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10.11.2019

BRICKS

Zwischen Haupt- und Belziger Straße geht die Post ab

Kennen Sie Walter Gropius und seine bahnbrechenden Bauten in Alfeld und Dessau? Angesichts der überall gefeierten „100 Jahre Bauhaus“ gut möglich!
Haben Sie schon mal etwas von Fritz Nissle gehört? Vermutlich nicht – den kennt nicht mal Wikipedia. Dem Postbaurat Fritz Nissle (also einem Beamten!) ist der Entwurf des 1929 bis 1931 errichteten Fernmeldeamts Süd und des angrenzenden Postfuhramts mit Tiefgarage, Fahrzeughalle (Foto links), Tankstelle und Pförtnerhaus zu verdanken. Die Bauten im Stil der Neuen Sachlichkeit können in ihrer klaren Linienführung mit abgerundeten Ecken, der Stahlskelettkonstruktion und den Klinkerfassaden durchaus mit denen des berühmten Bauhausgründers konkurrieren.
Heute sind Nissles Gebäude Teil des Immobilienprojekts „BRICKS“ auf dem ehemaligen Postgelände zwischen Haupt- und Belziger Straße. Hier wird versucht, drei Baustile aus drei Epochen miteinander zu verschmelzen:
die Neo-Renaissance der Gründerzeit, die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre und das „amorphe Formenvokabular“ (Zitat GRAFT, ausführendes Architekturbüro) der Gegenwart.
Der baugeschichtliche Ausgangspunkt des Areals ist das ehemalige Kaiserliche Postamt in der Hauptstraße etwa in der Mitte zwischen Akazien- und Eisenacher Straße. Der großzügige Bau mit Vorderhaus, Seitenflügel und Quergebäude (Foto oben) wurde von Postbauinspektor Otto Spalding entworfen und 1906 bis 1907 errichtet. Heute strahlt er wieder in seiner ganzen Pracht.
1913 bis 1915 erfolgte die Erweiterung um ein fünfgeschossiges Fernsprechamt, in dem 200 „Fräuleins vom Amt“ die Gespräche von Hand vermittelten. Wie wir wissen, blieb es nicht dabei: Die Selbstwähltelefontechnik wurde entwickelt und fand im eingangs beschriebenen Fernmeldeamt Süd ihren Platz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten der teilweise nötige Wiederaufbau sowie mehrere Umbauphasen aufgrund veränderter Nutzung.
1996 wurde das Areal mit allen Gebäuden in die Landesdenkmalliste aufgenommen.
2014 erwarb die Firma Trockland das gesamte Objekt und gab ihm den Namen BRICKS (engl. Backsteine). Seither wurde die alte Bausubstanz restauriert, modernisiert und durch zusätzliche Gewerbeflächen in den Dachgeschossen ergänzt. Hinzu kamen außerdem zwei Wohnhäuser (Eigentum in der Hauptstraße und zur Miete in der Belziger Straße – Fotos links oben und rechts unten). Im Werbesprech von Trockland klingt das so: „Eine Immobilie hat sich neu erfunden […] und […] ist eine kleine Stadt in der Stadt, facettenreich, lebendig und gut ausgestattet für vielfältige Arbeits- und Wohnkonzepte.“
Ob das Ganze funktioniert wird sich zeigen. Ob die Mischung Gründerzeit / Moderne / Gegenwart überzeugt, entscheiden Sie bitte selbst – eine Erkundungstour über das Gelände lohnt sich allemal!

Text und Fotos Dieter Hoppe

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