Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

31.10.2012 / Projekte und Initiativen

Das Zentrum für Familienplanung im Südwesten hat einen neuen Standort

Mehr als zwei Jahrzehnte hatte das Zentrum für Familienplanung, dessen Träger das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf ist, seine Heimat auf dem Gelände des Universitätsklinikums Benjamin Franklin.
v.l.n.r. Bezirksstadträtin aus Tempelhof-Schöneberg, Dr. Sibyll Klotz, Leiter des Zentrums für Familienplanung, Dr. Huber, Bezirksstadträtin aus Steglitz-Zehlendorf, Christa Markl-Vieto

Der Umzug in diesem Sommer wurde erforderlich, weil durch eine Umstrukturierung der medizinischen Fachgebiete im UKBF die direkte Anbindung der Beratungsstelle an eine gynäkologisch-geburtshilfliche  Klinik nicht mehr gegeben ist. Das tragende Konzept der kurzen Wege, der unmittelbaren Verzahnung von Diagnosestellung und, im Notfall, sofortiger medizinischer Behandlungsmöglichkeit vor Ort, ist jedoch ein Alleinstellungsmerkmal des Zentrums für den Berliner  Südwesten. Das engagierte, multiprofessionelle Team, bestehend aus FachärztInnen für Frauenheilkunde, Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Arzthelferinnen und Verwaltungsangestellten zeigte sich daher froh über die Möglichkeit, im Haus 30 des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikums in der 4. Etage der Hartmut-Spittler-Fachklinik, ihre Arbeit  zwar in einem neuen Rahmen, aber in bewährter Weise fortsetzen zu können.

Das vielfältige Angebot an Beratung und konkreter Hilfeleistung umfasst die Schwerpunkte Familienplanung, Schwangerschaft und Schwangerschaftskonflikt, psychologische Beratung für Einzelne und Paare und  Sexualpädagogik, die auch Besuche in Schulklassen und Multiplikatorenschulungen beinhaltet. Ratsuchende erfahren im Zentrum eine ganzheitliche Unterstützung, werden in schwierigen Lebenslagen auch längerfristig begleitet und können durch die enge Vernetzung mit anderen  Trägern beim Weg durch die soziale Hilfelandschaft  direkt an die Hand genommen werden. „Wir wollen niemanden durch das soziale Netz fallen lassen und legen besonders großen Wert auf die frühen Hilfen“, so berichtet eine erfahrene Sozialarbeiterin. „Prävention beginnt mit Fragen der Verhütung  und endet  vielleicht bei der Begleitung des Neugeborenen und seiner Familie durch das erste Lebensjahr. Dazu nehmen wir z. Bsp. >navitas<, einen kulturübergreifenden Sozialträger, mit ins Boot.“ Die Menschen werden dort abgeholt, wo sie stehen.

Das Team arbeitet niedrigschwellig mit offenen Sprechstunden ohne Voranmeldung, mit kostenloser Behandlung ohne Chipkarte und ohne Krankenschein. Es  will für alle Betroffenen da sein. Die Auszubildende, die Studentin oder  die alleinerziehende Mutter mit geringem Einkommen, sie alle haben z. Bsp. einen Anspruch auf kostenlose Verhütungsmittel! Die Frauenärztin ist in pränataler Diagnostik bestens ausgebildet und hoch erfahren und arbeitet  mit einem äußerst leistungsfähigen Ultraschallgerät. Patientinnen können  in der ärztlichen Sprechstunde  auch eine zweite Meinung  einholen, um für ihre persönliche Entscheidung  Sicherheit zu gewinnen.

„Wir behandeln hier viele Menschen aus der sog. Grauzone“, erfahre ich. „ Sie kommen im Sozialgesetzbuch überhaupt nicht vor, haben einen ungeklärten Status oder sind Gäste ohne alle Rechte. Sie werden krank oder schwanger wie alle anderen auch und erhalten die gleiche medizinische Versorgung, wie sie jedem deutschen Kassenpatient zustünde.“ Die Behandlung stößt dort an ihre Grenzen, wo sie auf Verständigungsschwierigkeiten wegen mangelnder Deutschkenntnisse trifft. Wenn  Sprachmittler fehlen, werden Gemeindedolmetscher gebucht. Mitunter kann ein Familienmitglied beim Übersetzen helfen. Kinder sollten diese Aufgabe auf keinen Fall wahrnehmen, denn die oftmals problematischen Inhalte der Beratungsgespräche würden sie zusätzlich belasten und sie in ihrer intergenerativen Rollenidentität  verunsichern.

Ein neues EU- Projekt hält Fördermittel für Sinti und Roma bereit.  Ratsuchenden aus Bulgarien und Rumänien können daher zukünftig eigene Dolmetscher an die Seite gestellt werden. „Das wird unsere Arbeit leichter machen“, betont die Sozialarbeiterin, „Wir wollen allen unseren Besuchern auf Augenhöhe begegnen, wertschätzend und ohne Vorurteile. Nur so können wir das notwendige Vertrauensverhältnis aufbauen.“  Mit diesen Worten werde ich nach einem Rundgang durch die hellen Räume des Zentrums für Familienplanung verabschiedet und denke:  Wie gut, dass eine Einrichtung mit dieser  gebündelten Fachkompetenz im Berliner Südwesten einen passenden Standort gefunden hat.

Sibylle Schuchardt

 

Zentrum für Familienplanung
auf dem Gelände des Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikums
Hartmut-Spittler-Fachklinik
Haus 30, 4. Etage
Rubensstr. 125
12157 Berlin

Sprechstunden (ohne Terminvereinbarung):
Montag: 9.00 - 12.00 Uhr
Mittwoch: 14.30 - 18.00 Uhr
Donnerstag: 9.00 - 12.00 Uhr
(Stand: 1.11.2012)

Tel.: (030) 90299-1701
Fax: (030) 90299-1715
E-Mail: zentrum-familienplanung@ba-sz.berlin.de

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