Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

22.12.2019

Der Geist von Friedenau

Eine Zeitreise durch das Labyrinth des Herrn von Carstenn – 1890 bis 1960 Ein Ort besteht aus Straßen und Plätzen, will man ihn beschreiben, muss man diese beschreiben. Oft haben sie ihr Gesicht, ihren Charakter geändert und damit auch den Charakter des Ortes.

Ausschnitt aus dem Werbeflyer für das neue Buch aus der edition Friedenauer Brücke.

Das vorliegende Buch der edition Friedenauer Brücke stellt uns Friedenau anhand seiner Straßen und Plätze vor, ihr ursprüngliches Bild von 1890 bis 1960. Es zeigt uns, wie Friedenau einmal war und wozu es bis 1960 geworden ist. Nicht nur das Damals-Heute können wir sehen, sondern auch Friedenaus allmähliches Werden von den Visionen seines Gründers Johann Anton Wilhelm von Carstenn mit seinen Vorstellungen einer idyllischen Villenkolonie an bis zu seinem Gesicht im Jahre 1960. Zwei Kriege sind auch an Friedenau nicht spurlos vorübergegangen und haben seine Proportionen verändert; Änderungen seines Zeitgeistes – man denke nur an Berlin als autogerechte Stadt – haben der geplanten Idylle den Gar-aus gemacht.

Da sich Friedenau wie jeder andere Ort in ständigem Wandel befindet, liegt uns mit diesem Bildband ein Stück Stadtgeschichte vor. Hermann Ebling und Evelyn Weissberg  erzählen uns die Geschichte Friedenaus anhand der Bilder seiner Straßen und Plätze. Sie machen mit uns Spaziergänge durch die Viertel Friedenaus, vom ehemaligen Sportpark, auf dem später der Schulhof der Königin-Luise-Schule angelegt wurde, über den Maybach(Perels)platz, die dort entlang führende schnurgerade Handjerystraße bis zur Schmargendorfer Straße, wo sie dann einen Bogen schlägt (die Gerade/der Bogen). Sie streift den Wilmersdorfer (René-Sintenis)Platz und endet an der Kaiser(Bundes)allee.

Und so geht es weiter: Entlang der Kaiserallee mit Friedrich-Wilhelm-Platz und Rheineck; entlang der Stubenrauchstraße mit Wiesbadener Straße, Schiller- und ehemaligem Hamburger Platz bis zum Südwestkorso. Wir spazieren kreuz und quer, nehmen wahr, woran wir vorbeikommen, was uns begegnet, welche Nebenstraßen die Strecke begleiten. Wir wandern durch die Jahrzehnte, sehen diesen und jenen Platz einmal mit sittsamen Mädchen und Frauen besetzt, ein späteres Mal mit respektlos tobenden Gören. Manches ist inzwischen durch Bomben zerstört und anders wieder aufgebaut  - hier kann man es noch einmal im Urzustand sehen.

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ schrieb einst Kurt Tucholsky. Die tausend Worte fehlen aber durchaus nicht. „Montage historischer Aufnahmen im Zusammenspiel mit authentischen Texten … soll aber nicht romantisch verklären“ schreiben die Herausgeber. „Wir erleben die Menschen in ihrem Alltag, in ihrer bierseligen Gemütlichkeit, aber auch in ihrem Leid in einer aus den Fugen geratenen Welt. Wie schon die Abbildungen folgen auch die Texte bis auf wenige Ausnahmen einer räumlichen Ordnung, und auch hier verschwimmen die Zeiten ineinander. Alle Erinnerung wird zu Gegenwart.“

Mit diesem Vorgehen erreichen die Herausgeber eine neue Sichtweise: so haben wir Friedenau noch nicht gesehen!

Wieder ein wunderschönes Buch der edition Friedenauer Brücke, das alle Alt- und Neu-Friedenauer begeistern wird, die es ihrer Bibliothek der Friedenaubücher von Hermann Ebling und Evelyn Weissberg hinzufügen möchten, aber auch all diejenigen, die an einer lebendigen Stadtgeschichte interessiert sind.

Sigrid Wiegand

Der Geist von Friedenau
Eine Zeitreise durch das Labyrinth des Herrn von Carstenn
edition Friedenauer Brücke
Berlin 2019
49,- Euro

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