Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

15.03.2011 / Menschen in Schöneberg

Ersatzverlegung von zerstörten Stolpersteinen

Am 29. Oktober 2010 wurden in der Gleditschstraße 55 drei Stolpersteine für die jüdische Familie Traub verlegt, initiiert von einem früheren Bewohner des Hauses. Kurz danach wurden alle drei Steine mit brutalen Hieben schwer beschädigt.
Dieter Hapel, Bezirksstadtrat für Schule, Bildung und Kultur, spricht bei der Stolpersteinverlegung

Auf Initiative des Schöneberger Kulturarbeitskreises e.V., der im Bezirk Tempelhof-Schöneberg das Porjekt "Stolpersteine" ehrenamtlich unterstützt, und aus Mitteln der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg konnten die zerstörten Steine neu hergestellt werden. Aufgrund des vorzeitigen Wintereinbruchs war es leider nicht mehr möglich, die beschädigten Steine unmittelbar zu ersetzen. Dies wurde jetzt nachgeholt.

Bei der Verlegung sprach Dieter Hapel, Bezirksstadtrat für Schule, Bildung und Kultur. Die Stadtteilzeitung veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Herrn Hapel seine Rede:

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Stolpersteinpatinnen und -paten,
sehr geehrte Mitglieder des Schöneberger Kulturuarbeitskreises,

am 29. Oktober vergangenen Jahres wurden an dieser Stelle drei Stolpersteine für Rosa, Ferdinand und Alfred Traub verlegt. Die Initiative und Patenschaft hatte Wolf Thieme übernommen, ein ehemaliger Bewohner des Hauses Gleditschstr. 55. In der Nacht darauf wurden alle 3 Steine von Unbekannten zerstört.

Wir waren erschüttert über die sinnlose Zerstörungswut. Heute sind wir hier zusammengekommen, um die zerstörten Stolpersteine durch neue Steine zu ersetzen.  .

Familie Traub lebte ab 1915 in einer Zweizimmerwohnung in der Gleditschstraße 55. Im Juni 1940 wurde das Ehepaar Traub in die Kyffhäuser Straße 12 zwangsumgesiedelt. Der Sohn Alfred hatte die elterliche Wohnung bereits 1926 verlassen. Nach der Zwangsumsiedlung seiner Eltern zog er wieder zurück in die verwaiste elterliche Wohnung in der Gleditschstraße 55. Von dort wurde er am 28. März 1942 deportiert. Er wurde am 22. Juni 1942 in Majdanek ermordet.

Das Ehepaar Traub wurde am 17. März 1943 nach Theresienstadt überführt. Dort starb Ferdinand Traub nur 10 Tage nach seiner Ankunft. Seine Frau Rosa überlebte ihn nur um etwas mehr als vier Monate. Sie starb am 4. August 1943.

Ich bin froh, dass auf Initiative des Schöneberger Kulturarbeitskreises e.V., der im Bezirk Tempelhof-Schöneberg das Projekt "Stolpersteine" ehrenamtlich unterstützt, und aus Mitteln der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg die zerstörten Steine gleich noch einmal hergestellt werden konnten.

Aufgrund des vorzeitigen Wintereinbruchs bereits im November war es leider nicht mehr möglich, die beschädigten Steine sofort  zu ersetzen. Dies soll heute  nachgeholt werden.
Ich danke auch Herrn Frank vom Oberstufenzentrum für Bautechnik für seine Bereitschaft, die Steine noch einmal  neu zu verlegen.

Ihnen allen, die Sie heute hier sind und an der Neuverlegung teilnehmen, danke ich für Ihre Anwesenheit, Ihr Interesse und Ihr Engagement.

Das Projekt Stolpersteine als dezentrales Gedenkprojekt lebt davon, dass viele Einzelne oder Gruppen sich an einem gemeinsamen Prozess des Erinnerns und Gedenkens beteiligen.

In Tempelhof und Schöneberg sind seit 2003  mehr als 390 Stolpersteine verlegt worden; glücklicherweise haben wir bisher einen ähnlichen Fall der Zerstörungswut nicht erlebt. Umso betroffener hat es mich gemacht, hiervon zu erfahren.

So wie das Projekt Stolpersteine Kreise zieht und immer mehr Menschen involviert, wünsche ich mir, dass auch der Kreis derjenigen wächst, die engagiert Stellung beziehen gegen rechte Gewalt in jeder Form.

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden