Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.08.2016

Ein Hauch von Exotik, gleich nebenan

Anfang des 20. Jahrhunderts lebten etwa 1.400 Muslime aus 41 Nationen in Berlin. Der Bau der Ahmadiyya-Moschee wurde mittels Spendengeldern im Jahre 1927 fertiggestellt und 1928 zur Moschee geweiht.

Foto: Hartmut Becker

Das lauwarme Nieselregenwetter und der wunderbare Duft nasser Erde waren es, die mich überzeugten, ohne wenn und aber alles liegen zu lassen und spontan rauszugehen. Durch den Schöneberger Rudolph-Wilde-Park lief ich also, leise summend und wohlig unterm Regenschirm geborgen, immer weiter, weiter und weiter ... hinein in den menschenleeren Volkspark Wilmersdorf. Ich genoss mit allen Sinnen das verhaltene Vogelgezwitscher, ab und zu ein Rascheln, das Quietschen meiner Schuhe im nassen Gras.

Urplötzlich sah ich exotisch anmutende Zinnen, Minarette und eine Kuppel durch die Bäume schimmern. “Da ist sie ja noch immer“, schoss es mir durch den Kopf. Diese so märchenhaft anmutende Moschee, von schönen Villen und Vorgärten umgeben, an der wir als Kinder so oft fast ehrfürchtig schnell vorbei huschten, wenn wir wieder mal „herumstrolchten“. Jetzt umgab sie halbseitig ein Baugerüst. Egal. Intuitiv fasste ich spontan den Entschluss, heute und genau jetzt dort endlich mal hineinzugehen.

Der Haupteingang war verschlossen, jedoch hörte ich aus dem baulich angeschlossenen Wohnhaus Stimmen.
Der Tag war sowieso auf eine geheimnisvolle Art mystisch für mich, also klingelte ich mutig. Das war aber gar nicht nötig, denn die Tür stand offen. Freundlich kam mir ein junger Mann mit Schlappen und Jogginganzug in Begleitung dreier ausländischer Touristen entgegen. Er wolle gerade sowieso in die Moschee, ob ich auch mit wolle?
(Ja lieber Zufall, ja!)
Den nassen Regenschirm abgestellt, die Schuhe ausgezogen, barfuß auf Teppichen schreitend, fand ich mich hier nun in der Ahmadiyya-Moschee wieder. Ich betrat dieses Gebäude also zum ersten Mal wirklich, war zugegebenermaßen leicht ergriffen, während den drei Touristen auf englisch geduldig Auskünfte gegeben wurde.
Nach kurzer Zeit gab er mir zu verstehen, dass er jetzt nochmal in sein Haus nebenan müsse, um mehr Informationsmaterial zu besorgen und ob er mich alleine hier lassen könne! Ich bejahte stumm, konnte es kaum glauben, aber genauso war es dann. Ich saß auf einer weichen, goldgelben, in die Jahre gekommenen urgemütlichen Couch allein in einer Moschee und ... wartete.
Gänzlich unfähig die, meine damaligen Empfindungen, Wahrnehmungen und Gefühle zu beschreiben, unterlasse ich es lieber gleich.

Später, viel später kam der junge Mann zurück und stellte sich vor. Es war der junge Imam Amir Aziz aus Lahore. Er sei erst seit kurzem in Deutschland, erfuhr ich sogleich. Und die Moschee sei ausnahmslos für alle Konfessionen offen zu den Öffnungszeiten. Ich erfuhr, dass die Moschee seit 1993 unter Denkmalschutz steht. Weiteres war dann zusätzlich durch ausliegende Flyer zu erfahren. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten etwa 1.400 Muslime aus 41 Nationen in Berlin. Der Bau wurde mittels Spendengeldern im Jahre 1927 fertiggestellt und 1928 zur Moschee geweiht.
Das Gebäude ist die älteste, noch im Ursprungszustand erhaltene Moschee Deutschlands. Der Versammlungsraum ist mit der Kuppel überwölbt und fasst 400 Menschen. Direkt neben der Kanzel befindet sich die nach Mekka ausgerichtete Gebetsnische. Die Decken und Wände sind rot und ockerfarben getüncht, die Ornamente weiß und wasserblau gefasst, müssten allerdings aufgefrischt, bzw. saniert werden.
Schrittweise sollen Sanierungsarbeiten mit Hilfe von Spendengeldern fortgesetzt werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Landesdenkmalamt Berlin haben seit 1996 bisher 600.000 Euro investiert. Außerdem wurde schon 1990 ein Förderverein gegründet, die Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e.V.

In einem Aushang für Besucher ist ausdrücklich deklariert, dass ihre Religionsgemeinschaft auf dem Boden des Grundgesetzes steht und jegliche Diskriminierung von Menschen aufgrund von Geschlecht, Religion, Rasse, Herkunft und Weltanschauung untersagt.

Draußen dann vor der Moschee, im gepflegten Vorgarten mit dem Imam verweilend, konnte ich das als Kind so oft bestaunte Gebäude endlich sachlich erfassen. Außen ist es weiß verputzt, die Attika ist mit stilisierten Zinnen und Laternen besetzt, das Traufgesims ornamental gestaltet und die Fenster sind mit Blendbögen verziert. Links und rechts des überhöhten Haupteinganges leuchten die beiden Minarette: Wieder oder immer noch? Der Zauber ist geblieben.

Ahmadiyya-Moschee
Brienner Straße 7-8, 10713 Berlin
Geöffnet: Mo-Fr 10-17, WE 11-17

Elfie Hartmann

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