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10.07.2018

Ehrenamtliche Arbeit für die Kultur im Kiez

In Schöneberg, in der Martin-Luther-Straße gibt es ein Musterbeispiel an ehernamtlichen Engagement für Kultur und Kinder: Die Thomas-Dehler-Bibliothek.

Foto: Elfie Hartmann

Überall, wo der Senat oder der Bezirk Geld einsparen muss, wird nach ehrenamtlicher Unterstützung gerufen. So ist es in sozialen Bereichen, bei gesundheitlichen Diensten und im kulturellen Bereich. Groß geschrieben wird immer wieder die Leseförderung für Kinder. Die Eltern, die Kitas, die Schulen, alle werden aufgefordert, die Kinder beim Lesenlernen zu unterstützen und ihnen die Welt der Bücher nahe zu bringen.

In Schöneberg, in der Martin-Luther-Straße gibt es ein Musterbeispiel an ehernamtlichen Engagement für Kultur und Kinder. Hier wird die Thomas-Dehler-Bibliothek seit über fünfzehn Jahren allein von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt! Der Betrieb läuft fast wie in jeder anderen Bücherei auch. Nur Bücherei-Ausweise können nicht ausgestellt werden und Bargeld darf nicht angenommen werden, was viele Kunden nicht verstehen. Doch das sind Aufgaben, die nur festangestellte Mitarbeiter übernehmen dürfen. Das Haus bietet über 15.000 Medien an. Neben mehr als 12.500 Büchern gibt es auch eine umfangreiche DVD-Sammlung mit Hörbüchern. Und wenn der Leser ein bestimmtes Buch nicht findet, so wird es selbstverständlich für ihn bestellt.

In der Thomas-Dehler-Bibliothek arbeiten zurzeit 18 ehrenamtliche Kollegen im Team zusammen. Sie halten die Bücherei von Dienstag bis Samstag für ihre Leser offen. Sie kommen ursprünglich alle aus verschiedenen Berufen, wie z. B. Psychologe, Lehrer, Krankenschwester, aber durch ihre langjährige Arbeit haben sie sich die Kompetenzen von Bibliothekaren inzwischen gut angeeignet. Einige von ihnen sind schon im Rentenalter, aber es gibt auch Studenten, die hier mithelfen. Würde es diese engagierte Gruppe nicht geben, wäre die Bücherei schon längst geschlossen worden. Oft genug war dieses Thema im Gespräch, und immer wieder konnte sich die Erkenntnis, dass eine Bücherei bürgernah sein muss, im wahrsten Sinne des Wortes, durchsetzen. Gerade für Kinder, junge Familien und auch für die älteren Anwohner sind kurze Wege wichtig.

Doch das Publikum ist auch hier, wie überall, durch alle Generationen gemischt. Es gibt viele Stammkunden. Eine treue Besucherin geht sogar soweit, ihrer Bücherei jeden Monat ein Buch zu spenden. Das Buch des Monats.

5 Schulklassen aus den umliegenden Schulen kommen regelmäßig. Sie werden beraten und leihen Bücher aus. drei Kitas kommen mit ihren Kindergruppen und lassen sich vorlesen. Danach dürfen dann auch die Kleinen schon Bücher ausleihen. So werden die Kinder rechtzeitig in die Welt der Literatur herangeführt. Aber auch andere Lesegruppen kommen und lassen sich vorlesen oder beraten. Gerade jetzt in den Sommerferien können sich kleine Gruppen zusätzlich anmelden, und die Bücherei-Mitarbeiter nehmen sich dann die Zeit vorzulesen, ggf. auch zu bestimmten Themen. Inhalt und Umfang der Vorlesestunden können jeweils individuell abgesprochen werden. Am internationalen Vorlesetag im November kam sogar der „Timster“, der beliebte Moderator aus dem Kinderkanal, um den Kindern etwas vorzulesen.

Aber auch abends, wenn der Bibliotheksbetrieb geschlossen ist, werden oft kulturelle Veranstaltungen angeboten wie Lesungen, Ausstellungen oder Konzerte. Manche Künstler treten immer wieder einmal auf, und das Publikum kommt immer wieder gerne. So sind hier schon der Bühnenautor Horst Pillau aufgetreten, die Schriftstellerin Eva Menasse, die Schauspielerin Margrit Straßburger und der Maler und Gitarrist Felix Manyé. Die Zuschauer genießen es, die Künstler so nah zu erleben und hinterher mit ihnen zu sprechen. Diese kleinen Events werden natürlich kostenlos angeboten. Hier arbeiten ja alle ehrenamtlich, auch die Künstler verzichten an diesem Abend auf ihre Gage.

Die Thomas-Dehler-Bücherei ist offiziell eine Nebenstelle der Mittelpunktbibliothek Schöneberg. Aber sie bleibt doch etwas ganz Besonderes. Sie ist nicht nur im Bezirk, sondern in ganz Berlin die einzige Bibliothek, die ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern geführt und betreut wird. Das ist einzigartig.

Christine Bitterwolf