Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

16.09.2013

Das neue Interesse am Buch

Die Zeiten, als Lesen zur Bildung beitrug, Kindern vorgelesen wurde bis sie selber lesen konnten, Fachliteratur studiert wurde, Romane geschmökert wurden ... , diese Zeiten sind noch nicht ganz vorbei.

Thomas-Dehler-Bibliothek. Foto: Thomas Protz

Aber das Lesen hat durch die neuen Medien eine starke Konkurrenz bekommen. Neben Fernsehen und Computer gibt es Hörbücher auf CDs und Filme auf DVDs und jede Art von Informationen im Internet. In der Hektik der heutigen Zeit werden diese Angebote gerne angenommen. Warum nicht beim Bügeln ein Hörbuch anhören, warum nicht einen 500-Seiten Roman schnell als Film ansehen? Und auch die Computerspiele sind starke Gegenspieler. Warum ein Buch über einen Romanhelden lesen, wenn man in einem Action-Spiel selbst der Held sein kann? So wird das Lesen im täglichen Leben zunehmend vernachlässigt.
Wenn jedoch die Schulen schon feststellen, dass das Lesenlernen zu kurz kommt, weil die Rahmenpläne der Grundschulen inzwischen so sehr erweitert wurden, dass kaum noch Zeit zum Lesen-üben bleibt, dann ist das ein alarmierendes Zeichen.

Und jetzt kommt der Ruf nach Hilfe. Lesen soll wieder Spaß machen, der Griff zum Buch sollte wieder ein Hobby werden. Aber wie kommt man dahin, wenn es überall an Zeit und Geld für die Förderung fehlt. Wer übernimmt unentgeltlich die Aufgabe, das Lesen wieder für alle Leute attraktiv zu machen? Jawoll, die Ehrenamtlichen!

In der Schule sind es die Lesepaten, die mit den Kleinen lesen üben, und im täglichen Leben sind es die Helfer in den Bibliotheken, die versuchen, die Leute für Bücher zu interessieren. Leider werden immer mehr Bibliotheken geschlossen. Obwohl die Bezirksämter die Notwendigkeit von Bildung und Kultur kennen, muss überall gespart werden. Und eine große zentrale Bücherei ist eben nicht so teuer wie viele kleine Standorte. Nur, dass sie eben nicht mehr für jeden schnell erreichbar ist.

Wie schön, dass es in Schöneberg noch die Thomas-Dehler-Bibliothek in der Martin-Luther-Straße gibt. Eine kleine Stadtbücherei, die seit 11 Jahren nur von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut wird. Eine Ersparnis für den Bezirk, ein Gewinn für den Kiez. In der Thomas-Dehler-Bibliothek stehen fast 18.000 Medien zur Verfügung. Neben den herkömmlichen Büchern, es werden sogar die aktuellen Bestseller angeboten, gibt es natürlich ebenso die anderen Medien wie  z.B. Hörbücher, Videos, DVDs. Der Bezirk stellt jährlich 5.000 Euro für Neuanschaffungen zur Verfügung. Und wenn es mal etwas Spezielles sein soll, wird es schnell über den Verbund mit den großen Büchereien bestellt.

24 freiwillige Helfer sorgen dafür, dass hier dienstags bis freitags von 15.00 bis 19.00 Uhr geöffnet ist, sogar sonnabends von 12.00 bis 14.00 Uhr steht die Tür offen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter übernehmen alle Aufgaben, die in einer Bibliothek anfallen: Sie beraten die Kunden, wenn sie besondere Wünsche haben, sie helfen bei der Bedienung der Ausleihe am Automaten, sie sortieren die zurückgebrachten Bücher wieder an die richtigen Stellen in den Regalen und sie organisieren regelmäßig kleine kulturelle Events. So gibt es immer wieder Lesungen, die nächste findet am 23. September statt unter dem Titel „Die Mörderbande“, und auch Ausstellungen von Bildern und Kunstwerken, die nächste Vernissage ist am 24.9. Der Eintritt zu diesen Kultur-Veranstaltungen ist grundsätzlich kostenlos.

Daneben bemüht man sich sehr darum, auch Kinder schon frühzeitig an Bücher heranzuführen. So kommen jeden Monat die Klassen der nahegelegenen Grundschulen, um sich mit dem Angebot vertraut zu machen. Und jetzt, ab September, wird jeden Freitagnachmittag ein Daumenkino gezeigt für Kinder ab 4 Jahren. Wobei erfahrungsgemäß auch die Erwachsenen Spaß haben.

In Zukunft soll noch ein weiteres Projekt ins Leben gerufen werden. Geplant ist ein Senioren-Angebot. Es wird noch in diesem Jahr eine bestimmte Zeit eingeführt, die ausschließlich den älteren Lesern zur Verfügung steht. Sie können dann auch mal mit dem Rollator zwischen den Gängen stehen bleiben, ohne anderen Besuchern den Platz weg zu nehmen, oder in Ruhe das eine oder andere Buch anlesen, bevor sie es ausleihen.

Damit besteht dann in der Thomas-Dehler-Bibliothek ein individuelles Angebot, dass sich an alle Generationen richtet. Und jeder, der erst einmal in den Räumen der Bücherei ist, findet bestimmt auch ein Buch, das er gerne lesen möchte.

Christine Bitterwolf

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