Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

1.05.2017

Café Bistro FräuleinEmily

Die blaue Markise und die Leute, die im Schaufenster sitzen, machen beim Vorbeigehen neugierig.

Foto: Hertmut Becker

Geht man dann durch die Tür, steht man in einem großen hellen Café, und der Blick fällt auf die kleine quirlige Frau La, die junge Inhaberin. Anfang November 2016 hat sie sich endlich einen Wunsch erfüllen können, ihr eigenes Café. Und dann noch in der Nähe der Schloßstraße, wo sie selbst immer ein Café vermisste.
Mehrere selbstgebackene Kuchen sowie die üblichen kalten und warmen Getränke sind bei ihr im Angebot. Da sie auch ein Bistro führt, kann man Salate essen sowie kleine warme Gerichte aus der vietnamesischen Küche. Hier zeigen sich Frau Las vietnamesische Wurzeln.
Drei Monate haben sie und ihr Mann renoviert, um aus einem ehemaligen Büro ein nettes Café zu machen. Da wurden Wände eingezogen, Warmwasserleitungen gelegt, ein Lagerraum gebaut, Toiletten und eine Küche eingerichtet.
Frau La hat mit ihren 25 Jahren schon einiges gearbeitet und ausprobiert. Nun ist sie zum ersten Mal selbstständig und muss erstmal viel Einsatz zeigen. Ihr Café ist täglich geöffnet und sie selbst ist den ganzen Tag anwesend. Sie bedient die Gäste, backt die Kuchen oder bereitet das Essen zu. So werden in den kleinen Pausen beim Bedienen die Kuchen in kleinen Etappen zubereitet. Da es unmöglich ist, das Café durchgängig alleine zu bewirtschaften, bekommt sie immer wieder Unterstützung von ihrer großen Familie und von Freunden.
Der Weg zum eigenen Café war nicht geradlinig, zeigt jedoch viel von Frau Las Charakter. Sie wollte nicht wie ihre Eltern in die Gastronomie und fing ein Studium an. Nebenbei kellnerte sie regelmäßig. Sie brach ihr Studium ab und bekam dann eine Arbeit in der Presseabteilung der Bundesärztekammer. Nach und nach entwickelte sich jedoch der Wunsch nach dem eigenen Café, und sie suchte immer wieder nach Räumlichkeiten. Sie wohnte bereits in der Markelstraße, als sie zufällig ein Schild sah, dass für Büroräume Nachmieter gesucht wurden. Sie rief dort an und fragte, ob auch ein Café möglich wäre. Da die Vormieterin bejahte, kontaktierte Frau La die Eigentümerin. Diese lehnte das Café sofort ab. Sie hatte außerdem schon mehrere Interessenten. Frau La war so von ihrer Idee überzeugt, dass sie sich so schnell nicht abwimmeln lassen wollte. Sie backte einen leckeren Kirsch-Schmand-Kuchen und klingelte an der Tür der Eigentümerin.  Mit den Worten: „Das ist meine Bewerbung“ übergab sie ihren Kuchen. Drei Tage später erhielt Frau La von der Eigentümerin eine Mail,  in der sie den Kuchen lobte, jedoch das Café erneut ablehnte, mit der Begründung, dass es sich nicht rechnen würde.
Beim Lesen der Mail wurde Frau La kurz traurig, dann war ihr Kampfgeist geweckt. Entschlossen ging sie erneut zur Eigentümerin. Im Gespräch wurden deren Zweifel am Café wieder deutlich, sie wollte der Bewerberin eine finanzielle Niederlage ersparen. Doch Frau La kämpfte tapfer und war am Ende erfolgreich.  Sie wurde unter Vorbehalt akzeptiert, solange, bis sie alle erforderlichen Unterlagen geliefert hatte. Drei Monate dauerte diese "Überzeugungsarbeit". Dabei hat die Eigentümerin ihre neue Mieterin regelrecht gecoacht und bei allen behördlichen Schritten unterstützt.
Der ungewöhnliche Name des Cafés entwickelte sich nach und nach von Fillinchen über Emilia hin zu Emily, und bei Eröffnung kam der Zusatz dazu.

Christine Sugg

FräuleinEmily
Markelstr. 7
12163 Steglitz
Öffnungszeiten: Mo - So 10 bis 19 Uhr
Telefon: 030 55238928
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