Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

30.04.2020

Corona Spots

Von Christine Bitterwolf   +++ In einem Supermarkt zwischen den Regalen läuft suchend ein Mann, der sich mit Sicherheitsnadeln einen Zettel auf den Rücken seiner Jacke geheftet hat „Bitte 2 Meter Abstand halten.“ +++ ....

Leergefegte City. Foto: Elfie Hartmann

Aushang im Schaufenster eines Buchladens. Foto: Elfie Hartmann

+++ In einem Berliner Altbau ohne Fahrstuhl soll ein Päckchen geliefert werden. Der Postbote klingelt. Der Mieter öffnet per Knopfdruck aus der Wohnung die Haustür. Der Postbote wirft nur eine Benachrichtigung in den Briefkasten. Der Mieter muss am nächsten Tag zur Post gehen und sich in der Warteschlange anstellen, um sein Päckchen zu holen.
Der Postbote ist frei von Corona-Viren. Der Adressat muss sich zusätzlichen Risiken aussetzen. +++

+++ In einem Berliner Altbau mit Fahrstuhl klingelt der Postbote und fragt über die Gegensprechanlage, ob der Mieter einverstanden ist, wenn er 2 Päckchen in den Fahrstuhl legt. Ja. Als der Fahrstuhl kommt, liegen 4 Päckchen auf dem Boden. Nanu?  Ein Blick auf die Anzeigetafel löst die Frage, es ist auch ein Halt im 3. und 4. Stock geplant.
Genial, Coronafrei für alle. +++

+++ Vor dem Postamt steht eine lange Schlange Wartender, vorschriftsmäßig mit jeweils 2 Meter Abstand. Eine junge Frau stürmt vorbei, zeigt dem ersten in der Schlange zwei Überweisungsträger: „Ich will nur die 2 Zettel abgeben“ und öffnet die Tür. Hinter ihr murren einige Leute.
Kurz darauf kommt sie wieder raus, ohne die Überweisungen. Ein älterer Herr fragt sie erstaunt: „Geht das so einfach?“ „Ja, vorne rechts steht eine Box, da kann man die Überweisungen reinschmeißen.“ Sie eilt davon. Der ältere Herr geht ebenfalls ins Postamt und zwei weitere Wartende folgen ihm. Die anderen Leute murren nicht, denn plötzlich ist die Warteschlange wesentlich kürzer. +++

+++ Langeweile? Zeit für die Steuererklärung. Nicht jeder arbeitet mit Elster und gibt seine Daten im Internet preis. Aber woher die Vordrucke nehmen? Die Finanzämter sind wegen Corona geschlossen.
Ein vorsichtiger Versuch am Finanzamt Schöneberg. Am Haupteingang in der Potsdamer Straße hängt ein Zettel: Tür defekt, bitte anderen Eingang benutzen. Am Eingang in der Bülowstraße hängt ein Zettel: Wegen Kontaktsperre zur Zeit kein Publikumsverkehr. Mutig drückt der Steuerzahler dennoch gegen die Tür. Sie öffnet sich. Der Pförtner guckt mürrisch hoch. Offenbar wurde er gerade bei einem Videospiel gestört. Der Steuerzahler hebt sicherheitshalber die Hände. „Ich will keinen Kontakt, nur ein paar Vordrucke.“ Der Pförtner zeigt müde mit dem Finger auf die Wand gegenüber. „Da.“ Ein ganzes Regal mit Vordrucken für die Steuererklärung zur freien Auswahl.
Der nächste Steuerzahler wartet schon in vorschriftsmäßigem Abstand vor der Pförtnerloge. +++

+++ Kinder, die ihre Zeit nicht in der Schule oder Kita verbringen, dürfen jetzt zu Hause länger vor dem Computer sitzen. Obwohl viele Eltern weiterhin darauf achten, dass diese Zeit sinnvoll genutzt wird, macht es den Kindern Spaß. Hausaufgaben werden im PC erledigt und gleich an die Lehrerin weitergeleitet. Zusätzlich gelesene Bücher können sofort im Antolin-Programm bearbeitet werden. Und Kita-Kinder treffen sich per Skype mit den kleinen Freunden und spielen sogar Verstecken, dabei erhalten sie allerdings Unterstützung von den Eltern, die die Kamera suchend durchs Kinderzimmer schwenken. +++

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden