Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

04.07.2011 / Projekte und Initiativen

Erstes verantwortungsvolles Ehrenamt

Ehrenamtliche Arbeit wird heute in allen Bereichen der Stadt groß geschrieben und überall dankbar angenommen. Seitens des Senates wird das Ehrenamt in verschiedenen Formen gewürdigt. Daher ist es sinnvoll, auch Kinder frühzeitig mit ehrenamtlichen Aufgaben und Ämtern vertraut zu machen.
Bei der Urkundenverleihung im Nachbarschaftstreff Steinmetzstraße. Foto: Tanja Krokos

An allen Schulen werden jedes Jahr Klassensprecher gewählt. Alle Schüler lernen so den Sinn von Wahlen und Mehrheitsentscheidungen und sie lernen auch, dass mit dem Amt, in das sie gewählt werden, eine Aufgabe verbunden ist, die sie zusätzlich zu ihren schulischen Pflichten übernehmen. Jedenfalls sollte das immer so sein. Manchmal sind die Klassensprecherwahlen auch nur eine leidige Pflichtübung. Nicht so an der Neumark-Grundschule in der Steinmetzstrasse. Hier wird dieses Ehrenamt von allen Seiten besonders gewürdigt.

Jede Klasse wählt ab dem dritten Schuljahr jeweils einen Jungen und ein Mädchen aus ihren Reihen zu Klassensprechern. Dieses Amt wird an der Neumark-Grundschule durch Fortbildungsveranstaltungen besonders interessant gestaltet. Fortbildung heißt hier jedoch nicht unbedingt zusätzliches Lernen für zusätzliche Arbeit, das würde Schulkindern nicht unbedingt erstrebenswert erscheinen, sondern zusätzliche Informationen und Aktivitäten, die wirklich Spaß machen.

In den regelmäßigen Klassensprecherkonferenzen lernen die Kids, dass diese Position sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern der Klasse Vertrauen und Respekt genießt, dass sie aber selbst auch eine Vorbildfunktion haben und immer gerecht und gewaltfrei handeln sollten. Anderenfalls ist es schon vorgekommen, dass die Schüler einer Klasse ihren Sprecher abgewählt hatten, weil er zu frech war.

Im letzten Schuljahr gab es im Rahmen dieser Konferenzen einmal ein Projekt „Rechte der Kinder“, wobei u.a. erörtert wurde, dass es neben der Schulpflicht ein Recht auf Bildung gibt. Ein anderes Mal wurde ein Referent eingeladen zu dem Problem „Sicherheit und Gefahren im Internet“. Begeistert waren die Klassensprecher auch von einem „1.Hilfe-Kurs“. In dem Zusammenhang kam extra ein Rettungswagen auf den Schulhof, den die Kinder besichtigen und dessen Geräte sie ausprobieren konnten.
Im Anschluss an die Veranstaltungen müssen sie dann ihren Mitschülern aus den Klassensprecherkonferenzen berichten.

Außerdem wählen alle Klassensprecher zwei Schulsprecher, die sie in den Schulkonferenzen vertreten, wo sich die Kinder mit ihren Anliegen auch zu Wort melden können. Und zwei Delegierte werden ins Jugendparlament im Rathaus Schöneberg geschickt. Hier können sie eigene Anträge für ihre Schule einreichen. Im letzten Schuljahr hat die Schule auf diesem Weg zwei neue Tore für den Sportplatz bekommen.

Die Organisation dieser Konferenzen mit den speziellen Veranstaltungen wird gerne von den Erzieherinnen der Schulstation Ursula Gronostay und Brigitte Schulte übernommen.
Durch diese Events ist das Amt des Klassensprechers an der Schule so attraktiv geworden, dass es jedes Mal bei den Neuwahlen viele Bewerber gibt. Manch ein Schüler ist dann enttäuscht, wenn er nicht gewählt wird.

Als krönender Abschluss wird am Ende des Schuljahres zum Dank für die geleistete Arbeit eine Urkunde überreicht. Schulleiter Ulf Schröder erscheint persönlich in der Konferenzrunde und spricht mit den Klassensprechern über das vergangene Schuljahr, ehe er jeden Einzelnen zu sich ruft, um ihm mit freundlichen Worten die Dankes-Urkunde zu überreichen. Den Vertretern der oberen Klassen gibt er noch den Hinweis, dass sie dieses Dokument auch bei der Bewerbung an einer weiterführenden Schule vorlegen können, um zu zeigen, dass sie bereit sind, sich auf besondere Art für die Schulgemeinschaft zu engagieren.

Wenn Kinder auf diese Weise schon so früh an ehrenamtliche Aufgaben herangeführt werden und motiviert werden, sich zu engagieren und für die Gemeinschaft einzusetzen, dann will man gerne glauben, dass sie sich zu verantwortungsvollen Mitbürgern entwickeln können.

Christine Bitterwolf

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