Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

16.12.2022 / Gewerbe im Kiez

Das Abschiedsdinner

Von Christine Bitterwolf. Abschiedsdinner? Nein, das ist nicht das gesellige Beisammensein nach einer Beerdigung. Angeblich ist es zur Zeit in Mode, sich von Freunden, mit denen einen nichts mehr verbindet als nur ein gelegentliches pflichtgemäßes Treffen, zu trennen. Dies ist auch das Thema eines Theaterstücks, das seit Mitte November am Schlosspark Theater läuft.
Foto: Horwitz, Birkner, Kramer. Foto: derdehmel/Urbschat

Clotide (Krista Birkner) und ihr Ehemann Pierre (Karsten Kramer) wollen sich von seinem langjährigem Freund Antoine (Dominique Horwitz) trennen. Ein 3-Personen-Stück, in dem alle drei Figuren gleichberechtigt nebeneinander auf der Bühne stehen und es keine Haupt- und Nebenrollen gibt. So hat jeder sein eigenes großes Solo: Clotide als sie ihrem Mann den Blödsinn aus dem Buch vorliest, dass er seinem Sohn empfehlen will; Pierre als er versucht seinem Freund die Gründe für die Trennung zu erläutern, erst verzweifelt suchend und dann sich immer mehr steigernd, mimisch  und gestisch bis zur Übertreibung; Antoine als er sich in seinem Kampf um die Freundschaft steigert bis er zusammenbricht.

Witzig sind auch die Szenen, in der die recht große Clotide mit 8cm-Absätzen neben dem recht kleinen Pierre steht und in der Pierre und Antoine ein albernes Freundschaftsritual mit Händeklatschen, Nasereiben und gemeinsamen Versen vorführen, wie man es sonst nur aus Jungmädchenfilmen kennt. Die Lacher aus dem Publikum sind an diesen Stellen vorprogrammiert.

Es ist ein Stück, in dem die Handlung immer wieder neue Wendungen nimmt. Die Figuren scheinen am Anfang auf ihre Äußerlichkeiten festgelegt zu sein. Der kleine Pierre mit dem zum großen Palmen-T-Shirt und später mit den viel zu langen Hosen ist die komische Nummer, die große Clotide mit ihrer langen schlanken Figur in den weich fließenden Kleidern ist die schöne Frau  und Antoine mit dem stinkenden Mantel ist der ewig Hilfesuchende, der mit seiner Mimik sein Gesicht bis zur Hässlichkeit entstellt. Oder ist Pierre derjenige, der eigentlich unsicher ist, der es immer jedem recht machen will und der sich leider nicht durchsetzen kann? Und Clotide ist vielleicht doch eine sehr zielbewusste Frau, die genau weiß, wie sie die Männer lenken kann, damit sie ihrem Willen folgen. Während Antoine es schafft, mit psychologischen Tricks seine Freunde genau so zu steuern, dass sie ihm zustimmen.

Nach dem 1. Akt ist die Sachlage auf der Bühne klar, Pierre und Clotide trennen sich von Antoine, und der Zuschauer könnte meinen, das Stück sei zu Ende. Aber im 2. Akt ändert sich alles. Antoine entschließt sich um seinen Freund zu kämpfen und dreht die Situation um. Die beiden Männer erinnern sich gemeinsam an die Anfänge ihrer Freundschaft. Im Rahmen einer gespielten Psychotherapie-Sitzung tauschen sie die Rollen und auch die Kleider, zum Gaudi des Publikums. Hier wird in einer humorvollen Parodie so etwas wie eine Paartherapie vorgeführt. Und wie immer, wenn jeder dem anderen offen die Wahrheit sagt, gibt es eine Menge Ärger und Enttäuschungen und alles geht in die Brüche.

Hält eine echte langjährige Freundschaft so etwas aus? Oder ist für Pierre am Ende die Anerkennung der Ehefrau und die Liebe zu ihr doch wichtiger? Muss man denn immer die Wahrheit sagen, wenn das Leben mit einer ungeklärten Realität viel schöner sein kann?

Abschiedsdinner ist ein Theaterstück mit viel Witz und Charme, das der Theaterbesucher einfach nur heiter und leicht genießen kann, das aber auch tiefergehende Gedanken zulässt.

Das Stück ist im Schlosspark Theater noch bis zum 21. Dezember zu sehen.
Eintritt: 19 bis 36,50 Euro

Schloßpark Theater
Schloßstraße 48, 12165 Berlin
www.schlossparktheater.de
Kasse: 030 - 789 56 67 - 100

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