Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

4.06.2019

Der neue Bücherbus

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat einen neuen Bücherbus, eine fahrende Bibliothek, mehr als nur eine Bibliothek, eine breit ausgestattete Mediathek, ein modernes Medienmobil.

Foto: Elfie Hartmann

Es war ein langer Weg bis der Bus, so wie er heute hier steht, fertig war. Er ist schneeweiß, 12 Meter lang und fast 3 Meter hoch. Seit 2012 drängte der Bezirk auf einen neuen Bücherbus. Die Anschaffung scheiterte immer wieder an mangelnden Haushaltsmitteln. Erst im Juni 2017 konnte der Bezirk freudig verkünden, dass die notwendigen Mittel in Höhe von 490.000 Euro in den Haushaltsplan aufgenommen wurden. Doch dann dauerte es doch noch fast zwei Jahre. Planung, Ausschreibung, Absprache mit der beauftragten Firma über das, was der Bezirk gerne haben wollte und was machbar war, all das brauchte viel Zeit. Die Firma Berger in Frankfurt am Main wurde mit der Entwicklung des Fahrzeugs beauftragt. Auf ein MAN-Chassis baute sie einen ganz individuellen Bücherbus mit technisch modernster Ausgestaltung wie zum Beispiel komplettem digitalen Ausbau, Klimaanlage, LED-Beleuchtung. Damit ist nun der Schöneberger Bücherbus einzigartig, weltweit. Er fährt mit 290 PS. Und doch ist er für illegale Autorennen nicht geeignet, denn wenn er mit Büchern voll beladen ist, wiegt der Bus 18 Tonnen.

Der neue Bücherbus stellt mit seiner aktuellen Ausstattung insgesamt 4000 Medien zur Verfügung. Davon sind über die Hälfte für Kinder vorgesehen.
Es gibt hier nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch E-Book-Reader, Hörbücher, Blurays, DVDs, Musik-CDs, Informationen für Schule und Ausbildung sowie Spiele für die ganze Familie. Da-neben verfügt der Bus über einen Internet-Anschluss für Online-Recherchen und den Bibliotheks-Online-Katalog sowie einen Multifunktionsdrucker. Dank einem Rollstuhllift ist dieses umfassende Angebot barrierefrei für jeden Interessenten erreichbar. Der Bus wird immer mit zwei Fachleuten, einem Bibliothekar und einer Fachkraft für Medienwirtschaft, besetzt, die den Nutzern jederzeit beratend zur Seite stehen. Sie bieten alle Dienstleistungen einer öffentlichen Bibliothek an: Ausleihe und Rücknahme aller Medien, Ausgabe von Bibliotheksausweisen und Annahme von Zahlungen.

Der Bücherbus fährt in jeder Woche zwölf Haltestellen an. Nach dem Motto: das Buch kommt zu dir, wird er überwiegend in den Teilen des Bezirks eingesetzt, die keine öffentliche Bücherei in der Nähe haben. Er ist daher häufig in Mariendorf und Lichtenrade zu sehen. Er hält jedoch auch an zwei Tagen in der Woche, jeweils am Dienstagvormittag und Donnerstagnachmittag, in der Hauptstraße gegenüber dem Rathaus Friedenau. Da der Bus täglich an zwei verschiedenen Standorten steht, Freitags sogar an vier Stellen, arbeiten die Mitarbeiter in zwei wechselnden Schichten und einer von ihnen hat sogar die besondere Fahrerlaubnis, die er braucht, um den großen Bus fahren zu können. Oft liegt der Standort direkt vor einer Grund-schule, obwohl viele Schulen in-zwischen ihre eigenen Schulbüchereien haben. Damit werden jedoch ebenfalls die Eltern der Kinder für die Medien interessiert, und der Bus steht dann außerdem auch kontinuierlich während der Ferien an seiner Haltestelle.
Nachts wird der große Bus in seiner Garage in Tempelhof geparkt.

Weil der Bücherbus die neue Abgasnorm Euro 6d erfüllt, kann er jederzeit auch in der Berliner Umweltzone eingesetzt werden und wird damit zukünftig auch auf vielen Straßenfesten zu sehen sein. Auf dem Nachbarschaftsfest vor dem Schöneberger Rathaus am 25. Mai war er schon. Und es ist bereits jetzt geplant, dass er am 20. September bei der langen Nacht der Volkshochschulen am Barbarossaplatz stehen soll.

Christine Bitterwolf