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01.07.2021 / Projekte und Initiativen

Der Tag des Lippenstiftes

Von Christine Bitterwolf. Der 29. Juli ist der Tag des Lippenstiftes.
Foto: Elfie Hartmann

Die Corona-Inzidenzen sinken, die Lockerungen im Alltag nehmen zu, fast jeder darf wieder überall hingehen, aber die Maskenpflicht bleibt. Das ist richtig. Die Gesichter der Menschen im Stadtbild sind weiterhin nur zur Hälfte zu sehen. Die Frisuren sind wieder sehenswert, weil die Friseure geöffnet haben. Die Augen werden besonders beachtet, weil die Optiker interessante Brillenmodelle verkaufen dürfen. Und wer sich gerne schminkt, kann wenigstens hier Lidschatten, Eyeliner und Wimperntusche zum Einsatz bringen. Lange, falsche Wimpern waren gerade vor Corona sehr in Mode gekommen.
Der Rest des Gesichtes bleibt im wahrsten Sinne des Wortes unscheinbar. Make up kann kaum noch benutzt werden, weil es die Maske total verschmiert. Und der Lippenstift … wozu noch Lippenstift, wenn sowieso keiner den Mund sieht? Draußen ist er hinter der Maske versteckt und drinnen sollte möglichst kein Besuch empfangen werden. Lippenstift nur für sich selbst, zum Gammel-Look, auf dem Sofa? Wer macht denn so was?

Doch wenigstens am Tag des Lippenstiftes werden hoffentlich die meisten Frauen ein bisschen Farbe ins Gesicht bringen. Und wenn es nur ist, um das eigene Ego zu streicheln. Oder ist vielen dieser kuriose Feiertag gar nicht bekannt?
Es gibt ihn seit 2016. Die US-Amerikanerin Huda Kattan, die in Dubai lebt, hat ihn ins Leben gerufen. Ursprünglich hatte die junge Frau einen Schönheits-Blog geschrieben, den sie Huda Beauty nannte. Nach großem Erfolg als Influencerin gründete sie eine eigene Kosmetikmarke und schon jetzt gilt sie als erfolgreichste Beauty-Unternehmerin der Welt. Bei so viel Ruhm und Einfluss kann sie schon mal einen eigenen „international lipstick day“ ins Leben rufen.
Tatsächlich haben 2019, als noch alle Läden geöffnet hatten, einige Kosmetikfirmen und Geschäfte, wie z.B. Douglas, auch in Deutschland, am 29. Juli Lippenstifte verschenkt. Ob sie das in diesem Jahr auch wieder tun, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
Doch das Lippenstiftmuseum in der Helmstedter Straße 16 wird zum internationalen Tag des Lippenstiftes wieder einen kleinen Empfang geben und für kostenlose Besichtigungen öffnen, Coronabedingt natürlich nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung (Tel 854 28 29)  und nur in kleinen Gruppen. Der Visagist Rene Koch zeigt hier rd. 500 Ausstellungsstücke rund um den Lippenstift, von historischen Lippenfarben über Kussabdrücke großer Künstler bis zu Bühnenkostümen bekannter Stars. Hier erlebt man eine kleine Reise durch die Entwicklung der Lippenstifte und ihre verschiedenen modischen Trends und bekommt einen Einblick in die Welt der Schauspieler, die ihr ihre Lippenstifte überlassen haben.

Nicht immer war der Lippenstift so beliebt wie heute. Es gab Zeiten, da trugen Lippenstifte nur Prostituierte oder sie waren gänzlich verboten. Dagegen soll bereits die ägyptische Königin Nofretete (1350 vor Chr.) die Lippen rot gefärbt haben. Im Mittelalter schminkte Queen Elisabeth I ihre Lippen bewusst sehr rot als Kontrast zu dem weißen Puder im Gesicht.
Auf der Weltausstellung 1883 in Amsterdam wurde erstmals Farbe für Lippen in Form eines Stiftes vorgestellt, er war in Seidenpapier eingewickelt. Erst 1910 entwickelte die Kosmetikfirma Guerlain eine Metallhülle für die Stifte, damit sie in der Damenhandtasche nicht zerbrachen oder unschöne Flecken verursachten. Die Firma Revlon war 1940 der bedeutendste Lippenstift-Lieferant, besonders als sie Lippenstift und Nagellack in gleichen Farben produzierte. Elizabeth Arden bot dagegen ihre Lippenfarben passend zu der amerikanischen Militäruniform im 2. Weltkrieg an. Gleichzeitig wurde in Deutschland Kosmetik verboten. Und die Maschine, die bisher Hülsen für Lippenstifte hergestellt hatte, produzierte nun in gleicher Größe Patronenhülsen.
Nach dem Krieg gab es ihn dann aber bald wieder, den Volkslippenstift. Auf Plakaten wurde damit geworben, dass der VL (Volkslippenstift) für die Frau das ist, was der VW (Volkswagen) für den Mann ist.

Inzwischen gibt es Lippenstifte in allen Farben, leuchtend grell und glänzend pastell, transparent oder tiefschwarz, sogar durch die Wärme der Lippen selbst tönend. Während die alten Römer sich noch zum Teil giftige Farben auf die Lippen schmierten, enthalten die heutigen Lippenstifte vielfach sogar pflegende Substanzen wie pflanzliches Öl, Bienenwachs oder Vitamine. Allein in Deutschland werden jährlich über 3100 Tonnen Kosmetika für Lippen hergestellt und verkauft. So viele schöne Lippen wollen doch gezeigt werden. Hoffentlich werden auch die letzten Corona-Masken bald fallen können, damit sich die Gesichter der Damen, und natürlich ggf. auch die der Herren, bald wieder in voller Schönheit zeigen können.

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