Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10.03.2018 / Gewerbe im Kiez

Eine besondere Werkstatt

Über 14 Jahre standen die Räume in der Cranachstraße 9 leer, jetzt sind die Schaufenster mit faszinierenden Figuren und einer Installation bestückt.
Atelier in der Cranachtraße. Foto: Thomas Protz

Im Inneren des Ateliers stehen Skulpturen, die neugierige BesucherInnen anlocken. Die Arbeiten sind teils in Berlin entstanden, andere wiederum im Laufe von ca. 30 Arbeitsjahren in ihrem Atelier in Rheinhessen. Eva Mühlendyck wohnt seit 4 Jahren in Berlin, wo sie einige Jahre ihrer Kindheit verbracht hat. Besonders interessiert sie sich für die geschichtlichen und gesellschaftlichen Umbrüche dieser Stadt und natürlich für die unendlich vielen Eindrücke, die eine solche Stadt zu bieten hat. Ihre Leidenschaft: gebrochene Biographien.

Die Tochter einer Malerin absolvierte nach einigen Semestern Kunstgeschichte eine Antiquariatslehre, arbeitete in einer Restaurierungswerkstatt und beschäftigte sich mit Puppentheater, bevor sie sich der Skulptur und später dann der Installation zuwandte. Für ihre Skulpturen verwendet sie vorzugsweise Ton, aber auch Stoff, Fundstücke aller Art, Gips etc. Außerdem zeichnet sie und arbeitet an Installationen. Eine davon, “Die Geburt”, kann man momentan im Ausstellungsraum des Ateliers anschauen. Verschiedenste Objekte und Kästen liegen in einer wüstenähnlichen Landschaft verstreut. Sie er-zählen von Auseinandersetzung, Zerstörung, aber auch von der Hoffnung, dass Chaos zu einem Neuanfang geführt werden kann.

Eine weitere interessante Skulpturengruppe mit dem Titel “Initiation und Ambivalenz” zeigt 5 große Figuren, aus deren Körpern sich Plexiglaskugeln wölben, in denen das geheimnisvolle Innen-leben der Dargestellten sichtbar wird. Andere Skulpturen erscheinen als Büsten, manche davon erinnern an Märchenikonen. Am Eingang empfängt den Betrachter ein frühes Werk, eine Art “Schicksalsgöttin”, mit üppiger, barocker Haarpracht. Die Frauenfigur deutet auf ihren Ring, für Eva Mühlendyck ein Symbol für Treue zu sich selbst. Im gleichen Raum findet sich eine aufrecht sitzende Skulptur, stark farbig bemalt, mit einem ins Unermessliche wachsenden Hals. Die Betrachterin rätselt, was dieser lange Hals bedeuten kann.

Mir haben besonders 3 kleine Phantasietiere gefallen, die in einer kuriosen lebhaften Konversation miteinander zugange sind - eine Erinnerung an das rheinhessische Dorf, in dem sie ihr letztes Atelier hatte. Hier in Friedenau fühlt sie sich sehr wohl in ihrer Nachbarschaft, die sie bei der Einrichtung und Eröffnung ihres Ateliers tatkräftig unterstützt hat. Seit 3 Jahren nimmt die Künstlerin an der Südwestpassage teil. Passanten, die sich für ihre Arbeit interessieren, sind herzlich eingeladen, an der Ateliertür zu klingeln, um mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Werkstatt für Luft- und Höhlenforschung
Eva Mühlendyck
Cranachstrasse 9, 12157 Berlin

Sarah Felicitas Samura

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