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1.03.2020

Berlinale NEU

Von Sigrid Wiegand. Jetzt also alles neu und anders mit der Berlinale. Deshalb hat man ja wohl Herrn Kosslick ausgebootet, weil alles neu werden soll. Berlinale? Wo?

Alles fein für die Filmkunst. Foto: Elfie Hartmann

In den Potsdamer Platz Arkaden herrscht tote Hose, da wird umgebaut - ausgerechnet zur Berlinale. Dieter Kosslick hätte dieses schlechte Timing sicher besser in den Griff bekommen, kann ich mir vorstellen. Kartenhäuschen stehen aber doch, ich komme die Rolltreppe hoch und kann gleich an die leere Kasse. So etwas habe ich noch nie erlebt in all den Jahren!
Die Bilder von den rührenden Mädchen im Fernsehen, die die ganze Nacht im Schlafsack in den Arkaden verbracht haben, um gleich am nächsten Morgen die ersten Karten zu bekommen, sind eher den Erinnerungen an alte Zeiten geschuldet als der jetzigen Situation entsprechend. Da hatte man schon mal im Europacenter vier oder fünf Stunden angestanden. Das ist aber lange her; immerhin: eine bis zwei Stunden habe ich hier in den Arkaden schon verbracht und dann doch nicht mehr das bekommen, was ich hatte haben wollen. Jetzt kann ich gar nicht schnell genug meine Zettel mit meinen Filmwünschen hervorkramen. Auf dem Screen, wo die ausverkauften Vorstellungen angezeigt werden, ist alles noch zu haben.

Dieter Kosslick sei „zu verspielt" gewesen, habe ich irgendwo gelesen; so hatte ich ihn eigentlich nicht gesehen. Er entsprach eher den Wünschen der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie erwartet von der Berlinale „eine gute Mischung aus Filmkunst und Publikumsvergnügen". Wenn ich mir das diesjährige Programm ansehe, stoße ich eher auf die Begriffe Depression, aus den Fugen geratenes Leben, Anklagen, Obsessionen, Sinnlosigkeit und Schicksalsschläge - alles nüchtern, spröde, parabelhaft. Ich wiederhole mich hier gern: ein hehrer Plot macht noch keinen guten Film, es kommt auf das Wie an und nicht nur auf das Was. Da stimme ich mit dem neuen Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, überein, vom dem ich im Netz las: „Ich glaube, dass die Filme die Kraft haben, unseren Blick auf die Welt zu verändern. Aber nicht in erster Linie durch die Themen, die sie behandeln, sondern mehr durch ihre Form." Ich hoffe, er hat eine gute Wahl getroffen. In der Sektion Panorama wird immerhin schon mal nachts auf Pariser Straßen und Plätzen getanzt.

Carlo Chatrian wundert sich, wie es möglich gewesen sei, dass Dieter Kosslick die umfangreiche Arbeit, jedes Jahr eine Berlinale auf die Beine zu stellen, allein schaffen konnte. Jetzt hat die Leitung also eine Doppelspitze, Chatrian als künstlerischer Leiter und Mariette Rissenbeek führt die Geschäfte. Hoffentlich schaffen sie es.
Die Eröffnung der 70. Berlinale war überschattet von dem Attentat in der Stadt Hanau, und es wurde eine Schweigeminute eingelegt.

www.berlinale.de

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