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17.10.2016 / Projekte und Initiativen

Ein Weg wird zum Ziel

Am 14. September übergab Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) am Haus Bozener Straße 18, in dem Bernstein von 1918 bis 1932 wohnte, der Öffentlichkeit eine Gedenktafel.
Von links nach rechts: Holger Hübner (stellv. Vors. der Historischen Kommission der Berliner SPD), Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, Gudrun Blankenburg, Klaus Leesch, Dr. Heinrich Wörrmann (Vors. der Historischen Kommission der Berliner SPD). Foto: Pressestelle BA Tempelhof-Schöneberg

Die Sozialdemokratie ist die älteste deutsche Partei. Seit der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ 1863 bestehen in ununterbrochener Folge politische Nachfolgeorganisationen. Doch es gibt Vorläufer, die ihre Wurzeln in der bürgerlichen Demokratiebewegung gegen den zwar aufgeklärten, aber auch feudalen Obrigkeitsstaat haben.

Deren, nach dem triumphalen Hambacher Fest 1832, verstärkt einsetzende Verfolgung zwang ihre führenden Vertreter zunächst in die französische Emigration. Aber wegen ihrer Beteiligung am niedergeschlagenen Aufstand der dortigen Revolutionäre um Blanqui 1839 wurde noch eine zweite Emigration weiter nach England erforderlich. Und dort entstand schließlich als Weiterentwicklung jener „Bund der Kommunisten“, in dessen Auftrag Karl Marx und Friedrich Engels am Vorabend der großen europäischen Aufstandsbewegung von 1848 das „Manifest der Kommunistischen Partei“ verfassten.

Der Grundgedanke dieser wortgewaltigen Schrift ist die aus der Kritik der Hegelschen Geschichtsphilosophie gewonnene Einsicht, dass die geschichtliche Entwicklung nicht Ideen folgt, sondern den Veränderungen der ökonomischen Produktionsweise. Danach bestimmen seit der Ursünde der ersten Aufteilung der natürlichen Umgebung unter Eigentümer solche Veränderungen mit Notwendigkeit die jeweiligen Formen der gesellschaftlichen Gliederung, und damit auch die jeweiligen politischen und intellektuellen Gestaltungen. Daher sei alle Geschichte eine Geschichte von  Klassenkämpfen zwischen Besitzenden und Besitzlosen, zwischen herrschenden und beherrschten Schichten. Und es sei die historische Bestimmung der im Zuge der Industrialisierung entstehenden Arbeiterschaft, diese Spaltung der Gesellschaft ein für alle Mal zu überwinden.

Mit dieser umstürzenden These kam jener radikale Zug in die junge Arbeiterbewegung, der im Verlauf der Auseinandersetzungen mit den eher gewerkschaftlich auf die Linderung der konkreten Nöte ausgerichteten Kräfte schließlich zum bestimmenden Faktor in der vereinigten Partei wurde. In der Ära des Aufstiegs der Sozialdemokratie zur Massenpartei war Bismarck als Kanzler der reichsdeutsch gewordenen Monarchie der politische Gegenspieler und doch auch ein unfreiwilliger Helfer. Denn die von ihm eingeführten Sozialversicherungen zeigten, dass die soziale Lage der arbeitenden Schichten wie gefordert verbessert werden konnte. Und seine politische Gegnerschaft, die auch vor einem jahrelangen Verbot der Partei nicht Halt machte, vereinte die Flügel und stärkte ihre Widerstandskraft. Durch die Verbindung des Kampfes um soziale Reformen mit dem Kampf um die demokratische Republik errang sie schließlich auch die Bündnistauglichkeit für die Mittelschichten. Und an diesem Punkt der Entwicklung trat ein gewisser Eduard Bernstein auf den Plan.

Der 1850 in Schöneberg geborene Bankkaufmann wandte sich in seiner Schrift „Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie“ gegen den marxistischen Ansatz, der das Erfordernis eines gewaltsamen Umsturzes behauptete – und ersetzte ihn durch die These, revolutionäre Abenteuer müssten unbedingt vermieden werden. Denn jeder vorzeitige Aktionismus führe nur zur gewaltsamen Unterdrückung der sozialdemokratischen Organisationen. Stattdessen müssten die in jeder kapitalistischen Gesellschaft unvermeidlichen Krisen zur Veränderung der Machtverhältnisse in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft genutzt werden. Diese These wurde durch die in Abwehr der kommunistischen Umsturzdrohung organisierte Unterstützung des Großkapitals für die „Machtergreifung“ Hitlers überzeugend bestätigt. Und auch der Untergang der kommunistischen Bewegung im Weltmaßstab entlarvt deren Protagonisten im Rückblick als aktionistische Abenteurer.

Am 14. September übergab Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) am Haus Bozener Straße 18, in dem Bernstein von 1918 bis 1932 wohnte, der Öffentlichkeit eine Gedenktafel mit den Lebensdaten dieses wichtigsten Theoretikers der heutigen SPD. Schließlich bezieht sich auch das 1959 beschlossene „Godesberger Programm“ der Partei auf ihn.

Ottmar Fischer

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