Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

25.09.2012 / Gewerbe im Kiez

Eleganz und edles Holz?

Seit geraumer Zeit ist es Mode geworden, dass Ärzte uns alle möglichen Präparate oder Dienstleistungen verkaufen wollen, die die Krankenkassen nicht bezahlen. Wir haben uns daran gewöhnt oder auch nicht, haben vielleicht den Arzt gewechselt, wenn es uns zu bunt wurde oder uns auch zur einen oder anderen privaten Maßnahme überreden lassen.
Fotos: Thomas Protz

Nun haben sich auch Krankenhäuser etwas einfallen lassen. Schon seit 2010 bietet Vivantes ein sogenanntes „Segment Komfort“ in seinen Kliniken an, Vorreiter waren Humboldt Klinikum und Klinikum Spandau. Am 23. August wurden nun nach achtmonatiger Bauzeit die neuen Komfortstationen der Vivantes Kliniken Schöneberg und Neukölln offiziell eröffnet, die insgesamt 54 Betten sind nahezu vollständig belegt. Eleganz und edles Holz  kann man dort nicht erwarten, sondern solides Resopal und zweckmäßige Ausstattung.

Wir sind ja nicht im Luxushotel, wenn auch Vivantes Komfort verspricht und Hotelservice: Ein- und Zweibettzimmer mit eigenem Bad, die „höchsten Ansprüchen genügen. Inklusive Bademantel, Minibar und DVD-Player“ (Pressemitteilung). Für derzeit 135 Euro pro Tag (65 Euro im Zweitbettzimmer) erwarten den Patienten „eine stets verfügbare Getränkeauswahl, Handtücher ... eine Tageszeitung und Serviceleistungen durch ein besonders geschultes Personal“. Ein Knüller ist das elektrisch verstellbare Bett. Wer nicht privat versichert ist oder eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen hat, kann die Zuschläge auch aus eigener Tasche zahlen – wenn er kann. Auch entsprechende Migranten sind übrigens gern gesehen.

Es ist nicht der alte 1. Klasse-Patient mit Chefarztbehandlung, der hier umworben wird, sondern jeder halbwegs Betuchte kann sich den Krankenhausaufenthalt auf diese Weise erleichtern, und das ist schon nicht wenig. Komfort über die medizinische Behandlung hinaus wird versprochen, und auch eine Begleitperson kann auf Wunsch mit im Zimmer wohnen. Gegessen wird in einem gesonderten Speiseraum, in dem die Speisekarte um Zusatzangebote bereichert wird (dem Himmel sei Dank!), das Frühstück wird als Buffet gereicht. Für den Chefarzt muss jedoch gesondert gezahlt werden.

Für diejenigen unter uns, denen das Geld lockerer sitzt, sind gute Zeiten im Krankenhaus angebrochen. Die Zwei-Klassen-Medizin lässt grüßen!

Sigrid Wiegand

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