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29.01.2014

Die richtige Entscheidung?

Seit 15 Jahren beschäftigt sich eine Initiative von Anwohnern der Bautzener Straße im Schöneberger Norden mit der Brache. Sie haben bereits zwei Mal, 2004 und 2008, Entwürfe für einen Park von Studenten der BTU Cottbus anfertigen lassen und diese dem Bezirksamt vorgelegt. Nun soll dort aber ein Wohnkomplex mit sieben Häusern, 250 Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen.

Die Brache: hinter dem Spielplatz sollen bald sechsgeschossige Wohnhäuser stehen. Foto: Tania Röttger

Wieder einmal stehen sich Anwohner und das Bezirksamt gegenüber und versuchen, die Argumente des Anderen zu entkräften.

Die Brache verläuft zwischen Yorck- und Monumentenstraße, entlang der S-Bahngleise. Dieses Gebiet gehörte der Deutschen Bahn und sollte von Vivico Real Estates verkauft werden; der Gesellschaft, die extra für den Vertrieb nicht mehr benötigter Bahnflächen gegründet worden war. Der Bezirk Schöneberg konnte einen Teil des Grundstückes erwerben. Dort wurde im Dezember ein Spielplatz eröffnet. Laut der Stadträtin für Stadtentwicklung Dr. Sibyll Klotz (Grüne) wollte Vivico aber den Rest der Liegenschaft privat verkaufen. Der Käufer ist die Dr. Schröder GmbH, die zu 84% Reinhold Semer gehört, der auch Eigentümer der Baumarktkette Hellweg ist, von denen einer seit ein paar Monaten an der Yorckstraße steht. Das Grundstück hat noch kein Baurecht, da es nach § 35 BauGB als Außenbereich gilt. Dadurch wurde es um Hundertstel billiger erworben, als wenn dort schon Baurecht geherrscht hätte, meint Marlies Funk, die sich für die Brache einsetzt.

Anders als bei anderen Flächen, kann hier nicht nach § 34 einfach gebaut werden, sondern Baurecht muss erst geschaffen werden. Marlies Funk und die Bürgerinitiative „Stadtplanung von Unten“ sehen hier eine Möglichkeit, eine Grünfläche für Berlin zu sichern, da rechtlich keine Bebauung genehmigt werden muss. In der Umgebung werde nämlich schon genug Neubau betrieben. Beispielsweise an der Crelle- und der Eylauer Straße.

Außerdem stelle das Projekt der Dr. Schröder GmbH eine erneute Belästigung der Anwohner dar, die seit 10 Jahren unter verschiedenen Schikanen zu leiden hatten. Zuerst waren da der Schutt und andere Unannehmlichkeiten durch die Sanierungen (der untere Teil der Straße war Sanierungsgebiet), dann agierte auf der Brache ein internationaler Autohandel, der laut Marlies Funk Parkplätze verstellte und allgemeine Unruhe in die Nachbarschft brachte. Einige wollen nun die erneute Störung durch den Bau nicht mehr mitmachen und zögen weg.

Sibyll Klotz argumentiert, dass Projekte wie dieses notwendig sind, da immer mehr Menschen nach Berlin ziehen und diese auch in der Innenstadt wohnen wollen. Außerdem sei der private Eigentümer nicht bereit dazu, eine Grünfläche herzustellen, und ebenso wenig, das Gebiet zu verkaufen. Und selbst wenn, der Bezirk hätte gar nicht die Mittel, es zu unterhalten. „Insofern sind wir mit dem Investor im Gespräch wegen der fehlenden Wohnungen.“

Darüber hinaus sieht Sibyll Klotz hier eine Möglichkeit für einen städtebaulichen Vertrag zwischen Bezirk und Investor. Dieser soll regeln, dass auf der Fläche neue Mietwohnungen entstehen, und auch, dass einige von ihnen für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich sind. Dazu soll eine Mietpreisbindung von 5 Jahren vereinbart werden. In wie weit dieses und ähnliche Projekte den überreizten Mark entspannen, ist fraglich.

Reiner Wild, Geschäftsführer vom Berliner Mieterbund, meint: „Wohnungsneubau ist eigentlich immer die teuerste Version der Lösung von Wohnungsproblemen.“  Trotzdem seien städtebauliche Verträge „sehr, sehr wichtig“. Und er pflichtet Sibyll Klotz bei, dass vor allem eine Wohnbauförderung nötig ist. In München entstehen zum Beispiel Neubauten mit 20% Wohnungen für Einkommensschwache. Ohne Förderung geht das allerdings nicht.

Auch wenn Sibyll Klotz sagt, sie würde den Grünzug erhalten, wenn das Gebiet dem Bezirk gehöre, spricht sehr, spricht sehr viel in ihrer Argumentation dafür, dass ihr das Bauen von Wohnungen wichtiger ist. Für einige Anwohner ist das sicherlich schwer zu verwinden. Und sie werden sich auch nicht von versprochenen Kompromissen, wie dem Versuch, die Biotopverbindung entlang der Bahngleise herzustellen, versöhnen lassen.

Reiner Wild kann aber wenigstens ein Bedenken der Anwohner schmälern. Es sei unwahrscheinlich, dass die Bebauung die Einstufung der Wohnlage der Umgebung von einfacher zu mittlerer erhöhen wird. „Die Wohnlage wird blockweise festgelegt. Es kann also gut sein, dass das gar keinen Einfluss auf den Nachbarblock hat.“

Noch bis Ende Februar werden Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Grünverbindung entlang der Bautzener Straße gesammelt.

Tania Röttger

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