Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

7.06.2016

Der PallasPark und das Pallasseum

In 514 Wohneinheiten wohnen ungefähr 2.000 Menschen.

Foto: Thomas Protz

Die bauliche Entwicklung Berlins spiegelt immer auch ein Stück Sozialgeschichte wider. In den 70er Jahren zum Beispiel galt eine hochverdichtete Bauweise als geeignete Lösung, um möglichst viel Wohnraum auf knappen Flächen zu schaffen. Die „Kahlschlagsanierung“, der Abriss ganzer Altbauviertel zugunsten von Neubauten, galt als innovativ. Beispiele wie die „Schlange“ in der Schlangenbader Straße, das „Neue Kreuzberger Zentrum“ am Kottbusser Tor und das Pallasseum in Schöneberg zeugen von dieser Phase. In den 90er Jahren machte das Pallasseum eher negative Schlagzeilen u.a. wegen des maroden Zustands der Gebäude und des enormen Leerstands. Und heute?

Von außen sieht das Pallasseum nach wie vor sehr betonlastig aus. Es besteht aus einem 15-etagigen Hochhaus, das über den ehemaligen Hochbunker und die Pallasstraße gebaut wurde, und einem niedrigeren quaderförmigen Bau entlang der Pallas- und der Potsdamer Straße.
Als Meliha Ordüz Ende der 80er Jahre einzog, hieß der Gebäudekomplex noch „Wohnen am Kleistpark“. Anfangs habe sie auch erst einmal Angst gehabt, erzählt sie. Viele Mieter zogen damals wegen der zunehmenden Probleme wie Vandalismus und Verwahrlosung weg. Für Meliha Ordüz hat sich im Laufe der Jahre viel durch das Café „Kaffee Klatsch“, einem Mietertreffpunkt, verändert. Sie hat sich dort mit anderen Frauen regelmäßig zum Frauenfrühstück getroffen. Das Café habe den nachbarschaftlichen Austausch sehr gefördert. Für ihr ehrenamtliches Engagement im Café hat sie mit zwei anderen Frauen eine Auszeichnung durch den Senat erhalten.

Als sie mich durch das Pallasseum führt, sehe ich renovierte Treppenhäuser in freundlichen Farben. Es wirkt alles ganz gut instand gehalten. Bauliche Veränderungen wie das Trennen der langen Flure durch Glastüren haben einige Tücken der Bauweise ausgeglichen und geben den Mietern mehr Sicherheit. Ordüz zeigt mir auch den kleinen Garten, den sie mit einigen Nachbarn zusammen pflegt. „Ich bin ein richtiger Obstbaumfan“, sagt Ordüz, als wir gemeinsam durch den Innenhof des Pallasseum gehen. „Obstbäume finde ich einfach schön.“ Die Bauweise des Pallasseum lässt allerdings manche Veränderungs-wünsche wie Obstbäume im Innenhof nur sehr schwer oder gar nicht zu. Es ist zum Teil einfach auch ein Platzproblem.
„In der ursprünglichen Planung sollte der Hof sogar komplett öffentlich zugänglich sein“, erklärt mir Peter Pulm vom Quartiersmanagement „Schöneberger Norden“, das seinen Sitz direkt im Pallasseum hat. „Diese Idee wurde dann aber doch verworfen.“ Auch er erzählt, dass der nachbarschaftliche Zusammenhalt besser geworden ist, auch durch das Café „Kaffee Klatsch“. Im Vergleich zu den sehr schwierigen 90er Jahren habe sich Vieles zum Besseren gewendet. Das Wohnumfeld habe sich durch den PallasPark, der hinter dem Pallasseum liegt, verbessert. Es habe Bildungsprojekte gegeben, im Rahmen des QM-Prozesses in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt hat sich das Bildungsnetzwerk gegründet. Die positiven Veränderungen seien durch das Zusammenwirken von Quartiersmanagement, Mietern und der Eigentümergesellschaft, der Pallasseum Wohnbauten KG, entstanden, betont Pulm.

In Zusammenarbeit mit Künstler/-innen gab es auch Projekte, die das Image der Wohnanlage verbessert haben. Zum Beispiel das Flaggenprojekt. Zur Weltmeisterschaft 2006 hingen Flaggen aller teilnehmenden Länder an den Balkonen. Das brachte dem Pallasseum positive Schlagzeilen. Das jüngste Projekt war das Fotoprojekt „Pallasseum Porträts“.

Inzwischen sind die Wohnungen im Pallasseum wieder sehr be-gehrt. Schließlich liegt die Wohnanlage an der Potsdamer Straße, die derzeit wieder „in“ ist. Be-zahlbarer Wohnraum in der Innenstadt dagegen ist knapp. Die Nachfrage nach den Wohnungen ist wieder gestiegen, es gibt Wartelisten. Es zögen jedoch nach wie vor gerne Menschen in das Pallasseum, die dort selbst aufgewachsen sind, sagt Pulm.

In diesen 514 Wohneinheiten wohnen ungefähr 2.000 Menschen. Der Blick von den Wohnungen in den oberen Geschossen über den Kleistpark hinweg auf Schöneberg und ganz Berlin ist traumhaft. Bei der Planung spielten Grünflächen innerhalb der Wohnanlage allerdings eine geringe Rolle. Das rar gesäte Grün in dieser Ecke findet sich inzwischen hinter dem Gebäuderiegel. Dort wurde ein ehemaliger Parkplatz zum PallasPark umgestaltet, einer Mischung aus Spielplatz und Mietergärten. Er wurde letztes Jahr von der deutschen Umwelthilfe zu einem Modellquartier im Rahmen des Projektes „Grünflächen in der Sozialen Stadt“ ausgewählt.

Isolde Peter

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