Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

7.10.2013

Der "Bello-Dialog"

Lange haben wir in unserer Stadtteilzeitung nichts mehr über eines der Lieblingsthemen vieler Berliner berichtet: über Kackhaufen oder Leinenzwang für unsere Hunde.

Foto: Bree Bailey, wiki commons

Eines der Sommerthemen des zuständigen Senators Thomas Heilmann war der sogenannte „Bello-Dialog“. Er besuchte mit großem Pressepulk den Grunewaldsee - das Eldorado aller Hunde und Hundebesitzer. Natürlich waren auch MitarbeiterInnen des Ordnungamtes zugegen. Ziel des Senators mit dieser Aktion: ein gutes Miteinander für Spaziergänger und Hundefreunde zu schaffen. Wer schon mal am Wochenende ohne Hund im Grunewald spazieren geht oder dort radelt, kann miterleben, wie schnell es zwischen beiden Interessengruppen zu lautstarkem Wortgeplänkel, begleitet von kräftigem Hundegebell, kommen kann.

Ich muss meine Phantasie jedoch arg strapazieren, um mir vorstellen zu können, wie ein „Bello-Dialog“ hier Abhilfe schaffen könnte. Ich erkundige mich daher beim Ordnungsamt des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Zufällig sollte in den nächsten Tagen eine Mitarbeiterschulung für den „Bello-Dialog“ stattfinden. Der zuständige Mitarbeiter lud mich ein, bei der Schulung dabei zu sein.

Neben einer Tierärztin, einem Hundetrainer/Flüsterer war zu meinem Erstaunen noch ein Briefträger mit von der Partie. Es sollte sich herausstellen, dass gerade der Briefträger mit seiner langjährigen Erfahrung der wohl wichtigste Berichterstatter sein sollte, immer wieder ergänzte er die Ausführungen besonders des Hundetrainers.

Doch erst einmal wurden an Hand von Schautafeln alle Hundetypen und Rassen vorgestellt, dazu das jeweilige Bellen akustisch eingespielt, sowie Filmszenen von Hunden und Besitzern gezeigt, die am Grunewaldsee gedreht wurden. Die Tierärztin wies auf die unterschiedlichen Eigenarten einer jeden Hunderasse hin. Es wurde dann trainiert, welches Bellen welchem Hund zuzuordnen sei. Immer wieder hat der Briefträger mal lustige, mal schmerzliche Erlebnisse beisteuern können.
Nach der theoretischen Unterweisung gab es einen Praxistag im Volkspark. Der Kurs begann am frühen Morgen, sind doch gerade dann viele Hunde mit den Besitzern unterwegs. Ich kam mit dem Rad etwas früher, wunderte mich, immer wieder Bellen zu hören, obwohl ich doch keine Hunde sah. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes machten sich den Spaß und bellten sich gegenseitig fröhlich an. Der Praxistest begann. Mit verbundenen Augen musste erkannt werden, zu welchem Hund welches Bellen gehört, um dann entsprechend reagieren zu können, das Bellen einem Hund und dem Hund einen Besitzer zuzuordnen, um mit diesem bei Fehlverhalten den sogenannten "Bello-Dialog“ führen zu können. An diesem Tag war es sehr heiß, es kamen nicht wie gewohnt allzu viele Hunde in den Park, daher wurde noch ein Abendtermin zur Schulung eingelegt. Hier kam es tätsächlich zu hitzigen "Dialogen". Trotzdem hatten alle Kursteilnehmer viel Spaß an dem Praxistesttag. Die Schulung wird übrigens immer wieder einmal wiederholt, denn es zeigen sich schon die ersten Erfolge im Stadtbild, wenn man nach dem ersten Erfahrungsbericht geht, der stolz vom zuständigen Senatorenbüro an die Presse gemailt wurde. Sollten sie bei ihrem nächsten Spaziergang im Park einmal MitarbeiterInnen des Ordnungsamtes "bellen" hören, dann ist es keine Loriotsche Posse, sonder ein ernstzunehmendes Dienstgespräch.

Alle TeilnehmerInnen der Unterweisung erhielten einen "Anstecker"und eine Urkunde.

Ernst Karbe / Bilderbär

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