Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10.03.2018

Coffee to go und Müll to stay?

Kaffee im Pappbecher gilt vielen Menschen als Zeichen von Urbanität.

Foto: P. Storz, pixelio.de

Großstädter sind schließlich immer in Eile, und vielleicht gibt ihnen der Latte Macchiato oder Cappuccino im Becher einen gewissen Halt. Der entstehende Müll wird von der Mehrheit der Einwegbecher-Nutzer in Kauf genommen.

Die Deutsche Umwelthilfe spricht von 3 Milliarden (!) Pappbechern in Deutschland, die pro Jahr verbraucht werden. Stündlich sind das unglaubliche 320.000 Becher. Dazu gehören dann noch die Deckel aus Plastik, die sich ebenfalls als Müll auftürmen. Der durchschnittliche Einsatz eines Pappbechers dauert 15 Minuten, danach wird er entsorgt. Die Einwegbecher bestehen auch nicht nur aus Pappe, sie sind beschichtet und gehören deshalb als Verbundmaterial eigentlich in die Gelbe Tonne, die es aber in den BSR-Mülleimern der Stadt nicht gibt. Und dort, wo es Mülltrennung gibt, zum Beispiel auf S-Bahnhöfen, machen sich viele Kaffeetrinker nicht die Mühe, ihre Becher ordentlich zu entsorgen. Oft landen Kaffeebecher auch gar nicht im Mülleimer, sondern vermüllen die Stadt.

Initiativen zur Müllvermeidung gab es in den letzten Jahren einige. Das Studierendenwerk war eine der ersten Einrichtungen, die in seinen Cafeterien und Mensen Rabatt für diejenigen, die einen eigenen Becher nutzen, gewähren. Die Berliner S-Bahn und die BioCompany entwickelten einen Mehrwegbecher aus Bambus und boten für dessen Nutzung ebenfalls Rabatt an.

Denkbar wäre allerdings auch andersherum eine Abgabe bzw. Steuer auf Einwegbecher. Allerdings werden dagegen rechtliche Bedenken geäußert. Außerdem betrifft das „Coffee-to-go“-Phänomen auch den Tourismus, und hier will die Stadt Berlin niemanden verärgern.
Unklar ist bislang, ob „Belohnung“ durch Rabatt mehr Anreiz bietet als „Bestrafung“ durch Mehrkosten. Da Coffee-to-go mit der Haltung „Schnell mal einen Kaffee und bitte keinen Becher rumschleppen müssen“ einher geht, haben selbst mitzubringende Becher den Nachteil, dass sie erstens vergessen und zweitens nach Nutzung eben nicht einfach weggeworfen werden können.

Eine Lösung für dieses Dilemma könnte ein Pfandsystem sein. Das kennt man von Jahrmärkten und Festen. Man zahlt für den Becher ein Pfand und bekommt das Geld wieder, wenn man ihn wieder zurück bringt. Dieses System bietet zum Beispiel „Recup“ (https://recup.de) mit einem Pfandbecher, der 1 EUR Pfand kostet und bei allen teilnehmenden Läden zurückgegeben werden kann. Das kommt der Bequemlichkeit entgegen, hat aber den Haken, dass man – per Smartphone-App oder Website – gucken muss, wo ein „Recup“-Laden ist.

Seit Sommer letzten Jahres sind sich die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, die Berliner Stadtreinigung, die Industrie- und Handelskammer und die Deutsche Umwelthilfe jedenfalls einig darin, dass die „Coffee-to-Go“-Einwegbecher nicht gut für die Umwelt sind. Seither gibt es die von ihnen gestartete „Better World Cup“-Initiative. Coffee-to-go-Nutzer/innen sollen darin bestärkt werden, Mehrwegbecher zu nutzen. Rabatte bei Nutzung eines eigenen oder eines Pfandbechers sollen einen Anreiz schaffen. Tatsächlich ist das Netz teilnehmender Läden auf der Website www.betterworldcup.de inzwischen recht dicht.

Die Website bietet Informationen für Nutzerinnen, z.B. wo sich „Refill-Stationen befinden, und erklären, wie das Pfandsystem von „Recup“ funktioniert. So hat jede/r die Wahl, sich einen eigenen Becher zu beschaffen oder sich einen zu leihen. Läden erhalten die Möglichkeit, sich eintragen zu lassen und damit offizielle „Refill-Station“ zu werden. Darüber hinaus gibt es für sie z.B. auch Flyer zu hygienischen Regelungen. Bislang wurde dies nämlich oft als Argument genannt, wenn Kaffeeanbieter sich weigerten, mitgebrachte Becher zu füllen. Darauf kann sich keiner mehr herausreden.

Es ist ein erster, dringend notwendiger Schritt, denn Pappbecher sind nun wirklich leicht zu vermeiden. Es war beim Thema „Plastiktüte“ schon zu sehen. Seit diese nicht mehr umsonst sind, nehmen sich viele Menschen ihre eigenen Einkaufstüten mit. Vielleicht klappt dies auch bei den Kaffeebechern.

Im Zeitalter des Individualismus kann jeder eine individuelle Lösung für den eigenen Lifestyle in Sachen Kaffee suchen. Pfandbecher, Mehrwegbecher, das gute alte Schraubglas (z. B. ein Marmeladenglas), der Emaille-Becher vom letzten Campingurlaub. Nicht zu vergessen: der gute alte „Coffee to stay“, eben Kaffee, den man sich genussvoll zu Hause zubereitet. Oder Kaffee, den man in seinem Lieblingscafé genießt. Eines ist eben klar: Coffee to go in der Einwegvariante erzeugt Müll to stay. Und zwar jede Menge. Das muss doch nicht sein.

Isolde Peter

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