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29.01.2021

Corona PCR-Test aus Schöneberg

Von Christine Bitterwolf. Es ist eine kleine Firma in Schöneberg, die im Januar 2020 den ersten PCR-Test zur Feststellung der Corona-Erkrankung entwickelt hat.

Foto: Elfie Hartmann

Olfert Landt betreibt in seiner Firma TIB Molbiol ein Syntheselabor, mit dem er Tests für viele Viren herstellen kann. Mit seinen Testkits kann man beispielsweise Vogelgrippe, Schweinepest, Noroviren oder auch Grippe nachweisen. Im Augenblick kann er etwa 200 verschiedene Tests anbieten.
Als bekannt wurde, dass in China ein neuartiges Virus aufgetaucht war und Herr Drosten an der Charité daran forschte, stieg Herr Landt sofort ein und entwickelte auf Grund der ersten Sequenz einen Test für dieses Virus. Seit 10. Januar 2020  gibt es einen PCR-Test zum Erkennen des Corona-Virus. Er schickte die ersten Testkits nach Hongkong, wo sie sofort eingesetzt wurden. Damals glaubte kaum jemand daran, dass sich das Virus weltweit ausbreiten würde.
Inzwischen bieten andere Firmen ebenfalls Corona-PCR-Tests an, aber auch bei der Firma TIB Molbiol gehen laufend weiter Aufträge für Corona-Testkits ein.

Im Gegensatz zu den Schnelltests weist ein PCR-Test das Erbgut des Virus nach und ist damit das sicherere Verfahren, eine Infektion festzustellen. Das kleine Unternehmen arbeitet auf Hochtouren, die Maschinen und Geräte laufen oft bis Mitternacht. Es werden mehr als eine Million Tests in der Woche produziert. Das Maximum waren vor einiger Zeit vier Mio. Tests wöchentlich. Herr Landt rechnet lachend vor, mit dem, was er inzwischen an Tests hergestellt hat, hätte man fast ganz Deutschland durchtesten können.

Der Betrieb, der früher rund 35 Mitarbeiter hatte, hat inzwischen noch ein paar Stundenten mit Teilzeitverträgen eingestellt und auch 10 Mitarbeiter von der New Wave Kreativmanufaktur auf der anderen Straßenseite. Da es zur Zeit keine Events und kaum Filmproduktionen gibt, für die diese Agentur Kulissen oder Requisiten bauen könnte, hat sie ihre Arbeitskraft spontan dem Biotech-Unternehmen gegenüber angeboten. TIB Molbiol hat das Hilfsangebot gerne angenommen. Auch wenn dieses Team aus einem ganz anderen Berufsbereich kommt, so kann es sich hier doch an verschiedenen Stellen einbringen. Diese benachbarten Kollegen bringen beispielsweise technische Qualifikationen mit, die dem Maschinenpark von TIB Molbiol von großem Nutzen sind. Hier gibt es das klassische Beispiel einer Win-Win-Situation für beide Unter-nehmen. Herr Landt hat die neuen Mitarbeiter gleich für ein Jahr eingestellt.

Ein Testkit beinhaltet das Zubehör für 100 Tests.

Ein Test kostet in der Herstellung 2,- Euro. In den Apotheken wird er für etwa 30,- bis 40,- Euro verkauft. Anders als die Schnelltests wird ein PCR-Test nicht an einzelne Kunden verkauft, sondern nur an Krankenhäuser und Ärzte ausgegeben. Wer so einen Test aus privaten Gründen machen lassen möchte, z.B. um die Quarantänezeit nach der Ein-reise aus einem Risikogebiet zu verkürzen, wird schnell mal mit 100,-Euro zur Kasse gebeten. Die Gewinnspanne ist dabei offenbar für alle Beteiligten recht groß.
Herr Landt gibt seine Tests jedoch an Organisationen wie WHO oder Ärzte ohne Grenzen, die zum Teil kostenlos testen, gerne für 1,- Euro zum halben Preis ab.

Olfert Landt, der Biochemie studiert hat, gründete seine Firma zusammen mit einem Kommilitonen, während er seine Doktorarbeit vorbereitete, schon 1990. Damals forschte er an PCR-Reaktionen und traf damit in eine Marktlücke. Das Unternehmen lief von Anfang an erfolgreich. Der Partner stieg bald aus, dafür arbeitet Herr Landt seit fast zwanzig Jahren mit seiner Frau zusammen. Während er in der Firma für Forschung und Produktion zuständig ist, kümmert sich seine Frau, Dr. Constanze Landt, die früher Biologie studiert hatte, heute um alles, was mit Organisation und Verwaltung zu tun hat.
Seit 2003 hat das Unternehmen seinen Sitz in der Eresburgstraße 21-23 in Schöneberg. In dem Haus stehen 4000 m2  Fläche für die Labore zur Verfügung. Außerdem gibt es noch Zweigniederlassungen in USA, Italien, Spanien und Polen, damit auch von dort weltweit schnell Tests für wichtige Diagnosen geliefert werden können.

Der Name hat sich recht unspektakulär entwickelt. TIB stand für „talk in Berlin“, eine Zeitung, die Herr Landt als Student herausgegeben hatte, um die neuesten Informationen aus der Wissenschaft zusammenzustellen. Er hat das TIB übernommen und einfach um die Anfangssilben der Molekular-Biologie erweitert.

Die Firma TIB Molbiol macht keinerlei Werbung für sich und ihre Arbeit. In Fachkreisen, bei Wissenschaftlern und medizinischen Laboren ist das kleine Unternehmen als zuverlässig und leistungsstark bekannt. Auch heute sind neben den Corona-Tests weiter die Tests für alle anderen Krankheiten vorrätig, wenn sie auch im Moment nicht so stark nachgefragt werden.

Als bekannt wurde, dass es in Großbritannien ein mutiertes Virus gibt, hat Herr Landt sofort auch dafür einen Erkennungstest entwickelt. Der erste Patient, der in Berlin an dieser Corona-Mutation erkrankt war, ermöglichte die Identifizierung des Virus mit einem Test aus der Schöneberger Firma TIB Molbiol.

An diesem Test ist in den medizinischen und politischen Kreisen jedoch zurzeit noch kein großes Interesse.

(Stand Redaktionsschluss)

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