Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

30.04.2020

David gegen Goliath

Von Elfie Hartmann   Als Lebensmittelladen und Miniaturkaufhaus könnte man ihn deklarieren, den kleinen Eckladen in der Innsbrucker Straße in Schöneberg. Zwischen zwei großen Supermarktketten gelegen, muss er sich unentwegt behaupten:

Frau Nguyen an der Kasse. Foto: Elfie Hartmann

Frisches Obst und Gemüse? Bitte-schön. Bio-Ware, frische Milchprodukte? Selbstverständlich und auch gut sortiert bitte sehr. Brot? Na klar. Aber Kosmetika, Pflegeprodukte, Hygieneartikel? Aber ja doch. Auch Tiefgefrierware? Auch das. Mehrere Gefriertruhen bieten querbeet alles mögliche, von Spinat, Buttergemüse, Fischfilet bis hin zu verschiedenen Eissorten. Diät/Getränke? Teesorten, Knabbereien, Bier? Genau, auch diese Regale werden hier immer gut aufgefüllt. Aber: Haushaltsgummis zum Beispiel oder etwa noch kleine Haushaltswaren, die gibt es sicher nicht. Doch, auch die gibt’s hier. Aber dann, hm, zum Beispiel, na sagen wir mal einfach Hausschuhe. Nein, die findet man doch nun mit Sicherheit nicht? Doch, sogar Schlappen aus grauem Filz. Und - pst pst - etwa auch mal Unterwäschesortimente? Umgangssprachlich genannt Schlüppa? Ja gibts, oft sogar in mehreren Größen . Und Socken, auch in unterschiedlichen Größen. Ein Badeschwamm, Waschlappen, Fliegenklatschen, Batterien, Büromaterial, Kinderspielzeug, Süßigkeiten? Frische Blumen? Nein.
Eben doch. Auch das gibt es alles. Har har, aber dann Nahrungsergänzungsmittel nun ganz bestimmt nicht. Doch, auch die gibts, nämlich ist damit gleich ein ganzer Ständer voll vorhanden. Genauso wie Tageszeitungen, Zigaretten, frische Brötchen und und und ... ahaaa:
Das Ganze ist ein verspäteter Aprilscherz!  Ein Laden dieser Art und das auch noch mitten in Schöneberg. Ja, stimmt das denn wirklich?
Ja, dem ist so, das stimmt wirklich. Und genau diesen Laden, der in der heutigen Zeit ja beinahe „einer Wundertüte“ gleichkommt, den gibt es genau hier ... jedenfalls noch!
Ein Highlight, um das sich viele Kunden im Umkreis immer wieder ganz besonders freuen:
Abgelaufene Lebensmittel werden regelmäßig aussortiert und innerhalb des Ladens an unterschiedlichen Ecken zum halben Preis angeboten. Beispielhaft einfach.

Die Inhaber des kleinen Geschäftes, Familie Nguyen, kämpfen trotzdem um ihre Existenz. Seit der Eröffnung im Jahre 2002 wurde die Miete der ca. 250 qm Ladenfläche natürlich öfter erhöht. Wenn dann immer mal wieder von eventueller Aufgabe die Rede war, haben Kunden manchmal geweint.

Unermüdlich jedoch arbeiten die allseits beliebten Inhaber inzwischen weiterhin, um für ihre überwiegend aus Stammkunden bestehende Kundschaft weiter da sein zu können. Sehr viele ältere Leute aus der Umgebung sind dafür dankbar und kommen gerne seit Jahren in diesen kleinen Laden, um dort unkompliziert einkaufen zu können, ohne weite Wege gehen zu müssen.

In dieser, momentan extrem, schweren Zeit der Corona-Pandemie bleibt die gesamte kleine Inhaber-Familie bienenfleißig und ist tapfer bemüht, den Erhalt ihrer Lebensgrundlage zu sichern.
 
Unter ihrer Maske hinter der Plexiglasscheibe geschützt an der Kasse sitzend, sind ihre bekümmerten Gesichter allerdings jetzt weniger erkennbar. Dahinter lässt sich jedoch das liebevolle, dieses so gleichbleibend freundliche Lächeln erahnen.

REWE Markt
Inhaber: Nguyen
Innsbrucker Straße/
Ecke Heylstraße
10825 Berlin

U-Bahn Linie 4 / Stat. Innsbrucker Platz (3 Fußminuten Rtg. Rathaus Schöneberg)

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