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29.04.2014

Das Gutshaus Steglitz

Zwischen Schlossparktheater und dem Kino Adria steht dieses schmucke Gebäude, umrahmt von einem Garten, das von 1800 bis 1804 als Herrenhaus des Gutes Steglitz erbaut wurde.

Fotomontage: Thomas Protz

Bauherr war damals Carl-Friedrich von Beyme, späterer Großkanzler und preußischer Justizminister. Nach seinem Tod verwahrloste das Haus immer mehr und wurde schließlich von seiner Tochter verkauft. Von 1853 bis 1877 wurde das Gutshaus dann dem Feldmarschall von Wrangel als Sommersitz überlassen. Aus diesem Grund ist das Herrenhaus auch unter dem Namen "Wrangelschlößchen" bekannt, ab und zu spricht man auch vom "Beymeschlößchen". Dass es im Volksmund "Schlößchen" genannt wird, liegt an seiner repräsentativen Bauweise. Selbst die Schloßstraße, die an diesem Ort beginnt, führt ihren Namen auf das hochherrschaftliche Haus zurück.

Ab 1880 kam das Gutshaus in Privatbesitz. Dadurch gab es im Lauf der Jahre wechselnde Pächter, die das Gebäude teilweise auch gastronomisch nutzten. So diente das Gutshaus als Sitz für eine Loge (1888), später dann als Offiziers- und Sergeantenclub der USA Militärregierung (1945-48), um nur einige Beispiele zu nennen. Diese unterschiedliche Nutzung hat im Gebäude ihre Spuren hinterlassen, so führte sie  zum Anbau von zwei Veranden (1884) oder im Erdgeschoss zur Zusammenlegung von mehreren Räumen zu einem Tanzsaal (1932). Seit 1958 ist das Gutshaus im Besitz des Landes Berlin. Da es baugeschichtlich eines der wenigen Zeugnisse des preußischen Frühklassizismus ist, wurde es bereits 1932 zum geschützten Bauwerk erklärt. Doch eine Restaurierung braucht ihre Zeit. Erst im Rahmen der 750-Jahrfeier Berlins 1987 wurde die denkmalgerechte Wiederherstellung beschlossen und schließlich von 1992 bis 1995 umgesetzt. Die Kosten der Restaurierung betrugen rund 8 Millionen Euro. Ein Teil wurde mithilfe eines Übereinkommens zwischen einer Bank und dem Land Berlin durch eine Spende in Höhe von 3 Millionen Euro finanziert.

Die Baumaßnahme ist gelungen, denn das "Wrangelschlößchen" wurde innen und außen sehr geschmackvoll restauriert. Heute wird das Gutshaus sehr vielfältig genutzt. Die zwölf Räume im Obergeschoss hat das Bezirksamt als Büro an drei kulturelle Organisationen vermietet. Die Räume im Erdgeschoss, die insgesamt 340m2 umfassen, können zum Teil privat für Veranstaltungen angemietet werden. Da sie - wie schon erwähnt - sehr ansprechend gestaltet sind, finden dort Vorträge, Empfänge oder Konferenzen statt, teils privat, teils vom Protokoll des Landes Berlin oder anderen Institutionen organisiert. Aber auch Feste wie Geburtstage oder Trauungen können in diesem ehemaligen Wohnhaus gefeiert werden. Das Standesamt unterhält hier eine Art Außenstelle, sodass direkt vor Ort geheiratet werden kann. Die Veranstaltungen finden meist im Rokokosaal, dem größten Raum des EG statt, oder im etwas kleineren Kuppelsaal. Außerdem gibt es auf der Etage noch drei Ausstellungsräume, sowie ein Entrée und Nebenräume. Mehrmals im Jahr gibt es Ausstellungen und diese machen es der Öffentlichkeit möglich, das Gutshaus zu besuchen.

Bis zum 11.05.2014 gibt es noch eine solche Gelegenheit, denn es ist eine sehr empfehlenswerte Ausstellung zu sehen. Sie trägt den Titel: Skripturale - von Hieroglyphen bis zum Internet. 16 Künstlerinnen aus Bonn beschäftigen sich mit dem Thema, inwieweit Buch und Schrift in unserer Gesellschaft und Geschichte einen Platz hatten und in Zukunft im Zeitalter des Internets noch ihren Platz finden werden. Mittels unterschiedlicher Techniken wie Fotografie, Keramik, Malerei und textiler Kunst gehen die Künstlerinnen dieser Frage nach. Besucht man die Ausstellung, so überrascht die Vielseitigkeit der Kunstwerke. Vom Wandteppich über einen mit Schriftzeichen bestickten weißen Kimono bis zu Keramik in Form von Stecken oder Stützen wird das Thema interpretiert. Die Ausstellung wurde bereits in mehreren europäischen Städten gezeigt, das Gutshaus ist nun die letzte Station.

Die Ausstellung ist jeweils Di bis So von 14 bis 19 Uhr zu besichtigen.
Gutshaus Steglitz, Schloßstr. 48,  12165 Berlin

Christine Sugg

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