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28.11.2012 / Orte und Plätze

Die Haberlandstraße

Salomon Haberland betrieb anfangs in Berlin eine Schal- und Tuchfabrik, die offenbar so gut lief, dass er von den Gewinnen viel Land kaufen konnte.
Foto: Thomas Protz

1890 wurde er Mitbegründer der „Berlinischen Grund und Boden-Gesellschaft“. Diese kaufte den Bauern im Norden Schönebergs das Land ab, etwa zwischen der heutigen Hohenstaufenstraße und der Berliner Stadtgrenze, die bei Motz- und Geisbergstraße lag. Die Länderein wurden zusammengeschlossen, es wurden Straßen und Versorgungsleitungen für Gas, Wasser und Strom angelegt. Zum Schluss wurden einzelne, gut ausgestattete Baugrundstücke weiterverkauft.

Anlässlich von Haberlands 70. Geburtstag 1906 ließ der Kaiser die Straße, in der Salomon Haberland wohnte, nach ihm benennen. Das Haus Haberlandstraße Nr. 7 war sein eigenes. Er hatte es mit viel Liebe zum Detail gestaltet, mit einer Fassade, die ein bisschen an ein Schloss erinnern sollte, und einem Türmchen auf dem Dach.

1938 wurde die Haberlandstraße dann umbenannt, weil Straßennamen nach jüdischen Bürgern nicht erlaubt waren.

Der Straßenzug, der eigentlich wie ein umgekehrtes y aussah wurde geteilt. Der nördliche Teil wurde zur Treuchtlinger Straße, und der südliche Teil wurde zur Nördlinger Straße. Erst Mitte der 90er Jahre wurden Überlegungen angestellt, die Straße wieder zurückzubenennen, wenigstens den südlichen Teil. Das führte zu Pro-testen der bayerischen Stadt Nördlingen, die sich nach fast sechzig Jahren nicht einfach verdrängen lassen wollte. Sie wollte mit ihrer Straße in der Hauptstadt weiter die Verbundenheit mit Berlin zeigen. Sicherlich erhoffte sie sich durch diese Präsenz auch ein bisschen Werbung und ein paar Touristen aus Berlin für Ihr Städtchen. Der Bezirksbürgermeister bat jedoch um Verständnis für diese Art der Wiedergutmachung gegenüber der Familie Haberland.

1996 bekam der südliche Teil des Straßenzugs dann seinen ursprünglichen Namen zurück. Die Idee, auch die Treuchtlinger Straße in die Rückbenennung einzubeziehen, wurde bis heute nicht umgesetzt.

Von 1918 bis 1933 hatte Albert Einstein eine Wohnung in der Haberlandstraße. Das Haus steht nicht mehr. Nur ein unscheinbarer Denkstein vor einem unspektakulären Wohnhaus aus den 50er Jahren erinnert an den Physiker. Menschen aus aller Welt suchen das Haus Haberlandstraße 5, das in jedem guten Reiseführer als Wohnort von Albert und Elsa Einstein verzeichnet ist. Mit Einsteinperücke, falschem Bart und Papppfeife begrüßt Gregorio Ortega Coto (siehe Künstlerportrait auf Seite 13) manchmal die Touristen und gibt ihnen die Informationen, die sie an diesem Ort vermissen. Seit einem Jahr sammelt Herr Ortega Coto Geld für eine Gedenkstele vor dem ehemaligen Wohnhaus Einsteins in der Haberlandstraße. Über 2.000 Euro hat er schon für die ca. 6.400 Euro teure Informationsstele zusammengetragen. Wenn Sie das Projekt von Herrn Ortega Coto unterstützen wollen, finden sie alle Informationen dazu auf seiner Internetseite www.einsteinproject.de.

Christine Bitterwolf

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