Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

2.02.2016

Bauen in Schöneberg

Das neue Haus am Barbarossaplatz

Neues Haus am Barbarossaplatz, rechts Blick auf die Apostel-Paulus-Kirche durch den Alice-Salomon-Park. Foto: Thomas Protz

Im Jahre 2009 wurde der alte Sozialbau am Barbarossaplatz Ecke Barbarossastraße abgerissen. Schön ist das Haus aus dem Jahr 1964 nicht gewesen, deshalb hat es niemand wirklich bedauert, aber preiswerten Wohnraum hatte es zur Verfügung. Der ist nun weg, das wurde von vielen Anwohnern beklagt. Dazu kam die Angst vor dem, was neu gebaut werden würde, zu modern, zu protzig, zu teuer? Daneben stand auch die Furcht vor der Gentrifizierung im Kiez.

Jetzt ist das neue Haus fertig. Es ist ein riesiger Block geworden, der sich von der Barbarossastraße 59 / 60 bis an den Barbarossaplatz 10 und weiter zur Schwäbischen Straße 4 zieht. Es hat eine klassisch moderne Fassade. Ein Begriff, der nicht näher definiert ist. Er ist sehr umfassend und ziemlich aussagelos. Jedenfalls ist eine Ähnlichkeit mit der klassischen Fassade aus der Gründerzeit, die die Barbarossa-Schule an der nächsten Ecke ziert, nicht festzustellen. Jedoch sieht das neue Haus im Ganzen nicht schlecht aus mit der hellen Front, den großen Fenstern und den zurückgestuften oberen Etagen. Und es wirkt im Ganzen freundlicher als der vorherige triste Bau, in sofern ist es schon ein Gewinn für den Platz.

Der Neubau gilt als KfW Effizienzhaus und entspricht in vollem Umfang der Energie-Einspar-Verordnung von 2009. Es ist ausgerüstet mit Photovoltaik, einem Blockheizkraftwerk und einer Gasbrennwert-Therme. Die Flachdächer sind begrünt und im Innenhof wachsen Bäume. Das war eine Bauauflage vom Bezirksamt als Entschädigung dafür, dass auf dem 3200qm großen Grundstück für den Bau etliche Bäume gefällt worden waren. Hier sind tatsächlich Eigentumswohnungen im oberen Preisbereich entstanden, Wohnungen, die bis zu 220qm Fläche haben und die alle über einen Balkon oder eine Terrasse verfügen. Angeboten wurden sie für den Verkauf als Stadtwohnungen (an der Barbarossastraße), als Platzwohnungen mit Blick über den Barbarossaplatz, als ruhige Gartenwohnungen (zum Innenhof) und als Parkwohnungen in Grünlage am Alice-Salomon-Park. Das klingt nach Luxus.
Der ganze Bau hat über 25 Millionen Euro gekostet. Entsprechend hoch waren auch die Preise für die angebotenen Wohnungen. Der Durchschnittspreis lag bei knapp 4.000 Euro pro Quadratmeter, aber es soll auch einzelne Wohnungen gegeben haben, die für fast 7.000 Euro/qm angeboten wurden. Und doch gibt es wohl in Berlin genügend Interessenten, die über das erforderliche Kapital verfügen, denn als im Mai 2015 Richtfest gefeiert wurde, waren bereits alle Wohnungen verkauft.
Zu dieser Wohnanlage gehört auch eine Tiefgarage mit 61 Stellplätzen. Bei 86 Wohnungen erhält da nicht jeder Eigentümer einen Garagenplatz, aber die Parkplatzsituation rund um den Barbarossaplatz wird sich dadurch vielleicht doch etwas entspannen.

Nach Abschluss der Baumaßnahmen wurde der Alice-Salomon-Park neu gestaltet. Wobei sich der Bauherr mit 270.000 Euro beteiligt hat. Auch das war eine Bauauflage. Der Spielplatz wurde  neu gestaltet und Bänke wurden wieder aufgestellt. Der Weg durch den Park wurde begradigt und liegt jetzt etwa so, wie die Schwäbische Straße ursprünglich verlaufen ist, denn der Park, der diese Straße zwischen Barbarossaplatz und Karl-Schrader-Straße unterbricht, wurde erst nach dem Krieg angelegt.

Damit sind mit dem Neubau am Barbarossaplatz auch ein paar positive Effekte für den Kiez verbunden. Natürlich werden einige Anwohner hier schon die ersten Schritte zur Gentrifizierung sehen, aber es darf dabei nicht vergessen werden, als der Investor die Baugenehmigung erhalten hat, war das Bezirksamt tatsächlich noch daran interessiert, den Bereich um den Platz aufzuwerten. Damals wurden auch die Baugenehmigungen für die beiden Häuser an der Schwäbischen Straße erteilt, die in naher Zukunft durch hochwertige Neubauten ersetzt werden sollen. Erst danach kam der Meinungswandel und die Verordnung zum Milieuschutz, womit nun in Zukunft keine weiteren Luxuswohnungen mehr in diesem Viertel geschaffen werden können.
Die jetzige Situation lässt also die Hoffnung zu, dass es hier vielleicht gelingen wird, zwischen sanierten Altbauten, ehemaligen sozialen Wohnungsbauten und teuren Neubauten im Wohnbereich eine gesunde soziale Mischung zu erhalten.

Christine Bitterwolf

Kontakt

Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Stadtteilzeitung SchönebergHolsteinische Straße 3012161 Berlin
86 87 02 76 -79Fax 86 87 02 76 -72E-Mail senden
LeitungThomas Thieme0173/4825100E-Mail senden