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26.05.2022 / Orte und Plätze

Auf in die Botanik

Von Ottmar Fischer. Wo heutzutage in Berlin lebende Künstler_innen in einer „Kommunalen Galerie“ ihre Werke einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen, hatte einst und über lange Zeit das wissenschaftliche Personal des benachbarten „Botanischen Gartens“ seine Wirkungsstätte.

Hier wurden Pflanzen gesammelt, katalogisiert und in einem Botanischen Museum zugänglich gemacht, die von nah und fern ihren Weg hierher fanden, mitunter auch durch Forschungsreisende wie Adalbert von Chamisso eingebracht wurden, der hier das Herbarium betreute und auf diese Weise zugleich ein bescheidenes Einkommen hatte, das ihm die finanzielle Sicherheit für sein dichterisches Wirken bot.
Als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts der Botanische Garten an seinen heutigen Standort nach Dahlem verlegt wurde und mit ihm auch das Haus der Botanik mitsamt dem Museum, wurde das Gelände zu einem Stadtpark umgestaltet und erhielt den Namen Heinrich-von-Kleist-Park, weil sich zeitnah der hundertste Todestag des seinerzeit unvergessenen Dichters jährte. Und weil das ehemalige Botanik-Haus folgerichtig nun „Haus am Kleistpark“ heißt und nach dem Willen der Bezirkspolitik jetzt der Kunst und seiner Förderung dient, ist dort die Idee entstanden, den künstlerischen Gestaltungswillen auch einmal auf den benachbarten Park zu richten, dem man  ja immerhin noch über denselben Namen verbunden ist. Caroline Böttcher und Julia Ohlendorf haben daher in ihrer Audio-Walk-Dichtung  „Grüne Spuren“ eine interessante Möglichkeit vorgelegt, den Spuren des einstigen Botanischen Gartens in einem leibhaftigen, aber begleiteten Spaziergang durch das Gelände selbst nachzugehen.

Die unsichtbare Begleitung bei diesem Spaziergang ist über eine App anwesend, die auf dem Handy an elf ausgewählten Stationen in kurzen Hörszenen etwas über die lange Geschichte des Geländes zu vermitteln weiß. Und es gibt viel zu erzählen auf diesem einstündigen Rundgang, denn diese Geschichte ist lang. Sie beginnt schließlich schon  mit dem kurfürstlichen Hopfengarten des Jahres 1679, und die Entwicklung des eigentlichen Botanischen Gartens über mehr als 200 Jahre ist reich an Ereignissen und sogar Sensationen. In den einzelnen Hörspielszenen wird das nötige Fachwissen spaziergangsgerecht aufbereitet, es kommen überlieferte Anekdoten zu Gehör und historische Persönlichkeiten erhalten eine Stimme. Doch dreht sich alles um die Botanik und die Welt der Pflanzen, so wie sie hier einst in Schauanlagen und Gewächshäusern präsentiert wurde, auch wenn plötzlich mal Rosa Luxemburg, Jean Jacqes Rousseau oder Franklin D. Roosevelt dazwischenreden.

Mithilfe dieses Hörspiel-Reigens wird  der Spaziergang durch den real erlebbaren Park zu einem Gesamtkunstwerk, bestehend aus dem eigenen Naturerlebnis und dem Hören von Geschichten zu diesem Erlebnisort, eigens konzipiert für Kopfhörer auf einem Audiowalk. Er ist über die App „Guidemate“ auf dem Smartphone kostenlos abrufbar. Und dazu erscheint auf dem Display ein historischer Geländeplan, der auch die einzelnen Stationen anzeigt. Beim Erreichen der jeweiligen Standorte werden die dazugehörigen Hörszenen automatisch gestartet, denn die Position der Spaziergänger wird mithilfe von GPS-Daten punktgenau verfolgt. Insofern bietet das Gesamtkunstwerk Naturerlebnis/ Parkgeschichten also zusätzlich auch noch das Erlebnis einer selbstreferenziellen Schnitzeljagd.

Guidemate Audio-Führer im Play Store oder App Store für Smart-phones oder www.hausamkleistpark.de/audiowalk/

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