Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10.12.2020

Ein König im KaDeWe

Von Elfie Hartmann Im letzten Jahr erschien schon einmal ein Artikel über den Galeristen Johann König in der Stadtteilzeitung.

Foto: Elfie Hartmann

Damals berichtete die Autorin über seine Galerie innerhalb der ehemaligen St. Agnes-Kirche in Kreuzberg. Er verwandelte die gesamte Kirche in eine Galerie. Ein schweres Schicksal hinderte ihn nicht daran, zum „Popstar unter den Galeristen“ zu avancieren. In seiner Biographie als „Blinder Galerist“ beschreibt er, wie er die Welt der Kunst wahrnimmt.

Zusammen mit Künstlern entwickelt er Produkte, mit denen er nun demnächst in das seit 1907 bestehende Kaufhaus, das KaDeWe in Schöneberg, expandieren wird. Seine „Pop-up-Fläche“ verspricht ein spannendes Experiment zu werden. Die Künstler werden damit für ein breiteres Publikum sichtbar mit ihren Werken. Im „Home-Atelier“ in der 5. Etage wird viel passieren. Man versucht damit Schwellen abzubauen, um mehr Menschen für Kunst zu begeistern. So entfällt die meist recht komplizierte Erreichbarkeit für Kunst. Distanz wird zur Nahbarkeit.
Zu den angekündigten streng limitierten Editionen werden auch kleinere Originale sowie das eigene Magazin und ein Kunstkatalog zum Verkauf präsentiert. Die Objekte und Drucke werden jeweils in kleineren Auflagen vorhanden sein, sodass sie damit als etwas Besonderes gelten und obendrein erschwinglich bleiben. Dazu erspäht man auf der zukünftigen „Pop-up-Fläche“, in deren Räumlichkeiten zusätzlich zum Yoga eingeladen wird, dann die „König Souvenirs“:
Beispielsweise die Hausbar von Anselm Reyle, eine Yogamatte von Jeppe Hein, Schachfiguren von Gregor Hildebrandt (allesamt Unikate) oder Tennisbälle des Künstlerduos Elmgreen & Dragset. Salz- und Pfefferstreuer von David Shrigley sind zu sehen wie zu erstehen, genauso wie andere interessante bzw. originelle Kunst und Gegenstände, die das Leben positiv unterbrechen sollen. Die Werke finden sozusagen zwischen den Waren statt.

Warenhäuser, die früher als „Paradies der Damen“ galten, könnten so zum Paradies der Kunstliebhaber werden und dabei gleichzeitig zum Ort der Begegnung mutieren. Viele große Labels weltweit präsentieren in ihren Boutiquen inzwischen hochkarätige Kunstoriginale. In den meisten Shoppingmalls  befinden sich heutzutage Galerien. Leider sind diese umgangssprachlich so genannten Konsumtempel bisher gleichfalls weltweit mehr oder weniger zu austauschbaren Orten geworden:
Unter der Regie des visionären Star-Architekten Rem Koolhaas mit seinem Team des Rotterdamer Architekturbüros OMA wird das KaDeWe umgebaut. Im Frühsommer 2021 wird das erste von insgesamt vier Treppenhäusern mit jeweiligen Rolltreppen im Atrium eröffnet. Jedes wird seinen eigenen Charakter haben, ähnlich wie unsere so unterschiedlichen Berliner Kieze.
Die erste Rolltreppe, die zu benutzen sein wird, ist die Twist also im Frühsommer 2021. Die Twist gleicht einer Schraube, er-innert in ihrer Form an die Guggenheim-Rotunde und ist mit Walnussholz verkleidet. Das Besondere an dieser Rolltreppe ist, dass sie ineinander gedreht ist. Benutzt man die Rolltreppe konsequent von der 1. bis zur 6. Etage, kommt man immer an einem anderen Punkt heraus. Sie suggeriert dem Nutzer eine gewisse Eigendynamik und wird hiermit als räumliches Erlebnis wahrgenommen. Durch kreuzförmige Schnitte wurde das Gebäude zuvor in vier Quadranten eingeteilt, sodass sich die Besucher bedeutend leichter orientieren können.
 
Rem Koolhaas, der eigentliche Kritiker allgemein bisher geschaffener Konsumarchitektur, will erreichen, dass die reine Shoppinglust in Richtung Konsumkultur steuert. Da Shopping einen erheblichen Teil unserer Wirtschaft darstellt, findet sein Verbesserungsvorschlag offene Ohren, zwingt zum Umdenken, macht neugierig. Durch die Zunahme des Onlineverkaufs stellt sein Vorhaben ohnehin eine große Herausforderung dar. Seine visionären Zukunftsbilder basieren auf philosophischer und intellektueller Ebene. Man darf gespannt sein.

KaDeWe
Kaufhaus des Westens
Tauentzienstraße 21-24
10789 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag-Freitag; 10.00h-20.00h
Samstag: 9.30h-20.00h
Sonntag: Geschlossen

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