Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.03.2017

Berlinale-Hopping 2017

Unterhaltung mit Haltung (Dieter Kosslick)

Foto: Ethan Lindsay

Es gibt doch immer wieder etwas Neues auf der Berlinale: Als ich im Cinemaxx auf meinen Kinopartner warte, spricht mich ein junger Mann mit einer Fragenliste in der Hand an und bittet mich um meine Meinung über das Festival. Am Revers trägt er ein Berlinaleschildchen, da kann ich mir vorstellen, dass meine Antworten vielleicht an richtiger Stelle landen. Erstmal das Übliche: wie lange sind Sie schon dabei (na, ich berichte doch schon zehn Jahre darüber in der Stadtteilzeitung und war vorher schon dabei!) - Wie alt sind Sie (nun, das tut doch nichts zur Sache, oder?) - Sind Sie Berlinerin oder kommen Sie aus Westdeutschland (gestandene Westberlinerin natürlich!) und so weiter. Aber dann wird's interessant: Wenn Sie die Direktorin der Berlinale wären, was würden Sie ändern? Ich würde die Berlinale in eine wärmere Jahreszeit verlegen, sage ich. Und ich kann gleich mal wieder meinen alten Ärger über die Zustände im Berlinale Palast loswerden, wo man hinausgejagt wird, sobald ein Film zu Ende ist, weil er eigentlich die Domäne der Promis ist, in der das Volk nur Zutritt hat, um sie zu bewundern, als Stimmvieh sozusagen. Das würde ich auch ändern.

Aber deshalb keine Feindschaft nicht, es gibt zum Glück noch andere Kinos, und wesentlich schönere. Mein Favorit ist das Delphi in der Kantstraße, das ist genau so, wie ein Kino sein soll: groß und trotzdem gemütlich, keine engen Gänge, bequeme Sitzgelegenheiten und gute Sicht von allen Plätzen. Wenn immer es geht, schau ich mir meine Filme dort an.

Viel Lobendes hört man in diesem Jahr über die Berlinale, aber auch viel Kritisches. Das liegt daran, in welche Filme es einen verschlägt, den Beschreibungen in den Programmheften ist nicht immer zu trauen, manches ist auch Geschmackssache.

Überwältigend war sie  nicht, aber es waren einige richtig gute und interessante Filme zu sehen, „Django“ zum Beispiel über den berühmten Gitarristen der dreißiger und vor allem vierziger Jahre, oder die „Wilde Maus“ von Josef Hader, „Sage Femme“ mit Catherine Deneuve, und den sehr schönen taiwanesisch-japanischen Film „Mr. Long“, um nur einige zu nennen. Jetzt bin ich noch gespannt auf den Kaurismäki-Film, für den ich Karten am Berlinale Publikumstag habe. Er gilt als Favorit für den goldenen Bären.
Auch die Retrospektive mit dem Science-Fiction Thema war interessant. Ich sah mir noch einmal den alten Fassbinder-Film „Welt am Draht“ an und den amerikanischen Film „Strange Days“ aus den neunziger Jahren, wesentlich actionreicher, mit dem jungen Ralph Fiennes in seiner ersten großen Rolle, mit langen Haaren, steht ihm gut! Man sieht schon, was für ein großartiger Schau-spieler er ist. Beide Filme übrigens in Überlänge – das strapaziert das Sitzfleisch!

Der Kartenverkauf ist in diesem Jahr recht entspannt. War im vorigen Jahr das Audio City Berlin am Kudamm ein Geheimtipp für kurze Schlangen, sind es diesmal zu meiner Überraschung die Kassen in den Potsdamer Platz Arkaden, an denen ich jeweils maximal eine halbe Stunde warten musste. Ich hätte ohne viel Mühe Karten für Dutzende von Filmen erstehen können, wenn das nur nicht so sehr ins Geld ginge.

Einiges habe ich gesehen, vieles habe ich versäumt. So ist das mit der Berlinale.

Den Goldenen Bären erhielt der ungarische Film „On Body and Soul“, Silberne Bären u.a. der Kaurismäkifilm „Die andere Seite der Hoffnung“ (beste Regie), der deutsche Film „Helle Nächte“ (bester Darsteller Georg Friedrich), „Eine fantastische Frau“ (bestes Drehbuch); beste Darstellerin wurde Kim Minhee.

Sigrid Wiegand

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