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02.03.2011 / Projekte und Initiativen

Bascha Mika: „Die Feigheit der Frauen“

Neulich hatte sogar der „Spiegel“ die Frauenquote auf dem Titel. Nach einem Blick auf die eigenen Reihen, in denen Frauen ab der Ressortleiterebene eher spärlich gesät sind, schien es den Autorinnen nicht abwegig, diese ungleiche Verteilung mithilfe einer Quote zu ändern. Und im „Stern“ wurde eine Unternehmensberaterin mit den Worten zitiert: „Nicht die Frauen müssen sich ändern, sondern die Firmen.“
Bascha Mika, Foto: Wikimedia User:Euku

Bascha Mika, ehemalige Chefredakteurin der taz, hat nun der aktuellen Diskussion ein Buch hinzugefügt, das den provozierenden Titel „Die Feigheit der Frauen“ trägt. Das Buch wirkt seltsam altmodisch. Manchmal wirkt es auch unfreiwillig komisch, wenn eine ältere Nobelpreisträgerin junge Mädchen als „Aufziehpuppen“ bezeichnet und sich über deren Makeup mokiert. Oder wenn die Rosaphase vieler Mädchen im Kleinkindalter als Ausgangspunkt für die „Modelzucht“ junger Frauen gesehen wird. Eine mögliche Einschränkung von Jungs durch ein Puppen- und Rosaverbot in deren Kinderzimmern wird übrigens nicht diskutiert.

Männernetzwerke und „das System“ werden sowieso nur am Rande erwähnt. Mika führt zahlreiche anonyme Erfahrungs- bzw. Leidensberichte auf und lässt Expertinnen und Experten zu Wort kommen. Letztere psychologisieren gerne und äußern einigen Frust über die Frauen von heute. Gestört hat mich, dass Mika so häufig „wir“ sagt („wir Frauen“). Das soll wahrscheinlich Solidarität ausdrücken, wirkt aber völlig aufgesetzt. Noch mehr gestört hat mich, dass allein das Vollzeitarbeitsmodell als erstrebenswert gelten soll. Dabei sehen viele Unternehmen inzwischen Sinn darin, Arbeitszeitmodelle zu flexibilisieren und damit familienfreundlicher zu gestalten. Als Streitschrift will das Buch eine Diskussion anregen, allerdings bleibt nach der Lektüre unklar, worüber man diskutieren soll.

Das Thema ist viel zu komplex, als mit ein paar Schlagworten wie „Geiselmentalität“ oder „Kümmersyndrom“ abgehandelt zu werden. Ein Ratgeber ist das Buch ohnehin nicht, weil es nicht wirklich einen Weg aus der vermeintlichen Feigheit aufzeigt. Klar dürfte zumindest eines sein: Nicht die kindliche Vorliebe für rosa Spielzeug kann ein Grund dafür sein, dass Frauen später im gleichen Job bei gleicher Qualifikation durchschnittlich 8 % weniger verdienen. Und: Solange es in vielen Bundesländern nicht einmal genügend Kita- und Hortplätze gibt, ist die Diskussion über die Aufteilung von Haus- und Familienarbeit fast schon müßig. Die Quote, die eingangs erwähnt wurde, wird meist bei 30 % (Frauenanteil bei Führungspositionen) angesiedelt. In Umfragen sind übrigens Männer in der Mehrzahl da-gegen, Frauen in der Mehrzahl dafür. Ganz so feige und ganz so naiv scheinen Frauen also doch nicht zu sein.

Isolde Peter

B. Mika "Die Feigheit der Frauen", C. Bertelsmann Verlag.

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