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27.03.2020

Berlinale Nachschlag

Von Sigrid Wiegand „Einen Film in Berlin zu zeigen hat andere Konsequenzen, als ihn auf dem Lido an der Riviera zu zeigen“ sagte der neue Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian, in einem Interview mit der taz.

Mariette Rissenbeek, Carlo Chatrian. Foto: Alexander Janetzko

Die Berlinale sei ein politisches Filmfestival, weil Berlin eine politische Stadt sei. Und ein Film sei für ihn  politisch, wenn er sein Publikum dazu auffordert, die eigene Sichtweise zu ändern. Der Berliner würde sagen: „Wieder wat jelernt“. Er habe „dunkle“ Filme angekündigt, gab es denn nicht genug Komödien? wollte der taz-Reporter wissen. Carlo Chatrian gab zu bedenken, dass viele Filme bei Nacht oder in der Dämmerung gedreht wurden; offenbar war das mit der Dunkelheit gemeint gewesen. Herrn Chatrians Statements sind gelegentlich etwas verwirrend. Es habe dieses Jahr etwas weniger Filme gegeben, was, wenn ich es recht verstanden habe, daran lag, dass offenbar nicht genügend passende Filme auf dem Markt waren. „Wir verschreiben uns einem Film und müssen dann bereit sein, ihn zu unterstützen.“ Das war sicher auch bei Dieter Kosslick nicht anders.

Wir konnten nicht alle Filme sehen, die wir gern gesehen hätten. Oft überschnitten sich die Termine, oder die Vorstellungen waren ausverkauft. So sahen wir einen Film über eine Stadt in Amerika, die auch „Berlin“ heißt und es sich zum Vergnügen gemacht hat, einen East Sector und einen West Sector einzurichten, getrennt und mit Grenzkontrollen versehen und „Flüchtlingen“, die in den „American Sector“ wollen und zur Unterhaltung der Touristen mit Platzpatronen beschossen und „verhaftet“ werden. Darauf muss  man ja auch erstmal kommen. (The American Sector). Aus Hongkong erzählte Suk Suk die Geschichte zweier schwuler Familienväter, deren Probleme mit der Gesellschaft in etwa den hiesigen entsprachen. Wir taten uns auch zwei Filme von Alexander Kluge an, dem großen Intellektuellen, deren einer, Der große Verhau, eine schlichte Herausforderung war. Interessant, wenn auch etwas klugemässig langatmig der Film Orphea, der mit dem Gedanken spielt, dass Orphea ihren Geliebten Orpheus aus dem Totenreich befreien will - umgekehrte Verhältnisse also. Ein australischer Film (High Ground) führte uns nach Australien in das Leben von Aborigines, in deren Stamm es um das Recht des Stärkeren geht. Für den Abschluss hatten wir uns einen Helen Mirren-Film aufgehoben, die ja auf dieser Berlinale für ihr Gesamtwerk geehrt wurde, und gerieten wieder in eine „Männerklamotte“, einen Mafiafilm! Helen Mirren, kaum zu erkennen, rumgeschubst von fiesen Männern. Es reichte jetzt!

Ja, wie war sie nun, diese Berlinale ohne Dieter Kosslick? Wenig Strahlkraft, finde ich. Hatte man Dieter Kosslick vorgeworfen, sich jedem Star „an den Hals zu werfen“, wie ich irgendwo las, so könnte man meinen, das neue Leitungsduo, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, könne seine Stars, die sie doch eingeladen hatten, nicht leiden, so, wie sie sie ignorieren würden. Das sagt doch einiges.

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