Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

4.11.2014

Der Rote Hahn unterliegt der Feuerwehr

In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober ging bei der Berliner Feuerwehr um 1.25 Uhr ein Notruf aus Friedenau ein, der einen umfangreichen Einsatz auslöste.

Im Notfall 112. Archivfoto: Thomas Protz

Haus in der Fregestraße. Foto: Thomas Protz

In der Fregestraße brannte Mobiliar in einer Dachgeschosswohnung eines fünfstöckigen Wohngebäudes und musste mit fünf C-Rohren unter hauptsächlicher Verwendung von Druckluftschaum gelöscht werden. Alle vier Dachgeschosswohnungen wurden durch den Brand zerstört und das Dach gleicht nach der bis zum  Nachmittag  des Folgesamstags andauernden Brandbekämpfung einer ausgeräucherten Höhle. Doch konnte ein Übergreifen des Feuers auf andere Etagen und die Nachbargebäude verhindert werden. Auch kam niemand zu Schaden, sieht man einmal von dem vorübergehenden Krankenhausaufenthalt zweier Bewohnerinnen und eines 27-jährigen Feuerwehrmannes ab, der einen Schwächeanfall infolge des ungeheuren Hitzeanpralls des Brandherdes zu verkraften hatte. Allerdings entstand durch den fünfrohrigen Wassereinsatz unvermeidlich Wasserschaden in den zwölf Wohnungen des Hauses, und selbst noch in der Erdgeschosswohnung eines Nachbarhauses stieg infolge des übermäßigen Wasserdrucks auf die Kanalisation der eingesetzte Löschschaum aus dem Abfluss des Badezimmers empor.

Insgesamt waren 27 Einsatzfahrzeuge herbeigerufen worden und stauten sich auf der Rheinstraße bis zum Breslauer Platz, darunter neben den beiden Drehleitern und neun Löschhilfsfahrzeugen sechs Sonderfahrzeuge und sechs Führungsfahrzeuge. Ein Sprecher der Feuerwehr beklagte die äußerst schwierigen Arbeitsbedingungen vor Ort: Die engen Straßen erforderten schon bei der Anfahrt eine exakte Koordination, denn ein Umsetzen oder Rangieren war ausgeschlossen. Und so schön die prächtigen Straßenbäume für das Wohnen sind, so schufen sie doch erhebliche Probleme für die beiden Drehleitern, die zur Brandbekämpfung im Dachbereich eingesetzt werden mussten. Auch Falschparker behinderten den Einsatz.

Doch gibt es über das Niederringen des Roten Hahns  durch ein mehr als hundertköpfiges Aufgebot der Wehr hinaus noch mehr Erfreuliches zu berichten. Denn am Einsatzort zeigte auch die Abteilung Gesundheit und Soziales des Bezirksamts Leistung:  Da sämtliche Wohnungen des Hauses geräumt werden mussten, hatte die Einsatzleitung um 4 Uhr auch deren Fachkompetenz angefordert. Im Rahmen eines verabredeten Katastrophenschutzplans gibt es dafür feste Regeln, und für Obdachlosigkeit gleich welcher Art ist  das Sozialamt der Ansprechpartner. Das Sozialamt hat für solche Fälle einen Alarmplan bereit. Es werden diejenigen Mitarbeiter gerufen, die den Katastrophenort am schnellsten erreichen können. So trafen bereits eine Stunde nach Alarmierung mehrere Mitarbeiter des Bezirksamts im Blaulichtmeer der Rheinstraße ein, um ihre Arbeit an ungewohnter Stelle  zur ungewohnten Zeit aufzunehmen.

Die 70 evakuierten Hausbewohner konnten zwar zunächst im Bus von Feuerwehr und Polizei Unterschlupf finden, doch musste nun darüber hinaus eine Lösung für die weitere Nacht oder sogar für weitere Tage und Wochen gefunden werden, denn bereits jetzt stand fest, dass sämtliche Wohnungen vorerst nicht genutzt werden konnten. So wurde die in der nahen Stierstraße gelegene Seniorenfreizeitstätte zur ersten Anlaufstätte für die unverhofft obdachlos gewordenen Hausvertriebenen. Dort lagen Isomatten und Decken bereit, und am frühen Morgen traf dort Leiter Ohlendorf ein, um für ein Kaffeefrühstück zu sorgen. Da das Haus neben Telefon auch über einen Internetanschluss verfügt, konnten die Asylanten von hier aus Kontakt zu ihren Angehörigen und zur Versicherung aufnehmen. Danach begann sich das Haus langsam wieder zu leeren. Bis 16 Uhr hatten auch die letzten vier Haushalte mit 12 Personen eine neue Bleibe gefunden. Wie aus dem Büro von Sozialstadträtin Klotz zu erfahren war, ist von ihr bereits ein Dank an die Mitarbeiter für den professionellen Umgang mit der schwierigen Situation ausgesprochen worden.

Die Aufregung in der Fregestraße hat sich inzwischen wieder gelegt. Im Auftrag der Versicherung sind die Möbel der Haushalte bei Speditionen eingelagert worden. In den nächsten Wochen erfolgt nun die Schadensbeseitigung. Der nahe Edeka-Markt, zu dessen Kundschaft viele der Betroffenen gehören, hat per Anschlag am Ladeneingang seine Kunden zu Sachspenden bis zur Kühlschrankgröße aufgerufen und hat gegenüber der Stadtteilzeitung bestätigt, dass in seinem Kellergeschoss auch schon Spenden eingegangen seien. 

Spendentelefon: 85 11 139

Ottmar Fischer

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