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23.08.2011 / Menschen in Schöneberg

Die wundersame türkisch-deutsche Verständigung

Kiezgeschichte: Der Wunsch der alten Dame war mir Befehl. Sie war alt, sehr krank und wünschte sich von Herzen (m)einen Besuch und Kuchen. Einen ganz trockenen bitte. Ich hasse trockenen Kuchen.

Während des ganzen Fußweges - die Rubensstraße von der Hauptstraße aus begangen ist schier  endlos bis zum Krankenhaus - dachte ich an saftigen Käsekuchen, mein liebster eben.

Die Straße ist zu jeder Tageszeit nahezu menschenleer, doch an diesem Tag bemerkte ich ganz entfernt einen Mann, dem Erscheinungsbild nach türkischer Abstammung, der mir da hochbeladen mit Tüten aus der einzigen Bäckerei dort entgegenkam. Er bückte sich laufend nach einer entglittenen Tüte, während prompt eine andere herunter fiel.
Mein anfängliches Mitgefühl verwandelte sich langsam aber sicher in ein krampfhaft zurückgehaltenes Prusten, denn der Gute ging nicht fünf Schritte, ohne dass ein anderes Päckchen herunter fiel. Mich wahrnehmend, konnte er nun auch nicht mehr ernst bleiben und fing gleichfalls an zu lachen. Ein Türke kann lachen und zugleich wütend dabei aussehen. Das kann ich jetzt bezeugen.

Ich hatte mich inzwischen leider überhaupt nicht mehr im Griff vor Lachen, denn er kam - sich fortwährend weiterhin nach entgleitenden Tüten oder Päckchen bückend und diese rührend unbeholfen neu sortierend - auf mich zu mit folgenden Worten:
„Hier, nimmst Du, diese meine Frau iss varrückt“ und übergab mir lächelnd eine der Tüten, sehr freundlich, jedoch auch sehr bestimmt.

Leicht verblüfft und gleichsam auf eine Art von heiterer Leichtigkeit überwältigt, nahm ich ihm das fast unversehrte Päckchen ab.
Naja, leicht lädiert war es schon, doch eben nur ganz leicht. Und - die Rubensstraße ist wirklich eine der saubersten in diesem Viertel, das darf man mir jetzt einfach mal glauben.

Kurz und gut: Es enthielt (m)ein - nun besonders - saftiges Stück Käsekuchen, welches von mir, wunderbar mundend, später per Löffel einverleibt wurde und meine arme Kranke mit ihrem „Krümel trockenen“ sich wundern musste: Da saß ihr Besuch nun am Bettrand und löffelte den eigenen Kuchen, währenddessen wortlos ununterbrochen irgendwie so sehr merkwürdig in sich hinein geschmunzelt wurde...

Ich weiß ja nun leider nicht, welche Art von türkischem Donnerwetter Ayshe zu Hause dann losgelassen hat. Vorstellbar: Als der Gute, bestimmt mit aufgesetzt „todernst grimmiger Miene“ ob des unzumutbaren Einkaufauftrags nach Hause kam, wird sie den fehlenden Kuchen wohl besser „unter den Tisch“ fallen gelassen haben.

Gute Idee. Da lag er nämlich eigentlich sowieso schon vorher mal - sozusagen. Nicht direkt, aber indirekt eben doch. Und direkt an dieser Stelle bedankt sich - nun indirekt für ein „geschichtenumwobenes“, saftiges Stückchen Käsekuchen,

Elfie Hartmann

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