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11.12.2016

Der Botanische Garten im Umbruch

22.000 Pflanzen auf 43 ha machen den Botanischen Garten in Berlin zu einem der größten Botanischen Gärten Deutschlands.

Foto: Christine Sugg

1904 wurde er in seiner heutigen Form eingeweiht, 1906 folgte das Botanische Museum, das sich als Ergänzung zum Garten versteht und Themen der Botanik behandelt, wie z.B. Pflanzenprodukte und -nutzung. Seit 1996 gehören beide zur Freien Universität und haben den Status einer fakultätsunabhängigen Zentraleinrichtung.

Ab 2003 wurden jedoch die finanziellen Mittel für den Botanischen Garten gekürzt und der Senat drohte sogar mit einer Schließung. Die darauffolgenden Protestaktionen erreichten das weitere Bestehen des Gartens.  Allerdings mit finanziellen Einbußen verbunden, so wurde bis 2009 das Budget insgesamt um ca. eine Million gekürzt, und zwanzig Gärtnerstellen gestrichen.  Die Lage des Botanischen Gartens ist seitdem prekär. In dieser Zeit gründete die Freie Universität 2007 eine Betriebsgesellschaft, die jedoch die Beschäftigten nicht nach Tarif bezahlt. Innerhalb der Mitarbeiter gibt es damit eine Art "Zweiklassensystem", diejenigen mit „korrekter“ Entlohnung, die direkt bei der FU angestellt sind und jene, die für weniger Geld bei der outgesourcten Tochterfirma arbeiten. Bis zum heutigen Tag führt dieser Umstand zu ständigen Problemen, und es wurde zum Beispiel dieses Jahr schon mehrmals gestreikt.

Die Kosten für den Erhalt des Botanischen Gartens sind sehr hoch, jedoch schwindet seine Bedeutung für die Wissenschaftler der FU. Der Trend geht zu Molekularbiologie und Genetik und weg von der Arbeit mit lebendigen Pflanzen. Es bleiben noch die Besucher, die sich dort erholen wollen, diese sind aber im Winter auch nicht so zahlreich. Folglich müssen neue Wege gefunden werden, um die Finanzen aufzubessern.

Seit Jahren gibt es dort immer mehr Veranstaltungen, deren Betreiber die Kulisse des Botanischen Gartens nutzen, um  ihrem Event einen besonderen Rahmen zu geben. Das hat natürlich für den Besucher seinen Preis.

So finden zum Beispiel im Januar wieder die Tropischen Nächte statt, wo im großen Tropenhaus bei Salsaklängen getanzt werden kann und exotische Cocktails gereicht werden. Führungen durch die Gewächshäuser sind im Preis ebenfalls inbegriffen.

Neu hinzu kommt im Dezember der "Christmas Garden Berlin". Wie man am Namen sehen kann, stammt das Konzept aus England, wo es seit 2013 erfolgreich ist. Dabei verwandelt sich der Botanische Garten in ein vorweihnachtliches Glitzermeer, entworfen von einem bekannten Lichtdesigner und mit Musik untermalt. Von 17 bis 23 Uhr kann man entlang eines Rundwegs verschiedenste Illuminationen bewundern, zwischendurch einen Imbiss nehmen und etwas trinken oder auf dem Dach des Viktoria-Gewächshauses eine Runde Schlittschuh fahren. Allerdings hat die Veranstaltung mit 17 Euro bzw. 19 Euro einen stolzen Preis, jedoch bekommt der Botanische Garten von jeder Karte einen gewissen Anteil und zusätzlich als Spende einen Euro. Die Deutsche Entertainment AG hat den Botanischen Garten für diese Zeit gemietet, von jeder Karte geht zusätzlich ein Euro an den Botanischen Garten.

Eine weitere Möglichkeit, den Botanischen Garten zu unterstützen, besteht zum Beispiel in einer Pflanzenpatenschaft. Für 250 - 1.500 Euro - je nach Pflanzenart - pro Jahr wird die Kultur und Pflege einer Pflanzenart unterstützt. Die Pflanzenpatenschaft dauert mindestens ein Jahr und wird nicht automatisch verlängert, sondern kann nach Belieben verlängert werden. Als Dankeschön wird ein Patenschild mit Hinweis auf den Paten angebracht, der Text ist frei wählbar.

Übrigens ist es auch möglich, den Botanischen Garten für private Feiern anzumieten. Ein Geburtstag oder eine Hochzeit mitten in (exotischem) Grün ist garantiert etwas ganz Besonderes.

Abschießend ist anzumerken, dass die lange und gelungene Renovierung des Viktoria-Gewächshauses die Neuausrichtung des Botanischen Gartens unterstützt, die für seine Zukunft so wichtig ist.

Christine Sugg

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