Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

22.12.2019

Die schrägen Virtuosen

Die schrägen Virtuosen, das ist eine kleine Gruppe von Senioren, die sich über die Liebe zum Gesang zusammen gefunden hat.

vlnr: Dr. Joachim Jantschak, Sabine Dittrich, Dieter Starke, Konrad Fiedler. Foto: Elfie Hartmann

Sie nennen sich Musikkabarett, sagen aber gleichzeitig, dass sie mit Kabarett eigentlich nichts zu tun haben. Sie singen überwiegend Lieder und Chansons aus den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Zur Zeit besteht die Gruppe aus fünf Personen, die alle früher beruflich etwas anderes gemacht hatten. Dr. Joachim Jantschak war Chemiker an der Charité. Dieter Starke war als Handelsfachwirt tätig, zuletzt hatte er ein eigenes Geschäft. Konrad Fiedler hat als Bankkaufmann gearbeitet. Und die beiden Damen, Sabine Dittrich und Brigitte Hellthaler, waren von Beruf Lehrerinnen. Sabine Dittrich arbeitet heute noch freiberuflich und macht spirituelle Lebensberatung. Daneben hat Brigitte Hellthaler sogar etwas Erfahrung im Event-Management.

Manchmal überlegen die singenden Senioren, ob es nicht ganz gut wäre, wenn sie ihre kleine Gemeinschaft um ein oder zwei Sänger verstärken würden. Vielleicht findet sich ja noch jemand, der das Singen zu seinem Hobby machen und sich in die Gruppe einfügen möchte.

Herr Dr. Jantschak und Herr Starke waren zuvor schon Mitglieder in einer anderen Kabarettgruppe, wollten aber nach einiger Zeit lieber etwas Eigenes machen. In einer Tango-Gruppe traf Joachim Jantschak auf die beiden Frauen, die gerne bereit waren, mitzusingen. Sie alle fanden sich zusammen, weil sie Spaß am Singen haben, wozu sie neben dem Beruf früher nie die Zeit gefunden hatten. Dieter Starke zum Beispiel hätte schon in seiner Jugend gerne gesungen, wurde aber von der Mutter in einen sogenannten soliden Beruf gedrängt. Nun hat er in den letzten Jahren sogar Gesangsunterricht genommen, um seine Tenorstimme auszubilden. Vor kurzem konnte Frau Dittrich dann auch Herrn Fiedler überzeugen, in das kleine Team einzusteigen. Mit ihm gibt es jetzt sogar eine Tanznummer im Programm. Und er hat die Rolle des Conférenciers zwischen den einzelnen Auftritten übernommen, weil die Gruppe festgestellt hat, dass es beim Publikum besser ankommt, wenn es zwischen den Liedern einen verbindenden Text gibt.

„Die schrägen Virtuosen“ gibt es seit Anfang 2019
Sie proben jeden Mittwochnachmittag in der Seniorenfreizeitstätte am Mühlenberg. Die Musik für die Lieder, die sie singen, bringt jeder als Instrumentalaufnahme mit. Kleine Bearbeitungen, wie etwas kürzen oder mal eine zusätzliche Strophe einfügen, kann Joachim am PC selbst vornehmen. Er hat auch einen etwas geänderten Text zu einem Song von Ingo Insterburg geschrieben.
Für die Kostüme sorgt auch jeder selbst, viel muss es nicht sein, da keiner Zeit zum Umziehen hinter der Bühne hat. Aber ein paar hübsche Requisiten gibt es schon zu jedem Lied. Sabine hat beispielsweise einen großen Korb mit Sonnenblumen für ihren Auftritt und Dieter hat verschiedenen Hüte und ein altes Brillengestell.

In diesem Jahr hatten sie bereits drei Aufführungen. Aus dem bisherigen Repertoire können sie leicht das Programm für eine ganze Stunde zusammenstellen. Sie treten grundsätzlich ohne Gage auf, einfach weil sie Freude an der Musik haben. Denn auch für sie gilt die alte Weisheit: der Applaus ist das Brot des Künstlers.

Christine Bitterwolf

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