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6.07.2015

Berlin-Schöneberg: Einst und Jetzt

Manchmal, wenn Leute, die nicht in Berlin leben, zu mir sagen, Berlin sei so riesig und unüberschaubar, dann sage ich, dass Berlin letztlich auch nur ein Dorf ist.

Buchcover

Optiker Wunder hatte sein Geschäft an der Potsdamer Straße

Was ich damit meine, ist, dass die meisten Bewohner sich auf einen Teil ihrer Stadt konzentrieren. Das ist meistens der Bezirk, in dem sie leben und in dem sie sich entsprechend gut auskennen. Selbst „Zugezogene“ wie ich, die in Berlin (fast) überall mal ein bisschen gewohnt haben, bleiben einer Ecke dann doch irgendwann treu. Und tatsächlich ist es ja so, dass viele Berliner Bezirke zunächst Dörfer waren. Auch Schöneberg, so steht es in der Einführung des Bildbandes „Berlin-Schöneberg: Einst und Jetzt“ wurde 1264 erstmals urkundlich als „villa sconenberch“ erwähnt. An der alten Dorfkirche in der Hauptstraße ist das Dorf, das Schöneberg war, immer noch sehr schön zu erkennen.

Während viele historische Bildbände über Berlin eher chronologisch vom Gestern zum Heute vorgehen, werden im Buch „Einst und Jetzt“ von Karolin Steinke historische Aufnahmen direkt aktuellen Bildern gegenüber gestellt. Auch der Zeitraum, aus dem die historischen Bilder stammen, ist sehr weit gefasst. Er reicht von 1885 bis 1986. Das Buch ist dadurch außerordentlich abwechslungsreich. Weiterhin fällt das besondere Bemühen auf, dass sowohl die alten wie die aktuellen Fotos eine ähnliche Perspektive der Orte zeigen. Schade ist, dass die aktuellen Fotos im Buch relativ klein sind und dadurch nicht so richtig zur Geltung kommen. Zu jedem Ort hat Steinke jeweils einen Text verfasst. Manchmal sind es eher historische Erklärungen, manchmal interessante Geschichten über Menschen, die hier einst wohnten und arbeiteten. Der Optiker Joseph Wunder aus der Potsdamer Straße oder die Fischverkäuferin Ruth Manthey sind solche Personen, die den Orten ein Gesicht geben.

Mir gefällt der Bildband „Schöneberg - Einst und Jetzt“ sehr gut. Die Mischung aus Geschichte und Geschichten, verbunden mit den historischen Aufnahmen und dem Hinweis, wie es heute dort aussieht, funktioniert gut. Ehrlicherweise ist zu erwähnen, dass sich die Gegenüberstellung von „Früher und Heute“ seit längerem schon großer Beliebtheit erfreut. So gibt es Apps für das Smartphone, mit deren Hilfe man sich historische Berliner Orte anzeigen lassen kann. Ich finde es allerdings anschaulicher, sich den Bildband einzupacken und direkt vor Ort einen vergleichenden Blick zu wagen. Das Buch ist auch ein schönes Geschenk für Besucher, die den Bezirk kennenlernen wollen.

In der Reihe „Einst und jetzt“ sind bislang verschiedene Bände zu Brandenburger Orten erschienen. Band 19 widmet sich dem Flughafen Schönefeld und Band 37 nun Schöneberg. Weitere Berliner Bezirke sollen folgen.

Karolin Steinke
„Berlin Schöneberg:
Einst und Jetzt“, Culturcon Medien Verlag Berlin, EUR 16,95.

Isolde Peter

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