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25.01.2011 / Menschen in Schöneberg

Christa Wolf im Literaturhotel

Am 10.12. las Christa Wolf, die Grande Dame der deutsch-deutschen Literatur, vor geladenen Gästen im Literaturhotel Berlin in der Fregestraße aus ihrem Werk „Stadt der Engel – The overcoat of Dr. Freud“, in dem sie ihren Aufenthalt in Los Angeles schildert.
Christa Wolf 2007. Foto: SpreeTom

Zu jener Zeit wurden in ihrer Abwesenheit Akten entdeckt, die Wolfs Beziehungen zur Staatssicherheit in ein skandalöses Licht rückten. Die Erschütterung ging tief, und es brauchte Jahre, bis Christa Wolf sich literarisch mit den neuen Eindrücken in Amerika einerseits und den Enthüllungen andererseits befassen konnte. Das Ergebnis ist ein aufregendes, facettenreiches und unterhaltsames Buch. Nicht immer selbstverständlich bei anspruchsvoller Literatur: Christa Wolf führt vor, wie sich beides nicht ausschließt.

Ihr ungekünstelter Stil setzt sich in Christa Wolfs Erscheinung und ihrem ungezwungenen Umgang mit dem Publikum fort. Gelassen mit einem großen Jugendstilanhänger um den Hals sitzt sie im Biedermeiersalon von Christa Moog und plaudert mit dem Publikum. Ihr Mann – sie sind seit sechs Jahrzehnten ein Paar -  ist mit allen Sinnen wach und steuert fehlende Informationen und Details bei. Es gibt so viel, was Wolfs Text in der Zuhörerschaft auslöst; viele bekennen sich als langjährige Fans und halten dicke Bücherstapel auf dem Schoß. Da werden Lebenserfahrungen verglichen, Kindheitserinnerungen ausgetauscht – und was bringt die meisten Herzen zum Mitklingen? Eine mehrseitige Aufzählung von Liedern. Nicht zu glauben, wie eine überwältigende Auswahl von Liedtiteln so anrühren kann: In einer schlaflosen Nacht der Not, so schreibt es die Autorin, sang sie Stunde um Stunde. Kirchenlieder, Wanderlieder, Kinderlieder, Kunstlieder, Volkslieder, Schlager und Choräle – was immer Christa Wolf in den Sinn kam, wurde gesungen (und aufgeschrieben). Und jeder Titel beschwört Erinnerungen herauf oder löst Vorstellungen aus, selbst wenn man ihn noch nie gehört hat. Sie könne von hier bis zur Ostsee im Auto ununterbrochen singen, erzählt Christa Wolf. Sie scheint es zu bedauern, als die Gastgeberin zur Signierstunde überleitet.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis diese Lesung zustande kam, und es sollte keine „Massenveranstaltung“ sein, hatte sich Frau Wolf ausbedungen. Es empfiehlt sich also, bei einer der nächsten öffentlichen Lesungen zu erscheinen, um auf die Gästeliste zu kommen; wer weiß, welche illustren Schriftstellerkolleginnen und –kollegen Frau Moog noch in petto hat…

Sanna v. Zedlitz

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