Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10.12.2020

„Eins, zwei, drei - Bühne frei!“

An der Johann August Zeune-Schule verfeinern blinde und sehbehinderte Kinder ihre Schauspielkünste!

Eva-Maria Bartholomäus vor der Johann August Zeune-Schule. Foto: NBHS

„Eins, zwei, drei – Bühne frei!“ - nachdem der Hall des Einzählens in der Schulaula verklingt, folgt leises Gekicher. Dann starten die SchauspielerInnen mit ihrem einstudierten Stück und ihre MitschülerInnen lauschen gespannt. Aber warum lauschen und nicht zuschauen? Na, weil diese Theaterstunde für und mit Kindern gestaltet wird, die sich in ihrem Alltag vor allem auf ihre Ohren und ihren Tastsinn verlassen.

Eva-Maria Bartholomäus ist Leiterin des Theaterkurses. Ein wichtiger Ansatzpunkt des Projektes ist die Differenz zwischen Körper und Sprache zu überbrücken. So beschreibt es die Theaterpädagogin: „Die Kinder sind sprachlich super, deshalb konzentrieren wir uns vor allem auf körperliche Ausdrucksformen.“ Durch die Theaterübungen wird der eigene Körper besser auf der Bühne wahrgenommen.
In dem Theaterangebot sehen die Projektkoordinatoren einen deutlichen Beitrag zur Gestaltung von inklusiven Strukturen im Stadtteil – es geht um Teil-habe! Aus Sicht des Projekts „Ich-bin-ein-Stadtteil“ soll mit dem dritten Theaterkurs in Folge PädagogInnen die Angst genommen werden, Neuland zu betreten. Darum werden Handlungswerkzeuge und Alltagserfahrungen durch Wissenstransfer für nachfolgende Projekte nachvollziehbar und nutzbar gemacht.

Als Theaterpädagogin und Clownin in Ausbildung, ist Eva-Maria Bartholomäus genau die Richtige für das Projekt. Sie ist es gewohnt, mit unterschiedlichen Altersgruppen oder verschiedenen Publika umzugehen. Für sie selbst ist der Einsatz in der Zeune-Schule eine neue Herausforderung, die sie zu lieben gelernt hat. Vor allem bei den kleinen Dingen bemerke Sie, dass ihre Schützlinge das Schauspielen ab und an anders „betrachten“ - so kann ein stilles Publikum leicht zur Orientierungslosigkeit führen. Doch mit Ihrem empathischen und aufmerksamen Umgang gelingt es ihr, alle zwei Wochen aufs Neue, die SchülerInnen zu bestärken und deren Ideen und Schauspielkünste auf Augenhöhe ernst zu nehmen.
Die Kinder wollen am Anfang erst mal Superhelden spielen. Für die Theaterübungen bedarf es genaueren Beschreibungen der Anleiterin, wie der eigene Körper eingesetzt wird. Beeindruckend ist, so Sebastian Singer, einer der Projektkoordinatoren, wie sich die Kinder intuitiv in den ihnen bekannten Räumen und im Stadtteil bewegen. Für sehende Menschen ist das nicht direkt nachvollziehbar. Liegt vielleicht darin Ihre Superkraft? Im Theaterkurs können Eva und die Zusehenden und Zuhörenden ebenfalls noch einiges lernen.
Wie freuen uns schon alle auf eine Aufführung im nächsten Jahr – die Proben laufen!

Weitere Infos unter
https://jeverneun.nbhs.de/projekt-ich-bin-ein-stadtteil
Die Johann August Zeune-Schule wurde im Jahr 1806 als erste deutsche Blindenschule in Berlin gegründet. Heute erfüllt sie Aufgaben, die sich nicht nur über alle Bereiche des Berliner Schulsystems erstrecken, sondern weit darüber hinaus. So werden blinde, sehbehinderte und mehrfachbehinderte Menschen vom Babyalter bis ins junge Erwachsenenalter sowohl an der Zeune-Schule selbst als auch in anderen Institutionen berlinweit inklusiv beschult und unterstützt.

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