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29.03.2021

Ein Raum für Coco

Von Elfie Hartmann Im Willy-Brandt-Saal des Rathauses Schöneberg feierte man ganz groß seinen 90sten Geburtstag: Coco Schumann. Der Holocaust-Überlebende trug nach seiner Befreiung maßgeblich als Künstler zur Wiederbelebung des Berliner Kulturlebens bei, insbesondere aber in der Jazz-Szene und hatte seine ersten Auftritte in Schöneberg.

Coco Schumann. Foto: Elfie Hartmann privat

Seinen Ehrentag feierte man am 14. Mai 2014 und die STZ war damals dabei. Filmausschnitte mit seiner Band sowie viele private Aufnahmen wurden gezeigt. Aus dem Theaterstück „Der Ghetto Swinger“ spielte die Musik mit dem anwesenden Hauptdarsteller und Gitarristen Konstantin Moreth. Am Schlagzeug saß seinerzeit Sven Kalis und das Saxophon spielte Kalle Böhm. Moreth trug mit einer Lesung der beeindruckenden Biographie Coco Schumanns zur Unterhaltung bei. Mit weiteren musikalischen Kostproben warteten damals die Weirdo Stompers aus Berlin auf. Walter Momper und Steffen Kampeter sowie einige Überraschungsgäste übernahmen die Grußworte.

Vieles erfuhr man dabei nochmal aus dem facettenreichen Leben des Künstlers, Erschütterndes, Trauriges, Ergreifendes und auch Skurriles. Doch überwog in seinem Leben immer wieder sein grenzenloser Optimismus, die Zuversicht sowie sein unerschütterlicher Humor. Zum damaligen Geburtstag Cocos (so wollte er auf eigenen Wunsch hin genannt werden) scherzte der ebenfalls anwesende Gregor Gysi munter plaudernd von der Bühne aus locker zur allgemeinen Erheiterung mit ihm. Auch der speziell in Berlin bekannte ehemalige Nachtclubbesitzer und Jazz-Pianist Rolf Eden befand sich damals unter den Gästen. Die seinerzeit grandiose Stimmung unter den fast 300 Besuchern und Gästen ist sicherlich bis heute noch vielen, die Autorin eingeschlossen, als besonders positiv in Erinnerung geblieben. Betroffenheitsbekundungen wechselten sich wieder und wieder mit Heiterkeitsausbrüchen ab. Als Ehrengast saß Coco damals vor der Bühne auf dem für ihn liebevoll hergerichteten Sitz. Und er dankte, stets glücklich lächelnd, ganz allein durch seine Anwesenheit.

Coco schwächelte leider einige Zeit später etwas, lebte fortan allein in seiner Wohnung und auf eigenen Wunsch ein wenig zurückgezogen. Jedoch wurde er die letzten Jahre täglich zu Hause betreut und liebevoll umsorgt. Dazu war er häufig von den unterschiedlichsten, an seiner Biographie und dem Menschen selbst interessierten, jungen und alten Besuchern umgeben. Und so fühlte sich der ehemals so umtriebige Musiker auch wohl nie einsam. Unter den Besuchern waren natürlich immer wieder bekannte Medienvertreter, deren Veröffentlichungen und Fernsehberichte ihn weiterhin präsent hielten.

Am 28. Januar 2018 schloss der Künstler Coco Schumann seine Augen für immer. Nun haben sich die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, der CDU und der FDP in der Bezirksverordnetenversammlung geeinigt, dass ein Saal im Rathaus Schöneberg in Zukunft zu Ehren des bekannten Musikers seinen Namen tragen soll.

Es ist der weitläufige Saal mit der Ausstellung: “WIR WAREN NACHBARN“ und dieser wird also zukünftig „Coco-Schumann-Saal“ heißen. Hier ist auch das biographische Album von Coco Schumann unter den zahlreichen weiteren Biografien jüdischer Zeitzeugen einzusehen. In den Zeiten unserer Corona-Pandemie ist es möglich, sich innerhalb des Rathauses vor dem Foyer direkt beim Pförtner zu melden. Dort wird man dann persönlich abgeholt und von da aus - unter Berücksichtigung der üblichen Schutzmaßnamen - in die Ausstellung geleitet. Zur Sicherung eines Besuches der Ausstellung ist ein vorheriger Anruf allerdings zur Zeit zu empfehlen.

Rathaus Schöneberg
John-F.Kennedy-Platz, 10820 Berlin
Kontakt: (030) 90277- 4527
www.wirwarennachbarn.de

Dauerausstellung in der großen
Ausstellungshalle:
WIR WAREN NACHBARN

Eintritt frei

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