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25.06.2013

Die neuen „Alten“ sind die Schönsten!

Einer der angenehmsten Stadtteile Berlins ist, fragt man Anwohner oder auch Besucher, zweifellos Friedenau. Das liegt sicher an der zentralen Lage, an der Qualität der Wohnungen, aber auch an dem Wohnumfeld mit seinem vielen Grün. Unverzichtbar sind dabei die vielen Vorgärten vor allem in den Nebenstraßen.

Albestraße 23, So hässlich kann Vorgartengestaltung sein

Niedstraße 36, typische Gittergestaltung

Niedstraße, schöne Verbindung von Vorgarten und Haus

Ecke Albe- / Handjerystraße, hier wird ein historische Friedenauer Gebäude hinter einer grünen Mauer versteckt

Ihre Anlage geht noch auf die erste Bebauung Friedenaus in den 70er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts mit seinen freistehenden Landhäusern zurück.
Geplant als Landhaussiedlung  („Wohnhäuser und die dazu passenden Gärten“), wurde gezielt um den Mittelstand geworben: „Beamten, Pensionierten, Lehrern, Künstlern, Literaten und all denen, deren Einkommen nicht so rasch und im gleichen Maße als die Wohnungsmiete steigt, kann ich das Unternehmen auf das angelegentlichste empfehlen“ warb David Born, der mit dem von ihm 1871 gegründeten „Landerwerbs- und Bauverein auf Aktien“ als einer der Gründer Friedenaus gilt.

Ein wesentliches Element der Gestaltung waren ruhige Wohnstraßen mit Vorgärten beiderseits der Rheinstraße. Das vorgegebene Straßenprofil sah eine Straßen-breite von 7,5 m, Bürgersteige von jeweils 3,75 m und schließlich 6 m tiefe Vorgärten vor. Aber schon bei der Planung, Entwicklung und Bebauung des Wagnerviertels mit hochwertigen Miethäusern um die Jahrhundertwende wurde die Tiefe der Vorgärten dort deutlich reduziert.

Die Polizeiordnung für Berlin von 1855 bestimmte, dass zwischen Bauflucht und Bürgersteigen ausschließlich Gartenanlagen, durch Gitterwerk eingefriedet, entstehen dürfen. Einige Jahrzehnte später, als schon viele der Landhäuser durch drei- und viergeschossige Mietshäuser ersetzt waren, gab es genauere Vorgaben auch für Gittermaße, Sockelhöhe und Weg-breiten. So sollten z.B. die Wege zur Haustür unter 3 m breit, die zu Läden oder Kellern nur 1,25 m breit sein. Eine gewerbliche Nutzung war nicht gestattet.

Bald hatten sich daraus Gestaltungsprinzipien herausgebildet, die Fritz Saftenberg in seinem Buch „Der Vorgarten“ (1914) zusammenfasste. Diese Empfehlungen haben heute noch Gültigkeit. Da-nach bildet der Vorgarten ein vermittelndes Glied zwischen Haus und Straße,  klar und geometrisch angelegt, eine optische Transparenz, die Gestaltung korrespondierend mit der Gliederung des Hauses. Der Eingangsweg soll mit Mosaikpflaster, Mettlacher Fliesen oder Terrazzo befestigt, sonstige Wege mit Kies belegt sein, ohne als trennende Elemente zu wirken.
Bei der Einfriedung hatten sich schmiedeeiserne Zäune mit niedrigen Sockeln aus Klinker, oft glasiert, durchgesetzt. Als für die Bepflanzung geeignet werden Gräser,  Maiglöckchen, Haselwurz oder Farne erwähnt. Dazu Stauden, Sträucher und kleine Bäume, Nadelgehölze eher nicht. Für „bescheidene Häuser“ werden zudem Schling- und Kletterpflanzen genannt.

Leider mussten in den vergangenen Jahrzehnten viele Vorgärten Parkplätzen weichen, erst Ende der 70er und in den 80er Jahren hat hier ein Umdenken in der Kommunalpolitik stattgefunden. Spaziert man heute durch die Straßen, sieht man noch manchen schönen Vorgarten, der die Zeiten überdauert hat oder der nach historischem Vorbild neu angelegt wurde. Aber es gibt leider auch viele hässliche Anblicke - vom Jägerzaun über Gitterzäune aus dem Baumarkt bis hin zu undurchdringlichen Hecken und Efeumauern. Für einen ersten Eindruck empfiehlt sich der kurze Spaziergang vom Rathaus Friedenau die Niedstraße entlang und zurück durch die Albestraße.

Michael Barthel

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