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17.12.2023 / Projekte und Initiativen

BVG Praxistag für Schulkinder

Von Christine Bitterwolf. Hätten Sie es gewusst?: Das BVG Praxistraining für Kinder zum Verhalten in der U-Bahn findet in Schöneberg im U-Bahnhof Innsbrucker Platz statt.
Früh übt sich, wer schlau ist! Foto: Christine Bitterwolf

Mitte November kam eine 3. Klasse aus der Schöneberger Sternberg-Grundschule zur BVG Schulung. Die Klassenlehrerin, Frau Karasahin, hatte ihre Schüler vorher nicht genau informiert, was sie erwarten würde, entsprechend neugierig waren die Kinder. Die Klasse wurde von Herrn Rainer Kempf begrüßt, der die Veranstaltung leitete und ihnen auch gleich noch Herrn Ronald Bednarek, den U-Bahnfahrer, vorstellte. Auf dem Gleis standen zwei echte U-Bahnwagen, die an diesem Tag nur für die Kindergruppe reserviert waren.

Herr Kempf erklärte den Schülern, wo man was auf dem Bahnhof findet und wie sie sich auf dem Bahnsteig verhalten sollten, damit es nicht zu Unfällen komme, und die Kinder erzählten stolz, was sie schon über den weißen Sicherheitsstreifen wussten. Spannend war, was man alles über die Notrufsäule erfahren konnte. Und aufregend wurde es, als ein kleiner Junge selbst den Knopf drücken durfte, um zu sagen, dass ihm ein Gegenstand ins Gleisbett gefallen wäre und die Stimme aus der Ferne ihm klar und deutlich antwortete.

Genau so toll fanden es die Kinder, dass ein Mädchen im Zug an der Notbremse ziehen durfte und der U-Bahnfahrer dann fragte, was passiert sei. Anschließend wurde es dann allen Kindern erlaubt, mal die Notbremse zu ziehen.

Dann wurde die Klasse durch eine sonst verbotene gelbe Tür in eine unter dem Bahnhof liegende Halle geführt, wo ein Fahrschein-Automat stand. Hier durfte jedes Kind einen Übungsfahrschein ziehen und dann auch abstempeln.
Danach stieg die ganze Gruppe in ihre U-Bahn ein und Herr Kempf erklärte, wie man sich am sichersten im Wagen festhält, falls man keinen Sitzplatz mehr bekommt. Das wurde gleich erprobt, als Herr Bednarek mit dem Zug losfuhr und zwischendurch unerwartet bremste. Groß war der Jubel der Kleinen auch, als der Zug ganz schnell weiterfuhr. Die U-Bahn kann bis zu  60 Km/h fahren.

Als große Überraschung durften die Kinder auf der Rückfahrt in kleinen Gruppen im hinteren Wagen in die rückwärtige Fahrerkabine gehen. Sie interessierten sich für die Armaturen und die verschiedenen Hebel und Knöpfe und blickten gespannt in den langen dunklen Tunnel. Am Ende bekamen alle noch einen Info-Bogen mit Bildern zum Ausmalen.
Für die Schüler war das ein aufregender Unterrichtstag und auch die Lehrerin bestätigte  am Ende, dass sie noch einiges über die U-Bahn gelernt hätte, was sie vorher nicht gewusst hatte.

Solche Praxistage werden auch für Busse und Straßenbahnen durchgeführt. Die Tram für die Kinder steht am Betriebshof Lichtenberg und der Praxistag-Bus fährt immer direkt bei den jeweiligen Schulen vor. Dieses Angebot der BVG richtet sich speziell an Grundschulen und Vorschulkinder in den Kitas.
Werbung muss das Unternehmen für diese Aktionen nicht machen. Die Teilnehmer geben ihre Begeisterung und die nötigen Informationen per Mundpropaganda weiter. Inzwischen nehmen Schulen aus ganz Berlin das Angebot wahr, selbst wenn es mit langen Anfahrten verbunden ist. Es werden an jedem Wochentag zwei Veranstaltungen durchgeführt. Für jede Gruppe stehen etwa 90 Minuten Zeit zur Verfügung, je nachdem wie viele Fragen die Schüler haben, kann es auch mal etwas länger dauern. Inzwischen gibt es so viele interessierte Schulen, dass die Termine schon weit im Voraus vergeben werden. Wer sich heute anmeldet, bekommt erst nach den Osterferien einen Termin.

Den Praxistag der BVG gibt es bereits seit 1987. Herr Bednarek ist schon von Anfang an dabei. Er wird für dieses Projekt jeweils von seiner eigentlichen Arbeit freigestellt, denn wenn er gerade nicht die Kinder schult, fährt er als ganz normaler U-Bahn-Fahrer seine Schicht. Herr Kempf ist seit etwa 12 Jahren Verkehrserzieher bei der BVG. Er ist für diesen Job deshalb besonders gut geeignet, weil er in seinem Fußball-Verein früher schon Schulungen für die Kinder- und Jugendarbeit mitgemacht hat. Die beiden Kollegen sind inzwischen ein gut eingespieltes Team. Insgesamt gibt es 5 Verkehrserzieher und bei der U-Bahn zwei Fahrer, die für dieses Projekt arbeiten.
Auch die U-Bahn-Wagen werden nach dem Praxistag wieder im regulären Betrieb eingesetzt.

Ziel dieser Praxistage ist es, den Kindern den richtigen und sicheren Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln beizubringen.