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28.02.2022 / Menschen in Schöneberg

Der mit der Kunst lebt

Von Elfie Hartmann. Die Karl-Schrader-Straße in Schöneberg ist immer wieder eine Begehung wert. Hier wohnt auch der Kunstmaler und ehemalige Kunsterzieher Bernd Krüerke.
Foto: Elfie Hartmann

Von seinem weitläufigen Atelier aus hat er direkte Sicht auf die originellen, symbolträchtigen Tonfiguren, die sich auf den massiven Pfeilern der Mauer gegenüber befinden, quasi aneinander reihen. Jede der insgesamt zwanzig Figuren hat eine Bedeutung, ist ein Unikat und handgefertigt von Erzieher-Studierenden, die unter anderem auch Kunstunterricht im hier befindlichen Pestalozzi-Fröbel-Haus bei ihm hatten. Zwischen der Hohenstaufen-und Barbarossastraße findet man den roten denkmalgeschützten Klinker-Altbau des Gebäudes leicht. Sollte eine der wetterbeständigen Figuren trotz der zwei Meter hohen Anbringung mutwillig beschädigt worden sein, ist Krüerke schnellstmöglich dabei, den Schaden  persönlich zu beheben.
Die Figur des Pinocchio sei zum Beispiel am häufigsten beschädigt worden, so berichtete der Künstler während des Interviews mit der Stadtteilzeitung. Da müsse eine Leiter her, die Wetterverhältnisse müssten jeweils berücksichtigt werden und die Keramik zum Teil neu angefertigt, bzw. gebrannt werden. Und der Künstler selbst „brennt“ auch, und zwar für die Kunst.
Im Kammermusiksaal-Friedenau hatte er vor einiger Zeit eine Einzelausstellung. Die nächste ist bereits fest eingeplant, jedoch der Pandemie wegen unsicher, was das genaue Datum und die Dauer der Ausstellung betrifft. Das Modell für die Anordnung seiner Gemälde innerhalb der dort befindlichen Räumlichkeiten wurde von ihm lange vorher als Miniatur angefertigt. Sie war im Rahmen des Interviews vorab zu sehen.

Er selbst bezeichnet sich als Landschaftsmaler, jedoch sind seine figürlichen Darstellungen durchaus bemerkenswert. 2004 stellte er erstmals in der Liebermann-Villa am Wannsee aus, die sich zu damaliger Zeit gerade für öffentliche Präsentationen entschied, das Café schon in Betrieb genommen hatte.

Seine künstlerische Ausbildung erhielt er (Jahrgang 1944) an der HdK bis 1974 bei Prof. Bachmann. Im Pestalozzi-Fröbel-Haus war er insgesamt 30 Jahre Kunsterzieher sowie in der Erzieherausbildung tätig und gleichzeitig seit Anfang der 70er Jahre in seiner Freizeit als freischaffender Maler unterwegs. Unzählige Landschaftsgemälde befinden sich in seinem weit verwinkelten Atelier, das gleichzeitig als Privatwohnung dient. Und jedes einzelne ist von ihm in eigener Werkstatt fachmännisch gerahmt. Von 1995 bis 2001 entstanden zusätzlich viele Arbeiten zirzensischer Thematik mit dem inzwischen sehr erfolgreichen Berliner Jugendprojekt, dem beliebten Juxzirkus. Auch das Thema Ballett und Tanz beschäftigte ihn vorübergehend intensiv. Und so entstanden unterschiedlichste Genres, wobei er jedoch weiterhin während weiterer Reisen die jeweiligen Landschaften impressionistisch festhielt.

Über die kleinen Tonfiguren auf der Straßenseite gegenüber hat er viel zu erzählen. Im Innenhof und Fluren des Pestalozzi-Fröbel-Hauses befinden sich dazu noch ca. fünfzehn weitere künstlerisch hochwertige Tonfiguren sowie acht Figuren in gesicherten Glasvitrinen innerhalb des Hauses.
Während der Entstehung und nach Fertigstellung der Kunstwerke räumte man ihm seitens der Schulleitung vorerst eine temporäre Präsentation am und im Hause an unterschiedlichen Stellplätzen ein. Fast unbemerkt wurde daraus jedoch langsam ein fester Bestandteil. Man begründete dies mit der zunehmenden großen Wertschätzung allseits. Auch wurde wohlwollend berücksichtigt, dass überwiegend bei jeder Figur ein direkter Bezug zu den jeweiligen Themen-Räumen des Hauses bestünde.

Die Tonfiguren sind teilweise recht originell, dabei künstlerisch absolut unterschiedlich gestaltet, so dass eine längere Betrachtung schnell unumgänglich werden kann. Während des Interviews berührte ganz besonders, was und in welcher Art und Weise der Künstler Krüerke so individuell über jede einzelne Figur erzählen konnte. Und das machte er so inbrünstig, dass man fast meinte, sein Künstlerherz klopfen zu hören.
 
Website: http://bernd-krueerke.de

www.kammermusiksaal-friedenau.de
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