Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

29.01.2014 / Menschen in Schöneberg

Deutsch is easy? Pustekuchen!

Im U-Bahnhof Nollendorfplatz. Ein buntes Multi-Völkchen aus der bekannten Hartnack Sprachenschule dort trifft man hier häufig an.
Agnes Schikora / pixelio.de

Ich wartete auf die U-Bahn in Richtung Innsbrucker Platz . Die ältere Dame neben mir auf der Bank tippte mich forsch an und fragte, ob ich vielleicht dem jungen Mann neben ihr sagen könne, was „Pustekuchen“ bedeute, sie würde leider kein Englisch sprechen.
Erwartungsvoll machte der junge Amerikaner nun einen langen Hals in meine Richtung, zückte seinen Kugelschreiber und wartete ...
Tja, wie sollte ich das nun plausibel erklären … zumal die Dame verschwörerisch flüsterte, das Wort würde doch wirklich kein Deutscher heutzutage mehr benutzen und wie man denn „so was“ in unserer Sprachenschule überhaupt lehren würde, und überhaupt.
Mir fielen eigentlich viel zu viele, auch unterschiedlichste Be- und Umschreibungen dieses Begriffes ein. Der junge Amerikaner strahlte, schrieb eifrig alles mit.
Die U- Bahn hielt, die Wartenden stiegen ein. Die Dame setzte sich spontan und vielsagend lächelnd sofort auf die mir gegenüber stehende Bank des Abteils .Der junge Mann war verschwunden.
Es ließ uns augenscheinlich einfach keine Ruhe, wir fragten uns inzwischen regelrecht aufgebracht, ja, zwanghaft weiter, warum man nun ausgerechnet dieses Wort lernen solle.
Eigentlich hatte ich das Empfinden, in normaler Lautstärke zu sprechen.
Da hatten wir aber nicht mit den anderen Fahrgästen gerechnet, jetzt diskutierten nämlich alle kreuz und quer: Jawohl doch, das würde man immer noch sagen und zwar ziemlich oft und überhaupt wäre das absolut gebräuchlich. Und es passe doch auch so oft. So simpel wäre es, da so ein Puste-Kuchen auch noch leicht bildlich vorzustellen wäre.
Es ging ziemlich hoch her und alle hatten sichtlich Spaß. „Pustekuchen? „Ja, genau: „Pustekuchen!“
Ich behaupte, der junge Amerikaner hatte sich spätestens jetzt und auf der Stelle in die Berliner verliebt.
Denn er saß nämlich die ganze Zeit unbemerkt, sicher eingeschüchtert, so plötzlich der Mittelpunkt des Geschehens zu sein, ganz versteckt am anderen Ende des Wagons.
Als er wie aus dem Nichts am Zielbahnhof aufstand, verstummte alles, man schaute etwas erschrocken, ja,fast ertappt und was tat er?
Den Block in der Hand, die große Tasche unterm Arm rief er uns lachend zu: Thank you all, dearest Pustekuchens!

Und dieses Wort soll nun altmodisch, bzw. gar nicht mehr gebräuchlich, überhaupt nicht mehr angebracht sein?
Pustekuchen,
behauptet
keck,
Elfie Hartmann

P.S. Und wer sagt denn nun schon noch „keck“... cool bleiben!

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