehrt. Der Teig wird selbst geknetet, wie lange muss die Hefe gehen? Und Soßen werden mit frischen Kräutern gewürzt. Die Teilnehmer der Gruppe wechseln. Es sind sowohl Mädchen als auch Jungen dabei. Manche Kinder kommen nur gelegentlich, manche kommen immer wieder. Alles ist freiwillig

Nach den ersten Erfahrungen habe die Kinder dann mal für ihre Eltern gekocht und sie ins Jugendzentrum eingeladen. Ein Mädchen erzählte mir, dass sie inzwischen sogar schon zu Hause für die ganze Familie Eierkuchen gebacken hat.

Spielen und Essen
So motiviert, kam eine neue Idee. Im Wohnhaus auf der anderen Straßenseite trifft sich regelmäßig eine Gruppe von Senioren zum Kaffeeklatsch und gemeinsamen Spiel, ebenfalls dienstags. „Wollen wir die mal fragen, ob wir was für sie backen können?“ Also marschierte die ganze Gruppe rüber. Man stellte sich gegenseitig vor und fragte nach besonderen Wünschen, und die Senioren waren begeistert, Kuchen ist immer gut, egal was. Entsprechend haben die Kinder gebacken, Apfelkuchen. Es hat allen geschmeckt. So kam man ins Gespräch, was spielen die Damen und Herren denn so jede Woche, was haben sie früher als Kinder gespielt und was spielen die Kinder heute gerne. Man verabredete sich und spielte zusammen, manchmal brachten die Kinder auch ihre Spiele mit. Der Kontakt war aufgebaut. Ja, auch im täglichen Leben, beim Treffen auf der Straße gehen sie nicht mehr achtlos aneinander vorbei, sondern freuen sich, die Leute wiederzutreffen, die sie dienstags kennen gelernt haben.

Das Ganze gipfelte dann vor Weihnachten in einem „perfekten Dinner“. Die Kochgruppe vom JeverNeun hat die Seniorengruppe von gegenüber zu einem dreigängigen Menü eingeladen. Es gab Buchstabensuppe, Gulasch mit Spagetti und Milchreis mit Apfelmus. Alles frisch zubereitet. Die Kinder hatten vorher den Tisch feierlich eingedeckt und trugen die Teller mit den Speisen auf, und die Besucher ließen es sich gut schmecken. Es war ein voller Erfolg! Alle waren glücklich!

Nun will man die gemeinsamen Spielenachmittage fortsetzen. Und es gibt auch schon Überlegungen, ob das Koch-Event wiederholt werden könnte, vielleicht in einer etwas anderen Form. Könnte sich hier ein neues Projekt entwickeln? Kindern kochen für Senioren? Vielleicht geben ja auch die Damen mal Tipps und Anregungen aus ihrem reichen Erfahrungsschatz. Auf jeden Fall haben sich neue Kontakte entwickelt. Junge und alte Leute haben zusammen gefunden, ganz ungezwungen. Sie treffen sich, sie spielen miteinander, sie essen zusammen, sie interessieren sich für einander.

Überall werden Jungendliche gesucht, die ehrenamtlich alte und einsame Mitbürger besuchen. Auch im Schöneberger Nachbarschaftsheim werden aktive Senioren gesucht, die ehrenamtlich junge Familien unterstützen. Hier haben sich ganz zufällig junge und alte Menschen gefunden, die gemeinsame Interessen haben, essen und spielen, und die sich ganz ungezwungen treffen und zusammen ihre Zeit verbringen, ohne gegenseitige Verpflichtung, sondern nur aus gegenseitigem Interesse. Das JeverNeun will mit seiner Kochgruppe diesen Erfolg weiterführen.

Christine Bitterwolf

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