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26.05.2022 / Menschen in Schöneberg

Direkthilfe für die Ukraine

Von Ottmar Fischer. Wenn auch wohl kaum jemand damit gerechnet hat, dass der schreckliche Kriegsherr Putin seinen Größenwahn tatsächlich so hemmungslos ausleben würde wie er das gegenwärtig in der Ukraine tut, so hat er aber selbst mit Sicherheit auch nicht damit gerechnet, dass er sich exakt dadurch sein eigenes Grab schaufeln würde, so wie schon sein geistiger Vorläufer Hitler nicht damit gerechnet hatte, dass sein Überfall auf Polen seinen eigenen Untergang im Führerbunker unter der Reichskanzlei zur Folge haben würde. Mit diesem Kriegsverbrecher wird wie seinerzeit mit Hitler sich niemand mehr an einen Tisch setzen wollen, selbst wenn er den so weit auseinander ziehen sollte, dass er quer durch alle Zimmer seines goldenen Schlosses reichen sollte.
Fotos: Ukraine-Hilfe Berlin

An seiner Niederlage arbeitet nicht nur die mit unglaublicher Tapferkeit kämpfende Ukraine, sondern neben der internationalen Staatengemeinschaft der nicht diktatorisch unterdrückten Länder auch eine solidarische Front von Freiheitsfreunden aus den Nachbarländern, zu denen auch Deutschland gehört.

Ein wichtiger Faktor der Unterstützung ist dabei sicherlich durch die überwältigende Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme der Kriegsflüchtlinge gegeben. Doch ein ebenso wichtiger Faktor ist die Direkthilfe für die in der Ukraine unter dem Terror der russischen Besatzung leidenden Bevölkerung. Und auch hier wieder sind neben den professionellen Helfern etwa vom DRK oder vom Katastrophenschutz zahlreiche Initiativen von Ehrenamtlichen im Einsatz.
Ein solcher ehrenamtlich organisierter Stützpunkt für Hilfsgüter befindet sich unweit des S-Bahnhofs Friedenau am Eingang der Nathanael-Kirche auf dem Grazer Platz. Dort erwarten freiwillige Helfer hinter einem Info-Tisch mit Hinweisen zu den Organisatoren und zu den Möglichkeiten humanitärer Unterstützung alle diejenigen Freunde der Ukraine, die es nicht aushalten können mit den Schreckensnachrichten aus Mariupol und Butscha, ohne wenigstens etwas von dem hier vorbei zu bringen, was dort dringend benötigt wird. Und wer sich nur eine Stunde lang vor Ort aufhält, kann hier sein blau-gelbes Wunder erleben. Da kommt ein offensichtlich völlig übermüdeter junger Mann in einem Transporter mit westdeutschem Kennzeichen vorgefahren und fragt, ob hier drei Kindersitze gebraucht würden, die er selbst am Morgen in Polen für den Weitertransport einer Flüchtlingsfamilie nach Berlin erhalten hat. Und da erscheint nur wenig später ein ebenfalls junger Mann aus der Nähe von Hannover, der nach eigenen Angaben seinen pflegebedürftigen Vater für eine Woche bei Verwandten untergebracht hat, um hier und weiter bis in die Ukraine für diesen Zeitraum seine aktive Unterstützung anzubieten. Und einer der Helfer ergänzt mit der Auskunft, dass solche Geschichten hier keine Seltenheit seien. Er selbst sei beispielsweise aus Wilmersdorf, habe von einer in Paris lebenden Deutschen von diesem Stützpunkt erfahren und selbst schon mit Geldspenden aus den USA dringend benötigte Medikamente beschafft und von hier aus an den Auftragsort in der Ukraine weitergeleitet.

Die meisten Spender aber sind aus der Nachbarschaft und bringen Schlafsäcke und Taschenlampen, Kerzen und haltbare Lebensmittel, aber auch Schokolade und Energieriegel. Gern werden auch Kartons gesehen. Es gibt hier an die hundert Helfer, die an sieben Tagen von 10-20 Uhr (So: 12-20 Uhr) Sachspenden entgegennehmen, nur Kleidungsstücke werden nicht benötigt. Die Hilfsgüter werden im Kirchenvorraum sortiert und nach den aus der Ukraine hier eintreffenden Anfragen zusammengestellt, bevor sie an die Bestimmungsorte weitertransportiert werden. Gerade erst ist ein LKW ins belagerte Mariupol aufgebrochen. Die Helfer sind noch immer beeindruckt vom Mut des Fahrers, sie seien nun aus der Nachbarschaft oder Geflüchtete aus der Ukraine. Die Bedarfsliste werde täglich aktualisiert, ist hier zu hören und auch auf der Webseite der Dachorganisation Ukraine-Hilfe Berlin e.V. veröffentlicht, worin die hiesige Nathanael-Gemeinde u.a. mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirchengemeinde zusammenarbeitet. Nach aktuellem Stand wird weiterhin dringend benötigt:
Baby- und Kindernahrung, auch Milchpulver. Fertiggerichte am besten in ohne Dosenöffner zu öffnenden Konserven. Mehrere Wochen haltbares Brot, eingeschweißt. Energieriegel, Nüsse, Trockenfrüchte. An Medikamenten nur solche mit gültigem Haltbarkeitsdatum. Darunter Erkältungsmittel und fiebersenkende Mittel, Blutverdünner, Herz- und Blutdruckmedikamente. Schmerzmittel, Antibiotika, Medikamente zur Blutstillung. An medizinischem Material: Abbindesysteme, Verbandsmaterial, Desinfektionsmittel, Spritzen (2, 5, 10, 20 ml). Material für Bluttransfusionen, Blutspendenbeutel, Infusionsbesteck. Und an Gütern des täglichen Bedarfs natürlich Hygieneartikel, Rucksäcke, Schlafsäcke, Taschenlampen und Batterien, Einwegfeuerzeuge und Kerzen, Arbeitshandschuhe und Werkzeug, Nägel beliebiger Längen und  schwarze Baufolien und breites Powertapeband. Und auch Generatoren und Drehkreuze für Reifenwechsel.
Tagesaktuelle Infos gibt es auf www.ukraine-hilfe-berlin.de oder vor Ort an der Nathanael-Kirche.