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29.03.2021

Drei Frauen feiern eine vierte

Von Ottmar Fischer Am 1. März um 10 Uhr stellten sich drei Frauen am Tempelhofer Weg zu einem Fototermin auf, um diese Straße offiziell in Ella-Borowsky-Straße umzubenennen.

v.l.n.r.: Petra Madyda, Angelika Schöttler, Christiane Heiß. Foto: BATS

Nach der Wiedervereinigung hat sich städtebaulich auch in Schöneberg einiges getan. Im Rahmen einer gesamtstädtisch erneuerten Stadtentwicklungsplanung, die zur Entlastung der Innenstadtbereiche neue Knotenpunkte für gemischte Nutzungen entlang des S-Bahnrings vorsah, geriet auch der Schöneberger Osten an der Nahtstelle zum Altbezirk Tempelhof in den Blick. Und nachdem mit dem Lückenschluss der Autobahn am Sachsendamm und dem Umbau des  verschlafenen  S-Bahnhofs Papestraße zum zweitwichtigsten Fernbahnhof  Südkreuz auch die verkehrliche Raumordnung entschieden war, nahm die bezirkliche Gestaltungsplanung Fahrt auf und schuf in Umsetzung des Siegerentwurfs eines Ideenwettbewerbs die planerischen Voraussetzungen für die Neugestaltung eines weitgehend aus Brachflächen und aufgegebenen Nutzungen bestehenden Gebietes.

Wegen der beidseitig bogenförmigen Umschließung durch Autobahn und Bahntrasse wird das Erschließungsgebiet seither als „Schöneberger Linse“ bezeichnet und verbindet in seiner Mitte über den Tempelhofer Weg an den Endpunkten die Bahnhöfe Schöneberg und Südkreuz. Erklärtes Entwicklungsziel ist die Schaffung eines urbanen Stadtraums mit einer Mischnutzung aus Wohnen und Dienstleistungen, wobei der Ausbau des Tempelhofer Weges zu einer „fußgängerfreundlichen Stadtstraße mit Baumallee und angelagerten Stadtplätzen“ das Kernstück bilden soll, so der damalige Leiter des Stadtentwicklungsamtes Siegmund Kroll. Von Urbanität ist dort bislang aber noch nichts zu entdecken, denn die überlangen Rohbau-Kästen in sechs- und sogar siebengeschossiger Blockbauweise mögen vielleicht einmal wegen ihrer inneren Vielgestaltigkeit gewinnbringend vermietet werden, doch ein lebendiges Quartier kann erst entstehen, wenn neben dem Wohnungsangebot auch die vorgesehenen Erdgeschossnutzungen fußläufig angenommen werden.

Doch unten am Boden tut sich schon mal was. Am 1. März um 10 Uhr stellten sich drei Frauen am Tempelhofer Weg zu einem Fototermin auf, um diese Straße offiziell in Ella-Borowsky-Straße umzubenennen: Bürgermeisterin Schöttler (SPD), Stadträtin Heiß (Grüne) und die Direktorin des Lette-Vereins, Petra Madyda. Geehrt werden soll damit eine verdienstvolle FDP-Politikerin, die von 1951 bis 1955 Bezirksbürgermeisterin in Schöneberg war, anschließend Finanzstadträtin in Wilmersdorf, und von 1964 bis 1975 Direktorin jenes Lette-Vereins, der schon 1866 zur Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit gegründet worden war und heute als Stiftung am Viktoria-Luise-Platz fortgeführt wird. So wurde pünktlich zum offiziellen Frauentag durch drei Frauen eine Frau geehrt, die sich um die berufliche Frauenförderung verdient gemacht hat.

Das kann vielleicht den Zorn der SPD-Frauen in der BVV etwas besänftigen, der infolge eines dort gefassten Beschlusses zur Umbenennung des Kaiser-Wilhelm-Platzes aufgekommen war. Denn mit Richard von Weizäcker soll dort wieder ein Mann auf den Sockel der Erinnerungskultur gestellt werden, obwohl doch als Signal für den politischen Gleichstellungswillen vorerst Frauen bevorzugt werden sollten. Als Reaktion auf diesen als Rückschritt aufgefassten Beschluss hatte die SPD in der letzten BVV-Sitzung gleich ein ganzes Bündel von Anträgen zur Benennung von Straßen nach Frauen eingebracht, die voraussichtlich angesichts der Streitlage auch sämtlich beschlossen werden, wenn sie nach der Beratung im Ausschuss der BVV wieder vorgelegt werden. Doch da die März-Sitzung erst nach Redaktionsschluss für diese Ausgabe der Stadtteilzeitung stattfindet, kann hier dazu noch nichts mitgeteilt werden. Eile bei der Berichterstattung ist aber ohnehin nicht geboten, denn die Umsetzung solcher Beschlüsse lässt erfahrungsgemäß lange auf sich warten. So stammt zum Beispiel der BVV-Beschluss zur jetzt erfolgten Umbenennung in Ella-Borowski-Straße aus dem Jahre 2019.

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