Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

30.04.2015 / Orte und Plätze

Der Friedenauer Maikäferflug

Eine Woche vor dem Ersprießen der Natur gab es an unerwarteter Stelle eine menschengemachte Vorankündigung des ersehnten Geschehens:
Foto: Magrit Knapp

Die Bürgerinitiative Friedrich-Wilhelm-Platz hatte sich der von Trampelpfaden durchzogenen Restgrünfläche vor dem U-Bahnhofeingang Görresstraße angenommen und vorwiegend gelbblühende Primeln gepflanzt, die seitdem selbst gewohnheitsmäßig Eilende zum staunenden Stehenbleiben veranlassen. In pfadbegleitenden Linien, in einer aus sich selbst herausführenden Spirale und aus einer konzentrisch eingelegten Insel leuchtet plötzlich ein Frühlingsgruß! Das erfreut auch noch die verstockteste Seele. Und die Pflanzen haben den Boden gut angenommen. Die fette Erde lasse auf ein gedeihliches Wachstum schließen, so der Zwischenbericht der Pflanzer. Und es werde ein Maikäferjahr werden, sagen sie, denn neben Regenwürmern sei der Boden voll von Engerlingen gewesen.

Zwar wollen die Aktivisten in weiteren Aktionen auch dem übrigen Platz und seinem Umfeld ein ansehnlicheres Gesicht verschaffen. Doch richtet sich ihre Aufmerksamkeit zur Zeit vor allem auf die Neugestaltung des U-Bahnhofs und seiner Eingänge. Denn der Baubeginn der Maßnahme ist von der BVG bereits für den kommenden Herbst angesagt. Und bis dahin gibt es noch einiges zu klären. Während die BI die Schließung aller vier Eingänge am Südende favorisiert und dafür einen zentralen Eingang auf dem Mittelstreifen schaffen will, und zwar dort, wo die Niedstraße eine gedachte Linie mit der Wilhelmshöher Straße bildet, denkt zwar auch die BVG an einen Rückbau der genannten Eingänge, will den zentralen Eingang aber an der Schmiljanstraße schaffen.

Das hätte zwar den Vorzug einer Anbindung an die dort befindliche Bushaltestelle. Doch könnte dort aus Gründen der Bahnhofskonstruktion kein Fahrstuhl eingebaut werden. Der nämlich wäre nur am vorgeschlagenen Mittelstreifen-Standort möglich, weswegen er ursprünglich auch bei der BVG an dieser Stelle in der Erwägung war. Doch die zentrale Verkehrslenkungsbehörde des Landes hat diesen Standort abgelehnt, weil eine dann notwendig werdende Ampelanlage an dieser Stelle den Verkehrsfluss anstauen würde. Dagegen argumentiert die BI mit dem Hinweis, dass das Verkehrsaufkommen vor Ort nach der Wiedervereinigung so erheblich zurückgegangen sei, dass inzwischen sogar die Auflösung der beampelten Verkehrsspinne am Südende und deren Ersatz durch Kreisverkehr möglich geworden ist.

Pfarrer Wenzel von der Kirchengemeinde Zum Guten Hirten hat sich dieser Argumentation angeschlossen. Er hält den Einbau eines Fahrstuhls überdies für unverzichtbar. Der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Einrichtungen sei nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern wegen des Vorhandenseins von mehreren Altenheimen in der Umgebung auch dringend erforderlich. Er selber stehe zudem immer wieder vor dem Problem, dass für Rollstuhlfahrer eine Nutzung der U-Bahn wegen des fehlenden Fahrstuhls nicht möglich ist. Deswegen müsse er bei Gruppenunternehmungen  für Senioren Busse anmieten, was sich wegen der Platzkapazitäten mitunter als höchst schwierig erweise. Es sei doch wohl selbstverständlich, dass auch die Verkehrslenkung die Schaffung von menschenwürdigen Lebensverhältnissen für alle Menschen als vorrangiges Ziel anerkenne.

Wer nähere Informationen wünscht oder gar mithelfen will, die anstehenden Probleme zu lösen, ist herzlich dazu eingeladen. Die BI trifft sich immer am jeweils letzten Donnerstag im Monat um 18 Uhr im Gemeindehaus „Zum Guten Hirten“, Bundesallee 76a, Hochpaterre. Informationen gibt es unter: www.friedrich-wilhelm-platz.de

Ottmar Fischer

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