Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

6.09.2015

Begegnungszone Maaßenstraße

Die Maaßenstraße wird eine Begegnungszone, die erste ihrer Art in Berlin. Es ist ein Modellprojekt, ein Pilotvorhaben, Schöneberg ist der Vorreiter. Später soll es noch zwei weitere Begegnungszonen in Berlin geben.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat 2011 die Fußverkehrsstrategie beschlossen. Dazu gab es 10 Modell-Vorschläge, wie Straßen zukünftig aussehen könnten, damit das zu Fuß gehen einfacher und sicherer sowie die Aufenthaltsqualität gefördert wird. Daraus wurde das Modell Begegnungszone zur Umsetzung ausgewählt. Ziel einer Begegnungszone ist es, dass sich alle Verkehrsteilnehmer, Autofahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger, gleichberechtigt nebeneinander bewegen. Solche Zonen gibt es bereits in anderen europäischen Ländern, die hier als Vorbild herangezogen wurden.

Im November 2013 wurde eine Bürgerversammlung organisiert, um die Anwohner der Maaßenstraße zu informieren und bei der Gestaltung mit einzubeziehen. Die Ideen reichten von der Ausstattung mit Spielgeräten für Kinder über die Nutzung als Boulevard bis zum Bau eines Aussichtsturmes am Nollendorfplatz.

Nach über einem Jahr, Anfang 2015, waren die Vorbereitungen dann abgeschlossen, und schon im Mai 2015 konnte mit dem Bau der Begegnungszone begonnen werden. Ende September ‘15 soll die neu gestaltete Maaßenstraße fertig sein. Und es sieht gut aus. Die Arbeiten gehen zügig voran, und die Leute, die hier wohnen, glauben fest daran, dass das Vorhaben pünktlich abgeschlossen sein wird. Auch seitens des Bezirksamtes wird bestätigt, dass spätestens in der Woche ab 5. Oktober die neu gestaltete Straße an die Anwohner übergeben werden kann. Evtl. müssen noch kleine Restarbeiten erledigt werden, aber diese sind dann bis Ende Oktober ebenfalls abgeschlossen. Damit hätte Schöneberg in Bezug auf pünktliche Fertigstellung eine Leistung vollbracht, die in Berlin nicht unbedingt üblich ist.

Es bleibt also nur noch abzuwarten, ob die hochgestellten Erwartungen alle erfüllt werden. Ein Boulevard, der sich mit dem Kurfürstendamm oder der Friedrichstraße messen könnte, wird die kleine Maaßenstraße sicherlich nicht. Es werden jedoch auf den breiteren Gehwegen Ruhezonen eingerichtet und Sitzbänke aufgestellt, auch Blumenkübel sind geplant. Für die Kinder wird es Tiere aus Beton geben, auf denen sie sitzen und klettern dürfen. Es werden sich auch nicht alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt nebeneinander bewegen können. In der Schweiz haben die Fußgänger in den Begegnungszonen das Vorrecht, in den Niederlanden stehen die Fußgänger den andern Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt gegenüber. In Deutschland lässt die Straßenverkehrsordnung (StVO) so etwas jedoch nicht zu. Die Kraftfahrzeuge haben auf der Straße stets die Vorfahrt. Eine Ausnahmeregelung, wie es sie z.B. für Spielstraßen gibt, ist hier nicht möglich, da die Begegnungszonen sich als solche noch nicht so etabliert haben, dass sie in der gesetzlichen Regelung bereits eine speziele Berücksichtigung finden. Deshalb ist dieses Ziel neu formuliert worden, alle Verkehrsteilnehmer sollen nun rücksichtsvoll miteinander umgehen. Das steht so allerdings auch schon in §1 der StVO und sollte sowieso selbstverständlich sein.

Das zugelassene Tempo wird von verkehrsberuhigten 30 km/h auf 20 km/h reduziert. Da ist nur noch abzuwarten, ob sich auch alle Radler an dieses Tempolimit halten. Um die Autos und Radfahrer zusätzlich zum langsamen Fahren zu veranlassen, wird der Fahrstreifen verschwenkt und mit Schwellen versehen.

So angenehm wie der Aufenthalt für die Fußgänger auf den erweiterten Gehwegen sein wird, so eng wird es für die Autos und Fahrräder werden, die sich in jeder Richtung auf nur einer Fahrspur drängen müssen, wo sie dann auch noch mit gelegentlichem Lieferverkehr konfrontiert werden. Hoffentlich verlaufen diese Begegnungen immer problemlos. Die Abgrenzung zwischen Gehweg und Fahrdamm wird sicherheitshalber durch Poller oder Blumenkübel verdeutlicht.
Viele Anlieger bedauern jedoch den Wegfall von circa 50 Parkplätzen für ihre Autos, Es gibt immer noch keine konkreten Alternativen, wo die Anwohner parken könnten. Dafür werden in Zukunft 50 Fahrradbügel in der Maaßenstraße aufgestellt, die von den Radfahrern bestimmt  gerne genutzt werden. Vielleicht entwickelt sich hier bald ein neues Park-and-Ride-System, mit dem Fahrrad zwischen Auto und Wohnung.
Wie bei jedem Pilotvorhaben muss die Entwicklung beobachtet werden. Bezirksstadtrat Krüger versichert, dass die Situation in einem Jahr überprüft wird. Dabei gilt der Blick dann besonders dem Geschwindigkeitsverhalten, der Unfallsituation und auch der Akzeptanz durch die Bürger. Anschließend muss über mögliche Verbesserungen nachgedacht werden.

Die Idee einer Begegnungszone ist jedenfalls grundsätzlich gut. Im Rahmen einer Fachveranstaltung in Karlsruhe, an der auch der ADAC und der Deutsche Städtetag teilnahmen, wurde diese innovative Idee im März 2015 sogar prämiert. Klugerweise in der Kategorie „gedacht und geplant, aber noch nicht realisiert“.

Anfang August hatte sich die Straße jedenfalls bereits zu einer ganz besonderen Begegnungszone entwickelt. In der Mitte war eine riesige Baustelle, abgesperrt von einem Ende der Straße bis zum anderen, auf der einerseits gearbeitet wurde und andererseits das Material für den neuen grünen Straßenbelag bereits meterhoch gelagert wurde. Dazwischen konnten die Autofahrer einspurig Richtung Nollendorfplatz schleichen und damit schon für die Zukunft üben. Die bisherigen auf dem Gehweg markierten Radwege waren bereits gesperrt, und der Bürgersteig selbst war durch die Bauzäune stark eingeengt. Soweit es der Platz noch einigermaßen zuließ, parkten einzelne Autos direkt neben den Halteverbotsschildern.
So trafen dort auf engstem Raum kinderwagenschiebende Mütter und Senioren mit Rollatoren auf die Warteschlange vor der Eisdiele und die Herren im dunklen Anzug mit Schlips und Kragen, die an der Dönerbude ihre Mittagspause verbrachten. Dazwischen schlängelten sich die Radfahrer durch die enggestellten Restauranttische. Es war ein munteres Treiben, und trotz der großen Hitze schienen sich alle freundlich zu begegnen. Ist hier vielleicht der Weg schon das Ziel?!

Christine Bitterwolf

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