Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

6.11.2021

Eat the World

Von Christine Bitterwolf. “Eat the World“ verbindet Stadtführungen und kulinarische Spezialitäten. Das, was in vielen Reiseführern in getrennten Rubriken wie Geschichte, Kultur, Einkaufen und Restaurants aufgelistet wird, das wird hier angenehm gemischt.

Einladung zum Probieren. Foto: Jule Frommelt

Angefangen hat es 2008 als Berliner Start-up-Unternehmen, heute werden 120 Touren in 50 Städten angeboten. In Berlin gibt es 9 verschiedene Stadtführungen. Diese Stadtrundgänge werden fast täglich angeboten. Sie nehmen bis zu 15 Teilnehmer mit, werden aber auch durchgeführt, wenn sich nur 2 oder 3 Besucher angemeldet haben. Eine solche kulinarisch-kulturelle Tour kostet 39,- Euro.

Das Unternehmen achtet bewusst darauf, individuelle kleine Einzelunternehmen vorzustellen, die einerseits regionale Spezialitäten verkaufen oder andererseits internationale Besonderheiten anbieten. „Eat the World“ arbeitet mit vielen verschiedenen Partnern zusammen, sodass auf jeder Tour unterschiedliche Kostproben präsentiert werden können.  Es wird aber immer etwas Herzhaftes angeboten, warm oder kalt, und es ist immer etwas Süßes, wie Eis oder Schokolade, dabei.
Drei Stunden durch die Stadt zu laufen, klingt für manchen Teilnehmer anstrengend, aber nach fünf bis sechs Unterbrechungen für lukullische Highlights läuft es sich immer leichter weiter.
 
Allein in Schöneberg werden zwei Stadtrundgänge angeboten. Eine Tour führt durch Friedenau, das Künstlerviertel mit alten Landhäusern zwischen modernen Miethäusern, eigentlich ein touristischer Geheimtipp, der auf den großen Stadtrundfahrten nicht erwähnt wird.
Und eine Tour geht durch den Schöneberger Norden. Gerade dort gibt es einen sehr vielfältigen Kiez. Die Bevölkerung hier ist jung und alt, von verschiedenen Nationalitäten und bunt wie ein Regenbogen. So unterschiedlich die Leute hier sind, so unterschiedlich sind auch die Restaurants und Geschäfte.

Dieser Stadtrundgang beginnt am Nollendorfplatz vor dem Metropol. Hier stellt sich der Guide vor, er heißt Manfred Pankow. Damit hat er den ersten Lacher auf seiner Seite, nein, nein, nur sein Name ist irreführend, die Tour bleibt in Schöneberg.
Er erzählt aus der Geschichte des Bezirkes und des Kiezes, er kennt die sozialen Strukturen und weist auf die architektonischen Unterschiede zwischen Alt und Neu hin. Manchmal erzählen auch Teilnehmer aus der Gruppe, was sie im Kiez erlebt und erfahren haben. Solch persönliches  Wissen nimmt Herr Pankow gerne auf und gibt es gelegentlich bei den nächsten Touren weiter, wodurch seine Stadtführungen immer  individueller werden.

Der erste Stopp ist am Winterfeldtplatz mit moderner Architektur gegenüber der alten Kirche. Die erste Kostprobe ist eine original Falafel, frittiertes Kichererbsen-Bällchen, beim „Habibi“ aus dem Libanon. Weiter geht’s zum Pallasseum, wo es Hinweise zur sozialen Entwicklung im Bezirk gibt. Von weitem sieht man das alte Fernmeldeamt. Später im Kleistpark erzählt der Guide einige Anekdoten zu den riesigen Statuen und am Kammergericht informiert er über die Berliner Nachkriegsgeschichte. In der Golzstraße bei „Pikilia“ werden griechische Häppchen verkostet. Die Besitzerin des Geschäftes zeigt ihre Spezialitäten und präsentiert stolz das Olivenöl, das sie direkt aus der Plantage ihres Vaters bezieht. In der Akazienstraße gibt es eine exquisite Praline in der „Chocolateria Estrellas“. Vom Laden aus darf man einen Blick in die Küche dahinter werfen, wo die Chefin ihre Schokolade selbst kocht. Exklusiv, nur für den eigenen kleinen Laden, ohne Weiterverkauf oder Internethandel.  Beeindruckend ist der Spaziergang durch die Bricks-Höfe zwischen Belziger Straße und Hauptstraße auf dem Gelände hinter dem alten Postamt. Die Tour endet dann am Kaiser-Wilhelm-Platz und in der „Garda Pizza“, wo es die knusprige Zungenpizza-Pizza gibt, für die der Chef das spezielle Mehl extra aus Italien importiert.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man hier im Jahrhunderte alten Schöneberg leckere Spezialitäten rund um die Welt essen kann.

Eat the World
Tel.: 030 – 206 22 999 0
www.eat-the-world.com

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