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31.10.2020

Der Steglitzer Kreisel ... bleibt in Bewegung

Von Christine Sugg. Von Anfang an, 1968, war der Steglitzer Kreisel ein „Sorgenkind“. Da die Baukosten damals stark anstiegen, wurde der anfängliche Bauträger insolvent, und selbst die unter fragwürdigen Umständen erfolgte Bürgschaft des Senats über damals ca. 42 Millionen Mark konnte das Einstellen der Bauarbeiten nicht verhindern.

Foto: Thomas Thieme

Ein neuer Bauträger folgte, der Kreisel wurde endlich fertiggestellt, stand anschließend lange leer und fand keine Mieter, bis schließlich das Bezirksamt Steglitz einzog. Die Baukosten beliefen sich bis dahin auf ca. 355 Millionen Euro. Leider war die „Pechsträhne“ dieses Bauwerks bzw. des Senats noch nicht zu Ende. Wegen der 1990 festgestellten Asbestbelastung musste das Bezirksamt 2007 ausziehen. Die folgende Asbestsanierung kostete den Senat 18,5 Millionen Euro. Für den Leerstand von 2007 bis 2017 musste der Senat jährlich ca. 1 Million Euro bezahlen.

Nach langer Investorensuche fand das „Unglücksobjekt“ 2017 endlich einen Käufer, die CG Gruppe, eine Immobilienentwicklungsgesellschaft mit Sitz in Berlin und 900 Mitarbeitern. Unter dem Namen „ÜBerlin“ wollte der neue Eigentümer den dunklen, betonlastigen Turm zu hellen, gläsernen Eigentumswohnungen der Luxusklasse umbauen und vermarkten. Insgesamt 330 Eigentumswohnungen sollten dort entstehen.

Eifrig wurde gebaut, entkernt und verändert ... jetzt steht seit einigen Monaten der große Baukran auf dem Dach still und der Kreisel wirkt wie ein lebloses Gerippe. Viele fragen nach den Gründen des Baustopps, von offizieller Seite wird dann als Grund Corona angeführt. Doch stellt diese Aussage den Anwohner nicht wirklich zufrieden, da die Baubranche wohl nicht so sehr unter Corona gelitten hat. Tatsache ist auch, dass sich das Büro zur Vermarktung der schicken Eigentumswohnungen nicht mehr an der Baustelle im Sockel des Gebäudes befindet, der Kaufinteressent wird auf die Internetseite von „ÜBerlin Residential Tower“ verwiesen. Auf dieser Seite werden aktuell noch viele Wohnungen ab 418.000 Euro als „einzigartiges Wohnerlebnis“ zum Kauf angeboten. Per Internet kann der Interessent mit dem Verkäufer in Kontakt treten und wohl auch Besichtigungstermine vereinbaren.

Schaut man den Bauträger des Objekts genauer an, so gibt es nicht nur einen Eigentümer, sondern inzwischen mehrere, deren Firmenstrukturen nicht so einfach nachvollziehbar sind und die auf internationaler Ebene agieren. So wurde der ursprüngliche Verkäufer der Eigentumswohnungen, die CG Gruppe, mittlerweile an eine Firma namens Consus Real Estate verkauft, eine der größten Immobilienentwickler Deutschlands. Die CG Gruppe wurde dadurch eine Tochtergesellschaft der Consus Real Estate und der Inhaber der CG Gruppe, Christoph Gröner, wechselte 2017 in den Aufsichtsrat des neuen Unternehmens. Ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung gegen ihn wurde 2019 vom Amtsgericht Leipzig eingestellt. In der Zwischenzeit hat sich Herr Gröner vom Aufsichtsrat zurückgezogen.
 
Im März dieses Jahres wurde bekannt, dass er der Berliner CDU 300.000 Euro gespendet hat. Mittlerweile ist sicher, dass das Sockelgeschoss des Steglitzer Kreisels, in dem sich 70 Mietwohnungen befinden, nicht, wie ursprünglich geplant, renoviert wird, sondern abgerissen werden soll. Stattdessen wird ein schicker Neubau mit viel Glas errichtet. Er soll dann Platz für Praxen, Büros und Geschäfte bieten, jedoch keinen Wohnraum mehr. Baukosten in Höhe von ca. 250 Millionen werden dafür veranschlagt. Die Bezirksverordneten fordern vom Bauträger Ersatzwohnungen für die Mieter. Laut CDU Fraktion wird durch den Neubau „ein Schandfleck zum neuen Aushängeschild des Bezirks“.

Im Sommer 2020 folgte dann die Nachricht, dass die Consus Real Estate von einem Immobilienriesen namens ADO Properties erworben wurde. Laut Immobilienzeitung soll oben genannte Übernahme von Consus Real Estate den Zusammenschluss von ADO Properties und einem Immobilienkonzern namens Adler Real Estate ergänzen, sodass daraus die viertgrößte börsennotierte Wohnimmobiliengesellschaft Europas entsteht. ADO Properties ist ein luxemburgisches Unternehmen, das ca. 18.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten besitzt. 61 % der Aktien sind in Streubesitz und 39 % in Besitz der israelischen ADO Group. Das Unternehmen ist an der Frankfurter Börse im SDAX gelistet. In Berlin hat dieser Bauträger wohl die meisten Immobilienprojekte so z.B. das Quartier Bundesallee Die oben genannte Transaktion soll laut neuem Bauträger keine Auswirkungen auf die Baustelle am Steglitzer Kreisel haben und am Termin der Fertigstellung, Dezember 2022, wird festgehalten.

Seit Oktober tut sich ein bisschen auf der Baustelle. Die Stellung des Krans auf dem Dach verändert sich. Der überdachte Durchgang in Höhe des Globetrotter-Ladens ist mit großen Werbefotos verziert, auf denen die luxuriösen Wohnungen zu sehen sind. Außerdem gibt es einen Hinweis auf ein Verkaufsbüro vor Ort.

Wir sind gespannt, wann es auf der Baustelle „so richtig losgeht“, ob die geforderten Ersatzmietwohnungen gefunden werden und ob alle Termine eingehalten werden. Letztendlich kann man nur hoffen, dass dies nicht nur eine weitere Station dieses skandalträchtigen Gebäudes ist, bzw. dass der Steglitzer Kreisel keine weiteren Schlagzeilen macht, sondern irgendwann endlich zur Ruhe kommt.

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